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Mallorcas schönster Weinblick: In Banyalbufar lebt der legendäre Malvasía wieder auf
Das Weingut Ca’n Picó liegt spektakulär zwischen Tramuntana und Meer. Seine Malvasía-Weine erinnern an die lange Weinbaugeschichte von Banyalbufar, wie MZ-Kolumnist Jürgen Mathäß erzählt

Die familiengeführte Bodega Ca'n Pico in Banyalbufar ist traumhaft gelegen. / Bodega Ca'n Pico
Mit herrlich gelegenen und gepflegten Ortschaften ist Mallorca besser versorgt als viele andere Landstriche Europas. Und ebenso unbestritten ist das malerisch zwischen Tramuntana und Meer gelegene Terrassendorf Banyalbufar eines der schönsten Dörfer der Insel. Schon vor 40 Jahren war ich völlig überwältigt von der Terrassenkaskade, die sich über mehrere hundert Meter vom Berg hinunter ans Meer zieht. Die alten, von den Mauren angelegten Terrassen mit dem teils noch sichtbaren, aber leider nicht mehr gepflegten Kanalbewässerungssystem werden heute vor allem als häusliche Gärten genutzt. In früheren Jahrhunderten waren sie intensiv mit Weinreben bepflanzt.
Weinreben mit Blick aufs Meer
Wer die gewundene Küstenstraße durch das Dorf entlangfährt und den Blick hin und wieder in Richtung Meer lenkt, entdeckt am südlichen Ortsende weit unten über einigen Terrassen thronend ein wunderschönes Herrenhaus mit Nebengebäuden, das nur über einen schmalen Weg erreicht werden kann.

Die Weinreben der Bodega Ca'n Pico in Banyalbufar liegen dort auf Terrassen mit Meeresblick. / Bodega Can Pico
Die wenigen Rebstöcke, die hier das ganze Jahr über stehen und den Blick aufs Meer genießen dürfen, sind zu beneiden. Viel schöner kann eine Aussicht nicht sein. Harmonischer kann ein Weingut kaum in die Landschaft eingebettet liegen. Leider ist es nicht zu besichtigen. Die Weine werden ausschließlich über die Bars „La Malvasía“ (Palma, Plaça del Mercat und Plaça de l’Olivar) verkauft.
Der Malvasía aus Banyalbufar hat eine lange Geschichte
Ca'n Picó ist das Ergebnis eines Zufalls. Malvasía aus Banyalbufar genoss hohes Ansehen, bis die Reblaus Ende des 19. Jahrhunderts die Weinberge Mallorcas vernichtete. Er war am Hofe der Könige von Aragón so beliebt, dass er für Jaume I. mit ein Grund gewesen sein soll, die Insel zu erobern. Banyalbufar war der Weinbau im 20. Jahrhundert praktisch verschwunden. Auf Ca'n Picó wurden die letzten Reben 1955 zugunsten von Olivenbäumen und Tomaten ausgerissen. Malvasía aus Banyalbufar geriet in Vergessenheit. Doch dann, in den 1980er Jahren, wurde eine noch verbliebene Malvasíarebe zufällig in der Nähe von Banyalbufar identifiziert und vor allem durch Initiative von Hipólito Medrano (Bodegas Nacra) erneut vermehrt.

Aus den Weintrauben der Bodega Can Pico entsteht der beliebte Weißwein Malvasia. / Bodega Can Pico
Gabriel Canaves, glücklicher Eigentümer der traumhaft schönen Finca Ca'n Picó, nahm die Tradition des ruhmreichen Malvasía aus Banyalbufar wieder auf und pflanzte 1994 die ersten Reben auf den alten Terrassen, zunächst nur aus Vergnügen und als Hobby. 2005 entschied er sich, seine beiden Weine auch zu verkaufen. Dennoch geht es Gabriel nicht ums Geschäft, sondern darum, den Malvasía und seine Tradition zu pflegen. Er pflanzte ausschließlich Malvasía. Dabei handelt es sich um die Variante des Malvasía aromática, die auch aus Sitges in früheren Zeiten große Anerkennung genoss und bis heute auch auf der Kanareninsel La Palma zu finden ist. Andere Malvasía-genannte Rebsorten, etwa aus der Rioja oder auf Teneriffa, sind damit nicht identisch.
Es gibt bei Ca’n Picó einen trockenen Wein und in manchen Jahren auch eine kleine Menge Süßwein. Der trockene 24er zeigt die ganze Fruchtpalette des Malvasía mit Muskat, Honig, Birne und exotischen Früchten und beeindruckt durch seinen mundfüllenden, schmelzigen und anhaltenden Körper.
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