Meinung | Kommentar
So groß plakatiert, und doch nicht genau hingeschaut: Mallorca ist nicht Deutschland
Das Sparkassen-Plakat am Flughafen ist nur ein Symptom. Die Selbstverständlichkeit, mit der die Deutschen Mallorca mental eingemeinden, sorgt auf der Insel für immer größere Wut, warnt MZ-Chefredakteur Ciro Krauthausen

Abnahme des umstrittenen Sparkassen-Plakats am Flughafen: Was auf Malle geschah, wurde auf Mallorca beglichen / B. Ramon
16 mal 30 Meter. So ein Plakat ist nicht zu übersehen. Die Sparkassen-Gruppe dürfte für die Einführung ihres Bezahlsystems Wero tief in die Kasse gegriffen haben, um es so prominent platzieren zu dürfen, dort wo es ihrer Zielgruppe im Urlaub ins Auge springt. Dass sie es nun nach einer Welle der Empörung – und sicherlich auch: nach erreichter Aufmerksamkeit – wieder abnimmt, hängt damit zusammen, dass die von ihr beauftragte Werbeagentur und sie etwas übersehen haben: Mallorca ist nicht Deutschland.
Sie sind damit nicht alleine: Sehr viele Deutsche übersehen das. Kraft der Jahrzehnte, die hier schon geurlaubt wird, haben sie Mallorca gewissermaßen schon mental eingemeindet. Der Gedanke, dass so ein Plakat anstößig sein könnte, dürfte im Vorfeld keinem der Verantwortlichen gekommen sein.
Das wiederum hängt damit zusammen, dass man sich bei aller mentalen Nähe zu dieser Insel nicht wirklich mit ihr beschäftigt. Denn die Anzeichen, dass es hier brodelt, sind schon länger da, nehmen seit der Pandemie immer weiter zu.
Die Deutschen und ihre fetten Gehälter, Autos und Villen; die Deutschen, die sich ganze Dörfer zu eigen machen; die Deutschen, die eine Millionenyacht am Strand einfach verrotten lassen; die Deutschen, die sich überall mit idiotischen Stickern verewigen, die Deutschen, die sich aufführen, als sei das ihr Themenpark. Und so weiter.
Das ist alles vereinfacht dargestellt, schon klar. Aber es sind weithin geteilte Eindrücke auf der Insel. Es wird Zeit, sich einmal damit zu beschäftigen. Hinzusehen. Und sich dann zurückzunehmen.
Abnahme des umstrittenen Sparkassen-Plakats am Flughafen: Was auf Malle geschah, wurde auf Mallorca beglichen / B. Ramon
Übersetzung ins Spanische
16 por 30 metros. Un cartel así no pasa desapercibido. El Grupo Sparkassen debió de haber metido profundamente la mano en el bolsillo para presentar su sistema de pago Wero allí donde salta a la vista de su público objetivo. Que ahora, tras una oleada de indignación -y seguramente también: tras haber llamado la atención-, lo retire de nuevo tiene que ver con que la agencia de publicidad contratada y el grupo pasaron algo por alto: Mallorca no es Alemania.
No están solos en esto: a muchísimos alemanes les sucede igual. Tras décadas de veranear aquí, de algún modo han incorporado Mallorca en su mapa mental alemán. A ninguno de los responsables se le habría ocurrido de antemano la idea de que un cartel así pudiera resultar ofensivo.
Eso, a su vez, tiene que ver con que, pese a toda la cercanía mental con esta isla, no se ocupan realmente de ella. Porque las señales de que aquí algo está en ebullición llevan ya bastante tiempo presentes, y desde la pandemia no dejan de aumentar.
Los alemanes y sus sueldos, coches y mansiones; los alemanes que se apropian de pueblos enteros; los alemanes que dejan que se pudra un costosísimo yate en la playa; los alemanes que se inmortalizan por todas partes con pegatinas idiotas ; los alemanes que se comportan como si este fuera su parque temático. Y así sucesivamente.
Todo esto son simplificaciones, claro está. Pero son impresiones ampliamente compartidas en la isla. Ya va siendo hora de ocuparse de ello alguna vez. De mirar. Y después de retraerse.
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