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Meinung | Insel(t)räume

Mallorca und das Leben: Warum Gegenwart wichtiger ist als perfekte Zukunftspläne

Wir planen, rechnen und sichern uns ab – doch oft kommt das Leben anders. MZ-Kolumnistin Sophie Mono darüber, warum weniger auf die Zukunft zu setzen und die Gegenwart bewusster zu leben helfen kann

Die Zukunft ist offen - wie ein Blick auf den endlosen Horizont. Symbolbild.

Die Zukunft ist offen - wie ein Blick auf den endlosen Horizont. Symbolbild. / Alexandra Bosse

Wir planen, berechnen, wägen ab, schauen voraus – setzen voraus. Und dann kommt doch alles ganz anders. Nicht nur bei der WM – auch im wahren Leben.

Das fängt bei Banalitäten an. Beim stereotypen Auswanderer, der erkennt, dass er mit Spontaneität und etwas Laissez-faire auf der Insel oft vielleicht nicht effizienter, aber zufriedenstellender fährt als mit Ordnung und Strukturiertheit.

Das geht weiter mit wichtigen Dingen. Unseren Felsen in der Brandung, die dennoch von den Wogen des Lebens so sehr umspült werden können, dass sie irgendwann einfach untergehen. Dinge, die wir für selbstverständlich halten, auf die wir fest setzen – und die sich dann, von einem auf den anderen Moment, in Luft auflösen. Der vermeintlich sichere Job. Die als intakt empfundene Gesundheit. Der treugeglaubte Partner.

Wer solche kleineren oder größeren Schicksalsschläge kennt, der weiß: Nach Beileidsbekundungen und Betroffenheit des Außens bekommt man meist recht schnell – wörtlich oder indirekt – von anderen diesen schlauen Satz zu hören: “Wo sich eine Tür öffnet, da geht eine andere auf.” Auch gern anders ausgedrückt: “Für irgendwas ist das, was passiert ist, bestimmt gut.”

Alles nett gemeint. Manchmal tröstlich. Manchmal ist es für den Betroffenen aber einfach unerträglich. Teilweise merkt man nachhinein, dass die Weisheiten stimmen. Teilweise kommt man nie an diesen Punkt – weil einfach scheiße war, was passiert ist.

Wir haben keine Kontrolle über die Zukunft, aber wir können die Gegenwart bewusst leben

Letztlich ist es doch so: Wir haben nur einen sehr eingeschränkten Einfluss auf unser Leben. Wir können Titel sammeln, uns ständig weiterbilden, bis zum Umfallen arbeiten, alles für die Firma geben – und trotzdem plötzlich Opfer von Umstrukturierungsmaßnahmen werden. Wir können uns vorbildlich ernähren, alle Tipps zum gesunden Lebensstil umsetzen – und dennoch auf einmal an Lungenkrebs erkranken.

Nein, das ist kein Aufruf zum zügel- und rücksichtslosen Hedonismus oder verrückter Kopflosigkeit. Und ich finde auch nicht, dass wir ab sofort alle jeden Tag so leben sollten, als sei er unser Letzter. Ein bisschen mehr Zukunft sollten wir uns schon zugestehen. Ab und an innezuhalten reicht schon. Uns zu fragen: Setze ich meine Prioritäten gerade richtig? Nicht “richtig zur Verfolgung eines Plans”, sondern “richtig, weil mir mein Leben, jetzt und hier, an und für sich, doch ganz gut gefällt.”

Denn das Leben ist eben nicht nur ein Auf- und Zuklappen sinnbildlicher Türen oder ein hypothetischer rückwirkender Erkenntnisgewinn über seine Sinnhaftigkeit. Letztlich ist es vor allem eine Aneinanderreihung von Augenblicken, ein Ablaufen von Gegenwart. Und die gilt es – zumindest unterm Strich – so gut es geht mit Dingen zu füllen, die uns und anderen und damit wieder uns um ihrer selbst willen guttun.

Ja, das klingt pseudophilosophisch. Ist es auch. Aber ich glaube, falsch ist es nicht. Wir wissen nicht, was unsere Zukunft bringt. Aber wir können unsere Gegenwart bestimmen. Mit Einstellungen im Kopf und bewussten Alltagsentscheidungen. Mallorca mit all ihrer Schönheit kann da keine Wunder bewirken. Aber es kann helfen. Hier zu sein und jetzt zu sein, das ist ein Privileg. Man darf es nur nicht vergessen.

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