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Meinung | Insel(t)räume

Von wegen Mallorcas hässlichster Ort: Eine Liebeserklärung an Manacor

Manacor wird oft belächelt, doch ein Besuch zeigt: Hier gibt es kurze Wege, alteingesessene Geschäfte, Kultur und echtes Inselleben. Ein Plädoyer für eine Stadt, die mehr Aufmerksamkeit verdient von MZ-Kolumnistin Sophie Mono

Noch bis Ende Juni sind die Fantasie-Figuren im Zentrum von Manacor zu bestaunen

Noch bis Ende Juni sind die Fantasie-Figuren im Zentrum von Manacor zu bestaunen / MANU MIELNIEZUK

Warum lästern eigentlich immer alle über Manacor? Hässlich, sagen die einen. Zu provinziell, sagen die anderen. Zu viele Muslime, sagen die Rassisten. Tatsächlich wurde Manacor bereits im Jahr 2018 bei einer Umfrage des mallorquinischen Satire-Portals "Foc i fum" als “hässlichster Ort Mallorcas” auserkoren. Ich finde das Quatsch. Hässlich ist überhaupt ein Begriff, der zu Mallorca nur selten passt. Oder den man zumindest relativieren muss. Waren Sie schon mal am Kölnberg? In Duisburg-Hochfeld? Oder in Berlins Plattenbausiedlungen von Marzahn-Hellersdorf?

Und auch wenn man bei der Vergleichsskala auf der Insel bleibt, ist die Herabwürdigung Manacors ungerechtfertigt. Einige Straßenzüge Palmas – gerade nördlich der Innenstadt – versprühen deutlich mehr Tristesse als Manacor, von Son Banya und Son Gotleu ganz zu schweigen. Und ob winterliche Geistersiedlungen wie Cales de Mallorca mit ihren leerstehenden Hotelfluchten unbedingt so viel schöner sind als die Innenstadt Manacors, ist definitiv Ansichtssache.

Plädoyer die entspannte Stadt im Inselosten

Ich jedenfalls mag die Stadt, das Flair, die Größe. Vor allem aber mag ich Manacors Unaufgeregtheit. Seine Authentizität. Hier leben die Menschen noch wirklich, und zwar das ganze Jahr über. Hier dreht sich nicht alles um den Tourismus – weder darum, wie man möglichst pittoresk wirken kann, noch darum, wie man die Besuchermassen, die es pittoresk mögen, möglichst wieder loswird. Mitten in der Pandemie wurde Manacor wegen hoher Inzidenzzahlen einst für mehrere Wochen komplett von der Außenwelt abgeschottet. Ein bisschen wirkt es so, als sei das auch sonst so. Die Überfüllungsproblematik geht an der Hauptstadt des Inselostens vorbei. Eine Insel auf der Insel.

“Manacor ist ein Dorf”, sagen viele manacorins – mit einer Zuneigung in der Stimme, die ich nachvollziehen kann. Hier ist alles zu Fuß erreichbar – und dank des Autoverbots in der Innenstadt wird auch tatsächlich viel erlaufen. Hier gibt es alle Geschäfte, die man im Alltag braucht – und viele alteingesessene Familienbetriebe können sich noch immer halten. Weil die Mieten nicht ganz so irrsinnig sind wie in Palma. Und weil die Menschen, die hier leben, noch Menschen sind, die wirklich hier leben. Hier gibt es Kultur – und nicht selten sogar wahre Hochgenüsse davon.

Ideal für einen Tagestrip mit Shopping

Wer einmal in Manacor shoppen war, wird Palma erst einmal den Rücken kehren. Verstopfte Zufahrtsstraßen? Überfüllte Parkhäuser? Parkgebühren im zweistelligen Bereich? In Manacor Fehlanzeige. Stattdessen: kostenlos nutzbare Parkmöglichkeiten, Gassen ohne Gedränge und dazu der Eindruck, dass sich alle irgendwie kennen – und nicht genervt sind, wenn man als Auswärtiger zum Tagestrip vorbeikommt. Im Gegenteil: Initiativen wie “Manacor encantat”, die noch bis Ende Juni mit riesigen Fantasiefiguren aufwartet, wollen sogar gezielt Besucher anlocken.

Folgen Sie doch mal dem Ruf. Geben Sie Manacor eine Chance. Gerade die Gassen rund um die Kirche Mare de Déu dels Dolors sind nicht zu verachten. Meiden Sie nur die Mittagszeit: Zwischen 13.30 und 16.30 Uhr ist in Manacor tote Hose. Siesta-Zeit eben. So, wie es auf Mallorca immer war.

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