Meinung | Der Fels in der Brandung
Was auf Malle passiert, wird auf Malle beglichen
Eine großflächige Sparkassen-Werbung am Flughafen sorgt auf Mallorca für Diskussionen. Kritiker stören sich vor allem am Begriff „Malle“ und an der Anspielung auf Las Vegas - zu Recht findet MZ-Kolumnist Lutz Minkner

Das umstrittene Sparkassen-Plakat am Flughafen von Mallorca. / Europa Press
Die großflächige Werbung (ca. 15 × 30 m, weiße Schrift auf rotem Untergrund) einer Sparkassen-Gruppe am Flughafen hat dieser Tage eine heftige Kontroverse ausgelöst. Auf den ersten Blick liest man nur „Was auf Malle passiert, wird auf Malle beglichen“ und ist etwas ratlos. Der eilige Passant wird sich damit nicht weiter befassen.
Tritt man etwas näher, liest man die kleingedruckte dritte Zeile: „Jetzt unter Freunden einfach und schnell Geld senden. Mit Wero." Darunter ein Quellcode, das Sparkassen-Logo und das Logo des Dienstleisters Wero. Kurzum: Eine Werbung für eine Bezahl-App, mit der man unkompliziert von Mobil auf Mobil überweisen kann.
"Malle erinnert an Sauftourismus"
Die Proteste entzünden sich vorrangig an der Bezeichnung Mallorcas als "Malle“. Das erinnere an Sauftourismus, Urlaubsenthemmung, Kontrollverlust und Aussetzung gesellschaftlicher Normen. Die Sparkasse weist diese Interpretation zurück und verweist auf einen traditionellen Spruch aus amerikanischen Filmen: „Was in Las Vegas passiert, bleibt in Las Vegas.“ Der Werbespruch sei eine charmante Anlehnung an die Filmvorlage. Im Übrigen wird der Spruch auch im Business-Alltag mit der Bedeutung „Was im Büro besprochen wird, bleibt im Büro“ genutzt. Auch der Flughafenbetreiber AENA sieht in dem Plakat keine Kampagne zur Förderung des Exzesstourismus.
Eine Einladung, alle Hemmungen hinter sich zu lassen
Die Erklärungen und Entschuldigungen sind wenig überzeugend. Schaut man sich im Internet die Deutungen des Las-Vegas-Zitats an, dann geht die überwiegende Interpretation dahin: Das Zitat will sagen: „Alle Abenteuer und Vergnügungen, auch Exzesse, die Sie in Las Vegas erleben, bleiben in Las Vegas. Es ist eine Einladung, loszulassen, Spaß zu haben und alle Hemmungen hinter sich zu lassen.“
Und wenn die überwiegende Interpretation gerade diese ist, dann ist es verständlich, dass sich die Mallorquiner darüber erregen, und es zeigt, dass Sparkasse und Werbeagentur sich besonders in Zeiten berechtigter Tourismuskritik bei der Vorbereitung ihrer Kampagne höchst unsensibel verhalten haben. Mit dem Werbebanner haben die Verantwortlichen einem an sich guten Produkt einen Bärendienst erwiesen. Mein Rat: Banner sofort entfernen, Agentur wechseln und neu denken.
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