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Meinung | Mein erstes Mal auf Mallorca

Ausgerechnet Mettbrötchen - Was Mallorquiner an deutscher Küche lieben

Als MZ-Kolumnist Michael Wrobel zum ersten Mal mit Freunden aus Inca über deutsches Essen philosophierte, entwickelte sich eine unerwartete Diskussion. Am Ende ging es um Schweinshaxe, Currywurst – und ausgerechnet Mettbrötchen.

Schmeckt auch auf Mallorca: Mettbrötchen.

Schmeckt auch auf Mallorca: Mettbrötchen. / Foto: Roberto Pfeil/dpa

Dass unsere Freunde Ana und Xisco deutsche Küche mögen, wusste ich schon länger. Wie sehr, wurde mir allerdings erst auf dem letzten Dijous Bo in Inca klar. Mitten im größten Volksfest Mallorcas standen wir rund anderthalb Stunden in einer Warteschlange. Vor dem Imbissstand “Casa Alemana”. Ausgerechnet dort.

Nicht für Tapas. Nicht für Pa amb oli. Nicht einmal für einen Burger. Sondern für eine deutsche Bratwurst im Brötchen. „Die müssen wir unbedingt essen“, sagte Xisco. Für ihn gab es daran offenbar keinen Zweifel.

Während die Schlange nur langsam kürzer wurde, kamen wir ins Reden. Über deutsches Essen. „Schade, dass es hier keine Currywurst gibt“, sagte Ana. „Die liebe ich.“ Dann legte sie nach: „Und Apfelpfannkuchen. So richtig deutsch.“

Damit hatte ich endgültig nicht gerechnet. Je länger wir warteten, desto länger wurde die Speisekarte in Xiscos Kopf. „Schweinshaxe. Mit besonders krosser Schwarte. Kartoffelpüree. Frikadellen. Und natürlich deutsches Bier.“

Eigentlich esse ich das selbst gar nicht ...

Das Komische daran: Ausgerechnet diese deutschen Klassiker esse ich selbst nur selten. Auch bevor ich nach Mallorca zog, standen Schweinshaxe mit Kartoffelpüree und Sauerkraut so gut wie nie auf meinem Speiseplan. Umso seltsamer war es, plötzlich zum Vertreter einer Küche gemacht zu werden, die ich selbst gar nicht so typisch deutsch lebe.

„Das ist ehrliches Essen“, sagte Xisco. Mir wurde plötzlich klar: Zwischen einer Schweinshaxe und einem Frito mallorquín liegen zwar etliche Kilometer. Im Herzen sind beide Küchen aber erstaunlich ähnlich: ehrlich, bodenständig und stolz auf ihre Klassiker.

Als wir endlich unsere Bratwürste in den Händen hielten, war längst klar, worüber wir beim nächsten Treffen sprechen würden. Oder besser gesagt: Was wir essen würden. Meine Frau und ich werden die beiden und weitere Freunde demnächst zu einem typisch deutschen Abend einladen. Mit Currywurst. Mit Apfelpfannkuchen. Und – auf ausdrücklichen Wunsch von Anna – mit Mettbrötchen. Ausgerechnet Mettbrötchen. Damit hatte ich nun wirklich nicht mehr gerechnet. Zum Glück gibt es auf Mallorca inzwischen sogar Supermärkte, in denen man frisches Mett bekommt.

Vielleicht muss man tatsächlich erst nach Mallorca auswandern, damit einem andere erklären, was an Deutschland eigentlich lecker ist.

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