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Meinung | Mein Mallorandum

Was Cala Ratjada nachts wirklich braucht, passt auf ein Stück Pappe

Zuhören ist eine Form der Nächstenliebe. MZ-Kolumnist Mirko Perković hatte eine unerwartet berührende Begegnung mit zwei Bibelschülern

Das Schild der jungen Bibelschüler lädt zum Gebet ein

Das Schild der jungen Bibelschüler lädt zum Gebet ein / Privat

Ein Pappschild hat mich zum Nachdenken gebracht. Wie das? Nun, jeden Abend dasselbe Ritual — 7,5 Kilometer den Hügel von Capdepera hinauf, mein bester Freund Jack Price und ich. 

Danach jeder eine Flasche Aquarius auf einer Mauer am Ortseingang von Cala Ratjada. Um uns herum bemerkten wir: Das Nachtleben beginnt.

Was man nun so gar nicht erwartet: zwei Twens mit einer bemalten Pappe. Aufschrift: „Brauchst du Gebet?"

Die beiden Bibelschüler hörten einfach zu

Fäbu, 21, Schweizer. Jana, 25, Deutsche. Ich dachte: Gleich kommt der Flyer, das Missionierungsgespräch. Es kam: einfach nichts davon. Die beiden wollten nichts dergleichen. Und Menschen, die nichts wollen, erkennt man daran, dass man sich in ihrer Nähe weiterhin auszuatmen traut.

Jack und ich hatten in jüngster Vergangenheit — jeder von uns — so manches erlebt, nicht immer schöne Dinge. Manchmal sitzt das Zuverarbeitende abends mit auf unserem Stammplatz. So wie ein alter Bekannter. Wir erzählten den beiden Bibelschülern davon.

Und die beiden taten etwas Bemerkenswertes: Sie hörten zu. Wirklich. Zuhören? Das ist eine Form von Liebe, die nichts kostet und die wir trotzdem viel zu selten verschenken. Vielleicht ist es die älteste Form von Seelsorge: dass einer den anderen ansieht und sagt: „Hm, oha, erzähl mal!“

Am Ende beteten sie für uns und unsere Familien. Jana sprach frei, sehr auf den Punkt, mitten ins Herz. Sie sprach einfach aus, was sie gehört hatte – und daraus wurden Fürbitten. 

Vielleicht war plötzlich Gott mit dabei

Für einen Moment spannte sich etwas wie ein Dach über zwei gesprächsbereite Männer. Ich habe geweint. Die Tränen kamen, einfach so. Man kann sie ja eh nicht aufhalten.

Sie nehmen am Camp von Reach Mallorca teil: seit 2011 auf der Insel, bekannt durch die Strandgottesdienste an der Playa de Palma, mit einer Missionsschule auf einer Finca bei Santa María. „Jeder Mensch sollte mal gehört haben, dass es Hoffnung gibt", schrieb mir Jana später auf Instagram. Im Römerbrief steht sinngemäß: Wie sollen Menschen von Hoffnung hören, wenn niemand sie ihnen verkündet? Fäbu und Jana verkünden nicht laut. Sie halten ein Schild hoch — und warten.

Ich nenne solche Momente „schicksalhafte Ereignisse". Jana nennt sie Begegnungen mit Jesus. Vielleicht sind das nur zwei Namen für dasselbe Wunder.

Ich weiß nicht, ob wir an diesem Abend Gott gespürt haben. Aber zwei Menschen, die uns gesehen haben – das ist ganz sicher. Und vielleicht fängt das andere genau so an.

Falls Ihnen auf dieser Insel also ein solches Pappschild je auffallen sollte: Bleiben Sie stehen. Dort wartet vielleicht eine Frage, die gänzlich unerwartet ist. Wir jedenfalls gingen „danach“ leichter nach Hause, als wir gekommen waren. Gehört. Getröstet. Und wer weiß: vielleicht sogar gesegnet.

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