Meinung | Der ganz normale Wahnsinn
Megapark tritt Qualitätsinitiative auf Mallorca bei: Weshalb Palma Beach gewonnen hat
Die Initiative Palma Beach will dem Sauftourismus Einhalt gebieten und die Playa de Palma aufwerten. Mit dem Megapark ist jetzt auch einer der bekanntesten Partytempel Teil des Bündnisses geworden. Damit hat Palma Beach gewonnen, findet MZ-Kolumnist Ingo Wohlfeil

Der Megapark an der Playa de Palma / ENRIQUE CALVO
Sieh an! Das Licht siegt über die Dunkelheit. So mag man das zumindest sehen, wenn die persönliche Position die eines ewigen Ballermann-Skeptikers ist.
Auch wenn es hier und da noch etwas scharmützelt, ist der „Krieg“ der Arenal-Traditionalisten versus den Playa-Modernisierer spätestens jetzt entschieden. Seit kurzem ist der Megapark Mitglied im Club der Niveau-Willigen. Genannt Palma Beach. Eine Organisation, die sich den Qualitätstourismus auf die Fahne geschrieben hat. Zehn Jahre nach Gründung ist diese Unternehmer-Vereinigung dem Traum von „Miami Beach“ ein Stück weit näher gekommen.
2016 ist der Ballermann fest im Griff der „Auswärts sind wir asozial“ - Bewegung.
Rückblick, vor zehn Jahren: Schon früh am Morgen lockt das Freibier, danach wartet auf den fidelen Spätaufsteher die Happy Hour mit Strohhalmen im Maßkrug. Geschlafen wird nach erfolgreicher Betankung direkt an Ort und Stelle, gerne neben frisch Erbrochenem und Currywurst-Resten. Wenn dann noch die Gesangs-Imitatoren Ikke Hüftgold und Killermichel ihrer Zielgruppe 4.000 Dosen Billig-Bier als Dankeschön in den Rachen schütten, ist das Maß voll. Als „Bierpyramide“ oder besser Bierschlacht geht dieser Auswuchs in die Annalen Mallorcas ein. Die undurchdachte Aktion sorgt für runde Tische in Palma und für ein kollektives Umdenken. Schlussendlich mündet es in Verboten, teils absurder Natur, aber ebnet den Weg für die Entstehung von Palma Beach.

Ist auch über die Grenzen Mallorcas hinaus als Feierzone für vor allem Deutsche bekannte: der Ballermann. / Symbolbild: Nele Bendgens
Eine neue Lobby bietet dem Sauftourismus Einhalt
Die Brüder Mika und Juan Miguel Ferrer geben das Motto vor: „Kampf dem Sauftourismus! Feiern mit Stil!“ Die Söhne der Bierstraßen-Legende Toni Ferrer übernehmen zuerst die abgehangenen Läden ihres Vaters. Aus der „König Pilsener Stube“ wird das „Bonito“. Ein Kleinod in erster Meereslinie. Ihr Flaggschiff heißt „Chalet Siena“. Als sie mit den Umgestaltungen fertig sind, machen sie sich daran, durch die Institutionen zu marschieren. Gemeinsam mit dem „Playa Golf“ -Chef Pedro Marin übernehmen sie nach und nach die höchsten Positionen in mächtigen Lobby-Vereinigungen. Mika Ferrer wird Chef des Gastronomenverbandes CAEB. Marin übernimmt die Hotelvereinigung an der Playa de Palma AHPP. Mika Ferrer leitet Palma Beach. Schon bald geraten die Party-Tempel unter politischen Druck. Immer mehr Auflagen müssen erfüllt werden.

Die Macher hinter der Qualitätsinitiative von Palma Beach. Von links: Mika Ferrer, Pedro Marín und Juanmi Ferrer. / FOTO: AGENCIACOM
Zuerst geht der Bierkönig in die Knie, dessen Boss, Onofre Pascual, zu viele verschiedene Interessen hat. Als Hotelbesitzer ist er auf das Wohlwollen seines Umfeldes angewiesen. Die Qualitäts-Idee gewinnt immer mehr Fürsprecher, die Riu- und Iberostar-Gruppe schließen sich dem Bündnis an, ebenso Clubs wie das Tabana oder Amok. Und jetzt der Megapark, der lange Zeit im Fadenkreuz der Strand-Optimierer schien. Und tatsächlich, da wächst eigentlich zusammen, was zusammengehört. Der Megapark ist längst eine beeindruckende Erwachsenen-Erlebniswelt geworden. Und wenn man es genau nimmt, gilt das mit der Erlebniswelt mittlerweile für die gesamte Playa. Die gammelige Meile von 2016 ist nicht mehr wiederzuerkennen. Es gibt noch einige Trichter-Sauf-Widerstandsnester, doch das sind nicht mehr viele. Nun werden die nächsten Probleme angegangen: Kampf gegen die Straßenhändler und Diebe. Das Rathaus reagiert seit dieser Saison. Die Lobbyarbeit hat sich gelohnt. Palma Beach hat gewonnen.
Abonnieren, um zu lesen
- Weil mitten im Sommer die Strandliegen fehlen: Balearen-Regierung feuert oberste Küstenchefin
- Balearen-Regierung zu den Restriktionen am Tag der Sonnenfinsternis: 'Werden Mallorca-Urlauber weder bevorzugen noch benachteiligen
- Randalierender Ryanair-Passagier auf Mallorca-Flug zu Strafe und Schadenersatz verurteilt – so reagiert die Airline
- Sonnenfinsternis auf Mallorca für Spontane: So teuer sind Hotels und Flüge jetzt
- Auch das Meer kommt ins Schwitzen: Neuer Temperaturrekord vor Mallorca erreicht
- Gestrandete deutsche Segelyacht 'Acoa' vor Mallorca mit tourismuskritischen Graffiti besprüht
- Seltenes Phänomen: Grüner Lichtstrahl läutet Finale der Sonnenfinsternis ein
- Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig: Mallorca-Rückflug geht gehörig schief
