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Meinung | Der ganz normale Wahnsinn

Auswandern nach Mallorca? Sie sind leider zu spät

Bezahlbarer Wohnraum verschwindet, während Häuser leer stehen oder nur wenige Wochen im Jahr genutzt werden. Mallorca braucht jetzt Kontrollen, Konsequenzen und schnellen Neubau findet MZ-Kolumnist Ingo Wohlfeil

Bei einem Protest gegen die Wohnungsnot auf der Plaça Major in Palma.

Bei einem Protest gegen die Wohnungsnot auf der Plaça Major in Palma. / FOTO: B. RAMON

Horrormeldungen wie diese wollen einfach nicht enden: Auf ganz Mallorca gibt es noch 23 Mietwohnungen unter 1.000 Euro. Bei solchen Perspektiven gerät doch die bisher schönste Work-Life-Balance ins Ungleichgewicht. Arbeiten, um wohnen zu können, ist das Motto der werktätigen Bevölkerung auf Mallorca in dieser Dekade. Da bleibt keine Zeit mehr, sich über Gentrifizierung, Gier oder Guiris aufzuregen, wenn die Alternativen Brücke, Zelt, Wohnmobil oder Strand heißen. 

Wir müssen feststellen, dass Mallorca an einem Punkt angekommen ist, an dem es keinen Schritt weitergeht. Die Auswirkungen des Wohnraummangels sind ein Albtraum, der diametral den Traumerfüllungskonzepten von Remote-Familien entgegensteht. Die Erkenntnis, die verbreitet werden muss: Ihr Auswanderwilligen seid viel zu spät. Keiner, aber wirklich keiner braucht euch! Es sei denn, ihr könnt irgendwas tun, was der Insel nutzt. Damit meine ich ausdrücklich keine Online-Marketing-Spezialisten, die gerade zuhauf auf die Insel suppen. Oder Vermögende, die Deutschland mittlerweile doof finden. Aus welchen Gründen auch immer! Besonders lustig sind diejenigen, die in Deutschland nicht mehr wohnen wollen, weil da zu viele Ausländer sind. Wenn ein Ort dieser Welt wirklich ein massives Ausländerproblem hat, dann ist es diese Insel. 

Meine Lösungsansätze:

  • Mallorca muss sofort aufhören, nett zu Neu-Residenten ohne Funktion zu sein.
  • Mallorcas Toleranz gegenüber mallorquinischen Mehrfach-Hausbesitzern muss enden, die an Touristen vermieten, um ihren Kids den Aufenthalt auf einer Elite-Universität zu finanzieren. Verkauft das Haus. Das reicht für ein Studium. Mindestens.
  • Mallorca sollte knallhart gegenüber Menschen und Institutionen wie Banken sein, die ihre Häuser aus welchen Gründen auch immer leerstehen lassen. Ich fordere eine neue Ekelhaftigkeit gegenüber Ausländern, die ihr Haus für sechs Wochen im Jahr für ihre Ferien nutzen. 
  • Dazu: massiver Personalaufbau im Bereich der Wohnraumkontrolleure und Inspektoren. Wer dabei seinen Nachbarn verpetzt, sollte noch eine schöne Prämie bekommen. Der Denunziant hat ja an sich keinen besonders guten Ruf. Zeit, das zu ändern! 
  • Dazu muss gebaut werden. Nicht schön, sondern möglichst schnell und hoch, mit vielen Stockwerken. In Palma geht das! 

All das sollte natürlich mit der Rechtsprechung des EuGH korrespondieren, was schwer genug ist. Aber das klassische Denken auf der Insel war stets geprägt von einer Flexibilität bei der Auslegung und Umsetzung von Gesetzen. Biegsamkeit beschreibt das Verhältnis der Bürger zum Recht am besten. Genau das braucht es jetzt zu Ungunsten von Ferienvermietern. Dabei muss man nicht schön oder fair spielen. Alle Mittel sind recht.  Wie sagte Bundesliga-Legende Rolf Rüssmann einst so schön: „Wenn wir hier nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt.“  Zeit, die Stollenschuhe auszupacken. 

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