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Meinung

Tourismus-Kritik darf nicht in Ablehnung von Menschen auf Mallorca umschlagen

Diskussionen sind gut - solange keine Fremdenfeindlichkeit ins Spiel kommt, findet Schlagersänger Alex Engel in einem Gastbeitrag

Urlauber an der Meerespromenade in Cala Ratjada

Urlauber an der Meerespromenade in Cala Ratjada / Sophie Mono / Sophie

Ich bin ein Mensch, der versucht, positiv durchs Leben zu gehen. Als Partysänger ist das sogar ein Stück weit mein Beruf. Gute Stimmung zu verbreiten, Menschen zum Lachen zu bringen und schöne Momente zu schaffen – genau dafür stehe ich. Deshalb versuche ich auch privat, mich nicht von negativen Gedanken bestimmen zu lassen.

Berechtigte Kritik

Umso schwerer fällt mir dieser Beitrag. Denn ich liebe Mallorca - die Natur, die Menschen, die Kultur, dieses besondere Lebensgefühl. Seit vielen Jahren verbringe ich einen großen Teil meines Lebens hier. Ich arbeite auf der Insel, zahle hier Steuern, versuche Spanisch zu sprechen und fühle mich längst nicht mehr nur als Gast, sondern als Teil dieser Insel.

Natürlich sehe auch ich die Probleme. Wohnraum ist knapp, Straßen und Strände sind überfüllt und viele Einheimische fragen sich zu Recht, wie viel Tourismus Mallorca noch verträgt. Darüber muss gesprochen werden. Tourismus braucht Regeln – gerade auf einer Insel mit begrenztem Platz.

Ein neuer Ton

Was mich jedoch nachdenklich macht, ist der Ton, der sich in Teilen der Debatte entwickelt. Vor einigen Wochen geriet ich an einer Supermarktkasse wegen einer völligen Lappalie mit einer Frau in Streit. Es ging lediglich darum, wer zuerst an der Reihe war. Plötzlich fielen Sätze wie: „Scheißdeutscher, geh dahin zurück, wo du hergekommen bist. Wir wollen euch hier nicht.“

Diese Worte haben mich getroffen. Nicht, weil wir uns gestritten haben – das passiert überall. Sondern weil ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, aufgrund meiner Herkunft abgelehnt zu werden.

Zunächst wollte ich dieses Erlebnis für mich behalten. Ich möchte schließlich nicht zu negativen Schlagzeilen über meine Lieblingsinsel beitragen. Doch kurz darauf berichteten Bekannte aus Cala Ratjada von deutschenfeindlichen Schmierereien an ihrem Lokal. Und auch in sozialen Netzwerken begegnen mir immer häufiger Kommentare wie: „Hört auf, unsere Insel zu bewerben. Sie gehört euch nicht.“ Oder sogar: „Pass auf. Du wirst schon sehen, was du davon hast.“

Grenzüberschreitung

Ich weiß, dass die überwältigende Mehrheit der Mallorquiner herzlich, offen und gastfreundlich ist. Genau deshalb liebe ich diese Insel. Mein Erlebnis steht für mich nicht stellvertretend für Mallorca.

Aber vielleicht sollten wir gemeinsam darauf achten, dass berechtigte Kritik am Tourismus nicht in Ablehnung gegenüber Menschen umschlägt. Wer Wohnungen, Verkehr oder Massentourismus kritisiert, hat jedes Recht dazu. Wer jedoch Menschen allein wegen ihrer Herkunft ablehnt, überschreitet eine Grenze.

Mallorca war für mich immer ein Ort der Offenheit. Ich wünsche mir von Herzen, dass das auch in Zukunft so bleibt.

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