Meinung | Der ganz normale Wahnsinn
Der Görlitzer Park vom Ballermann: Warum der geplante Mega-Park neben dem Megapark keine gute Idee ist
MZ-Kolumnist Ingo Wohlfeil macht sich Gedanken über den geplanten Park an der Playa de Palma

Auf dem Gelände des Dino Golf soll bald eine große Grünfläche entstehen. / Rathaus Palma
Wer an die Playa de Palma und an Parkanlagen denkt, landet zwangsläufig sofort beim größten Partykomplex der Insel, dem Megapark. Und Park passt ja im Wortsinne. Die Anmutung ist von innen in Grün gehalten und voller lauter bunter Vögel. Doch tatsächlich soll demnächst gleich neben dem Megapark ein echter Mega-Park entstehen. In erster Meereslinie. Ganze 230 Meter in der Länge. 35.000 Quadratmeter in der Fläche. Er beginnt am jetzigen Café Lavita und endet am Restaurant Sicilia in Boca. Der erste Bereich dieses Geländes unten am Meer diente bisher als abschreckendes Beispiel für Grünanlagengestaltung. Ein hässlicher Steinpark, der keinerlei Funktion hatte, außer dass er Dieben als perfektes Operationsgebiet diente.
A walk in the park, a step in the dark (Nick Staker Band, 1979)
Der zweite Abschnitt des neuen Parks wurde bisher als einer der wenigen unalkoholischen Orte des Ballermanns genutzt. Als Minigolf-Anlage. 30 Jahre lang war der Dino-Minigolf einer der wenigen kinderfreundlichen Plätze in Strandnähe. Generationen von Eltern schleppten hier ihren Nachwuchs in den Trinkpausen durch. Zudem war das eine der wenigen schattenspendenden und begrünten Ecken der Playa.
Der vor dem Minigolf liegende Amrum Beach Club hätte längst ein vernünftiger Beachclub werden können. Einer, der den Namen auch verdient, aber die Pächter des Grundstücks wussten vom baldigen Ende und investierten deshalb schon seit Jahren nicht mehr.
I’m afraid in the dark, especially when I’m in the park (»Life«, Des’res, 1998)
Ich halte das für vollkommenen Quatsch, einen Park an die Transitstrecke von Hunderttausenden Menschen zu bauen, die nüchtern in den Megapark strömen, um dann ein paar Stunden später besoffen nach Hause zu torkeln, womöglich mit Abkürzung durch den Park, der einzigen öffentlichen Toilette weit und breit – mal abgesehen von den vier Balneario-WCs. Weitere Desaster erwarten einen Trunkenbold beim Betreten der Grünanlage durch Diebe, Dealer oder Prostituierte. Der Görlitzer Park vom Ballermann. Erfahrungen gibt es bereits aus diesem Bereich.
„Fumarán cigarrillos, jugarán con bombas“ („Los Niños del Parque“, Liaison Dangereuse, 1981)
Der obere Teil der Parkanlagen in Richtung der dritten Meereslinie wurde noch vor zehn Jahren „Hurenhügel“ genannt. Ein uneinnehmbares Areal voller Pinien, das besonders gerne von nigerianischen Zwangsprostituierten genutzt wurde, um hart alkoholisierte Opfer zu berauben. Mittlerweile ist aus diesem ruchlosen Platz tatsächlich ein ganz ansehnlicher Ort neben einem Fünf-Sterne-Hotel geworden, der jedoch hauptsächlich dafür genutzt wird, die Hundekacke beim Gassigehen liegenzulassen. Immer gibt es was zu meckern.
„Gaby wartet im Park – Doch sie bleibt heut allein“ (Udo Jürgens, 1981)
Was ich sagen will: Parks sind toll, eine Renaturierung hat besonders die Küste mehr als verdient und ein schattenspendender Baum ist ja auch nichts Schlechtes. Aber der Ort des absoluten Massen- und Partytourismus ist absolut falsch gewählt. Stattdessen könnte man dort auch gleich einen riesigen Donnerbalken aufbauen. Um zu verhindern, dass der Park sofort vermüllt, kondomisiert oder vollgepinkelt wird, braucht es Zäune, Wächter, Überwachung, Schließzeiten, Beleuchtung. Und die verbliebene Fläche ist einfach zu kostbar, um dort noch Tennis- oder Padelplätze zu errichten, wie Anwohner glauben, dass es geschehen wird.
„Ich geh durch den Park an einem Donnerstag“ ( Max Raabe, 2017)
Für einen Park braucht es auch eine Zielgruppe. Und die lässt sich am Ballermann nur schwerlich finden. Außer vielleicht Knutscher, residentale Hundeausführer oder schattensuchende Straßenhändler. Aber für die gibt man keine Millionen aus.
Mit dem Dino-Minigolf verschwindet übrigens die einzige Minigolf-Möglichkeit an der gesamten Playa de Palma. Die nächste Möglichkeit ist jetzt 35 Kilometer entfernt in Magaluf.
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