Meinung | KOMMENTAR
Eine Woche im Hotel für 100.000 Euro ist unmoralisch
Ein bisschen Luxus ist ja schön und gut. Aber es gibt Grenzen, wie etwa beim neuen Mandarin Oriental Hotel in Punta Negra. Und das hat nichts mit Neid zu tun, findet Johannes Krayer

Luxus auf einem neuen Niveau: das Mandarin Oriental Punta Negra. / Nele Bendgens
Ein neues Hotel auf Mallorca hat eröffnet. Eigentlich ist das keine Schlagzeile wert, in diesem Fall aber doch. Die Luxuskette Mandarin Oriental, wohl die exklusivste Marke, auf deren Kopfkissen sich der gut betuchte Urlauber heutzutage betten kann, schlägt auf der Insel auf. Und nein, es geht hier nicht darum, eine Neiddebatte loszutreten. An dieser Stelle soll es um die Frage von Moral und Anstand gehen.
Das Hotel ist ohne Zweifel wundervoll geraten, die Lage auf der Landspitze Punta Negra mit Blick auf die Küste und das Meer nicht zu toppen, und auch die Zimmer und die sonstigen Annehmlichkeiten im Hotel lassen keine Wünsche offen. Darum geht es nicht.
Kein Hotel der Welt rechtfertigt solche Preise
In einem Gästehaus, in dem eine Woche für zwei Personen aber in der nobelsten Kategorie fast 100.000 Euro kostet, liegt etwas im Argen. Dieser Preis stößt in Sphären vor, die für kein Hotel der Welt gerechtfertigt sind, selbst wenn man morgens um 3 Uhr eine Fußmassage in einem Wasserbett buchen kann.
Ein solcher Preis ist schlicht unanständig und ethisch verwerflich. Es wird Menschen geben, die ihn zahlen. Die aber sollten sich fragen, ob sie damit nicht einfach nur zeigen wollen, dass sie es können. Der Preis wird zur Botschaft, das Übernachtungserlebnis nebensächlich. Mallorca als Kulisse der Prahlsucht von Einzelnen. Die sich, das kommt noch dazu, völlig von der Realität der Insel abkoppeln, in der ein solcher knapp sechsstelliger Übernachtungspreis für eine Woche für viele Familien fünf Jahresgehälter bedeuten.
Spanische Übersetzung
Acaba de abrir un nuevo hotel en Mallorca. En realidad, eso no merecería un titular, pero en este caso sí. La cadena de lujo Mandarin Oriental, probablemente la marca más exclusiva sobre cuyas almohadas puede reposar hoy la cabeza el turista adinerado, desembarca en la isla. Y no, no se trata aquí de iniciar un debate movido por la envidia. La cuestión es otra: la moral y la decencia.
El hotel, sin duda, ha quedado maravilloso; la ubicación en la península de Punta Negra, con vistas a la costa y al mar, es difícilmente superable, y tanto las habitaciones como el resto de comodidades del establecimiento no dejan nada que desear. Pero no se trata de eso. En una casa de huéspedes en la que una semana para dos personas cuesta, en la categoría más noble, casi 100.000 euros, algo no está bien. Ese precio se adentra en esferas que no están justificadas para ningún hotel del mundo, ni siquiera si a las tres de la madrugada se puede reservar un masaje de pies en una cama de agua.
Un precio así es, sencillamente, indecente y éticamente reprobable. Habrá personas que lo paguen. Pero deberían preguntarse si con ello no quieren simplemente demostrar que pueden hacerlo. El precio se convierte en el mensaje; la experiencia de pernoctar, en algo secundario. Mallorca como escenario de la ostentación de unos pocos. Que, además, se desconectan por completo de la realidad de la isla, donde este precio para el alojamiento de una semana equivale, para muchas familias, a cinco salarios anuales.
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