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Meinung | Mein Mallorandum

Frisiert, laut, unaufhaltsam: Wer sind die Roller-Fahrer, die Cala Ratjada um den Schlaf bringen?

In Cala Ratjada haben nächtliche Rollerfahrten ihren ganz eigenen Soundtrack. Eine Kolumne von Mirko Perković über frisierte Mopeds, verlorenen Schlaf und die Kunst, Lärm als Lebenszeichen zu deuten

Vespa fahren ist für viele auf der Insel eine Leidenschaft.

Vespa fahren ist für viele auf der Insel eine Leidenschaft. / Motoxapa

Das Aufheulen eines frisierten Rollers, der um 0.36 Uhr die Calle L’Agulla hinunterbrüllt, als wolle er allen beweisen: Er existiert. Es gibt Geräusche, die vergisst man nicht. Den ersten Schrei eines Babys. Das letzte Wau eines alten Wuffs. Und: BRÄÄÄÄÄMMM! Man muss das würdigen. Wirklich.

Denn was hier nachts durch Cala Ratjadas Gassen donnert, sind ja nicht bloß Vehikel. Es ist ein Ventil, ein Statement. Eine Philosophie. Auf zwei Rädern. Junge Seelen, sie möchten der Welt zurufen: „Ich bin. Hier. Da! Hört ihr? Seht, so schnell. Und: Menschen, die morgen früh arbeiten müssen?“ — RÄTT-TÄTT-TÄTT.

Der technische Aufwand verdient Respekt. Man kaufe einen Roller. Seine Bestimmung ab Werk: Er soll still und unauffällig vorangleiten. Das aber ist dem modernen Touristenort-Fahrer viel zu wenig. Deshalb wird geschraubt, es wird getunt — Auspuffsystem optimieren. Bis das Ergebnis klingt wie eine Kreuzung aus Kettensäge und blechernem Löwengebrüll. All das, damit fremde Menschen um Mitternacht aus dem Bett fallen. WROOOAM.

Das nächtliche Ensemble ist vielseitig: Das hohe Jaulen — Einsteiger, noch unsicher in der Tonlage. Das tiefe Röhren — Fortgeschrittener, Nachrüst-Auspuff aus dem Internet, Preis nicht besprochen mit der Mutter. Und dann ist da noch das sporadische Aufröhren, das kurz aufflackert und verstummt — der Fahrer hat den Kreisel entdeckt. Vielleicht. Oder etwa nicht? PÖFF.

Eigene Taktiken im Umgang mit dem Lärm

Die Anwohner haben ihre Strategien: Es gibt zwei Lager. Die einen rufen „Madre mia!“ Die anderen wählen Ohropax oder die stoische Akzeptanz. Ein Nachbar protokollierte sogar mal jede Vorbeifahrt — Uhrzeit, Lautstärke, geschätzte PS-Zahl. Er nennt es Feldforschung. Ich nenne es das letzte Aufbäumen eines Mannes, der den Schlaf verloren hat, aber das Notizbuch nicht. PÖTT-PÖTT-PÖTT.

Eines Nachts ordne ich meine Gedanken dazu: Sie sind jung. Fahren zu schnell. Machen zu viel Lärm. Und die Teens werden es irgendwann vermissen. Bis dahin: Gute Nacht, Cala Ratjada. Oder auch nicht. BRRRRRRRMMM.

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