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Meinung | Mein erstes Mal auf Mallorca

Wie das WM-Finale auf Mallorca im Pool endete

Als MZ-Kolumnist Michael Wrobel zum ersten Mal mit mallorquinischen und festlandspanischen Freunden ein WM-Finale verfolgte, erlebte er einen Fußballabend voller Emotionen, lautstarker Kommentare – und natürlich Pa amb oli.

Während die spanische Nationalelf um den WM-Titel kämpft wird gemütlich gespeist.

Während die spanische Nationalelf um den WM-Titel kämpft wird gemütlich gespeist. / Michael Wrobel

Beim ersten Mal mit Mallorquinern und Festlandspaniern Fußball zu schauen, habe ich schnell gelernt: Selbst ein WM-Finale beginnt hier nicht unbedingt mit Fußball. Sondern mit Essen.

Wir sitzen zu neunt auf der Terrasse von Freunden. Spanien gegen Argentinien. Auf dem Fernseher laufen bereits die letzten Bilder vor dem Anpfiff, als wir uns zur spanischen Hymne erheben. Einige legen den Arm um den Nachbarn, andere legen die Hand aufs Herz. Ein bisschen Patriotismus schwingt mit. Vor allem aber der Stolz darauf, dass Spanien tatsächlich im Finale steht.

Dann wird aufgetischt. Pa amb oli mit Serrano-Schinken, Tortilla, Oliven, Coca, Chips, ein Salat mit Mayonnaise und eine große Platte mit Schinken, Fuet und Käse. Ein bisschen mallorquinisch muss dieser Abend schließlich werden.

Das Spiel läuft bereits, doch zunächst gilt die Aufmerksamkeit fast ausschließlich dem Essen. Die Köche bekommen Komplimente, es wird über Zutaten und Zubereitung gefachsimpelt, Teller werden weitergereicht. Spanien spielt ein WM-Finale. Aber das ist noch lange kein Grund, eine gute Tortilla kalt werden zu lassen.

Jetzt wird es ernst im Stadium von New York

Erst als die spanische Mannschaft zum ersten Mal gefährlich in Richtung des argentinischen Tores kommt, verändert sich die Stimmung schlagartig. „¡Vamos, vamos, vamos!“ Alle blicken gleichzeitig zum Fernseher. Eine gute Aktion wird mit einem begeisterten „¡Uy, bien!“ und kräftigem Applaus belohnt. Wird ein Spanier härter gefoult, fordern gleich mehrere Stimmen vehement eine Gelbe Karte. Der Schiedsrichter kann froh sein, dass er uns nicht hört.

Wenige Augenblicke später scheint das Spiel wieder in den Hintergrund zu rücken. Vor allem die Frauen in der Runde plaudern zwischendurch über dies und das. Bis Spanien wieder in Tornähe kommt. Dann sind sofort alle hellwach.

In der ersten Trinkpause des Spiels im fernen New York werden auch in Inca die Gläser erneut gefüllt. In der Halbzeit wird zu den Klängen von Madonna, Justin Bieber und Shakira abgeräumt. Danach kommen Kaffee und Postre auf den Tisch. Auch bei einem WM-Finale bleibt man sich schließlich treu.

Je länger das Spiel andauert, desto emotionaler wird es

Gesprochen wird überwiegend Castellano. Die meisten in unserer Runde stammen vom Festland, leben aber schon lange auf Mallorca. Nur wenn es besonders emotional wird, wechseln die Mallorquiner ins Mallorquinische. Vor allem beim Fluchen. Was genau sie sagen, verstehe ich nicht immer. An der Tonlage lässt sich der Inhalt allerdings recht zuverlässig erkennen.

Je länger das Spiel dauert, desto unwichtiger werden Essen, Gespräche und Kaffee. In der Verlängerung ist von der entspannten Runde kaum noch etwas übrig. Jeder Angriff wird verfolgt, jeder Zweikampf kommentiert.

Dann fällt das Tor für Spanien. Die Terrasse explodiert. Alle springen auf, schreien, klatschen und fallen sich in die Arme. Danach beginnt der eigentliche Nervenkitzel. Die letzten Minuten wollen nicht vergehen. Niemand sitzt mehr. Immer wieder wandern die Blicke zur Spieluhr.

Als der Schiedsrichter endlich abpfeift, gibt es kein Halten mehr. Fahnen werden geschwenkt, Menschen umarmt und die selbst gebastelten Tröten bis zum Äußersten belastet. Dann springt der Erste vor Begeisterung in den Pool – und alle hinterher. Mitten in der Nacht. Teilweise noch in Klamotten und Spanien-Trikots.

Mein erstes WM-Finale auf Mallorca begann mit Pa amb oli am Tisch und endete mit uns allen im Pool. Einfach weltmeisterlich!

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