Meinung | Kommentar
Sänger Alex Engel über das Nachtleben in Cala Ratjada: Mallorca ohne Livemusik? Warum die Insel ihr Lebensgefühl aufs Spiel setzt
Gastbeitrag von Schlagersänger Alex Engel als Reaktion auf den MZ-Artikel "Wird Cala Ratjada zum neuen Ballermann?"

Nachtleben in Cala Ratjada im Juni 2026 / Nele Bendgens
Mallorca lebt nicht allein von Sonne und Strand. Für viele Urlauber gehören Musik, Geselligkeit und stimmungsvolle Abende ebenso selbstverständlich zum Feriengefühl wie das Bad im Meer. Auch der touristische Erfolg der Insel lässt sich nicht allein mit ihren Küsten erklären – schöne Strände gibt es an vielen Orten im Mittelmeerraum. Mallorcas besonderer Reiz lag schon immer in der Mischung: traumhafte Buchten, Gastfreundschaft, Gastronomie, Livemusik und ein vielfältiges Nachtleben.
Ein Lebensgefühl
Wer diesen Markenkern immer weiter beschneidet, gefährdet langfristig die Attraktivität der Insel. Er schneidet sich ins eigene Fleisch. Denn viele Gäste kommen nicht nur wegen des Meeres nach Mallorca, sondern wegen des Lebensgefühls. Wenn dieses Lebensgefühl verschwindet, wird die Insel langfristig an Attraktivität und somit ihre Urlaubsgäste verlieren.
Schon unter den heutigen Auflagen ist es für Bars und Veranstalter extrem schwer, Livemusik wirtschaftlich anzubieten. Weitere Einschränkungen gefährden das Nachtleben an der Ostküste massiv. Wenn jetzt noch weitere Verschärfungen kommen, steht die Livemusikkultur in Orten wie Cala Ratjada vor dem Aus.
Kein Vergleich zum "Ballermann"
Es geht hier nicht um Exzesse wie am "Ballermann". Wer Cala Ratjada damit vergleicht, kennt beide Orte nicht. Es sind zwei völlig unterschiedliche Welten.
Livemusik ist weit mehr als Unterhaltung. Sie schafft Atmosphäre, verbindet Menschen und macht den besonderen Charakter vieler Urlaubsorte aus. Mit jeder neuen Auflage wird es schwieriger, Veranstaltungen überhaupt noch wirtschaftlich durchzuführen. Irgendwann lohnt sich der enorme Aufwand einfach nicht mehr. Das Frustrierende ist: Gastronomen investieren Zeit, Geld und Herzblut, entwickeln Veranstaltungskonzepte, engagieren Künstler und möchten ihren Gästen einen besonderen Abend bieten. Und statt Anerkennung steht am Ende oft die Sorge im Raum, dass die Polizei vor der Tür steht und hohe Bußgelder drohen. Unter solchen Bedingungen verliert irgendwann jeder die Lust, überhaupt noch Livemusik anzubieten.
Aber: Wenn Livemusik verschwindet, verlieren nicht nur die Gäste ein Stück Urlaubserlebnis. Auch viele Musiker, Techniker und Gastronomen verlieren ihre Existenzgrundlage. Ich wünsche mir einen vernünftigen Mittelweg statt immer neuer Auflage. Rücksicht auf Anwohner – aber auch eine echte Perspektive für Livemusik und ein lebendiges Abendleben auf Mallorca.
Überwiegend friedlich
Denn gemessen an den Tausenden Menschen, die auf Mallorca jeden Abend feiern, verläuft das Miteinander überwiegend friedlich und respektvoll. Wenn ich sehe, was auf manchen Dorffesten in Deutschland nachts um halb zwei passiert, dann frage ich mich manchmal, warum ausgerechnet Mallorca ständig als Problem dargestellt wird. In Cala Ratjada feiern jeden Abend Tausende Menschen friedlich und respektvoll miteinander.
Es geht nicht darum, Mallorca wieder zur Partyinsel von früher zu machen. Es geht darum, eine Kultur zu erhalten, die seit Jahrzehnten zum Urlaub dazugehört: Livemusik, Geselligkeit und schöne Abende. Wenn die Auflagen weiter verschärft werden, könnte genau das verloren gehen.
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