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Meinung | Mein erstes Mal auf Mallorca

Als mein deutsches und mein mallorquinisches Leben miteinander tanzten

Als MZ-Kolumnist Michael Wrobel seinen 50. Geburtstag auf Mallorca feierte, trafen Familie und Freunde aus Deutschland und den USA auf seine mallorquinischen und spanischen Freunde. Gesprochen wurde in vier Sprachen – verstanden haben sich am Ende trotzdem alle

Reichlich gedecktes Buffet beim 50. Geburtstag von MZ-Kolumnist Michael Wrobel

Reichlich gedecktes Buffet beim 50. Geburtstag von MZ-Kolumnist Michael Wrobel / Michael Wrobel

Es war mein erster runder Geburtstag auf Mallorca. Und zum ersten Mal kamen dabei Menschen aus meinem früheren und meinem heutigen Leben so geballt zusammen. Familie und Freunde aus Deutschland, Verwandte aus den USA, dazu mallorquinische und spanische Freunde aus unserem Leben auf der Insel. Manche kennen mich seit Jahrzehnten, andere sind erst in den vergangenen Jahren Teil meines Lebens geworden. Viele begegneten sich an diesem Abend zum ersten Mal.

Vor der Feier hatte ich deshalb eine Sorge: Würden sich all diese Menschen überhaupt verstehen? Gesprochen wurde Deutsch, Castellano, Mallorquin und Englisch. Am Ende stellte sich heraus: Das größte Kommunikationsproblem bestand darin, gleichzeitig zu essen, zu reden und zu lachen. Natürlich half hier und da jemand beim Übersetzen. Oft reichten aber auch ein paar Wörter, Gesten und ein freundliches Lächeln. Irgendwie funktionierte die Verständigung erstaunlich gut.

Überraschendes Geschenk von einer Fremden

Wie gut, zeigte sich bei Melanie, einer guten Freundin aus Deutschland. Ana aus Inca schenkte ihr an diesem Abend einen wunderschönen Fächer. Einfach so. „Von einer völlig fremden Frau“, sagte Melanie später noch immer ganz begeistert. Ganz fremd blieben die beiden allerdings nicht lange. Sie freundeten sich an und verabredeten bereits, bei Melanies nächstem Mallorca-Besuch gemeinsam mit ihren Männern essen zu gehen. An einem reich gedeckten Tisch bleibt vermutlich ohnehin niemand lange fremd.

Auch beim Essen trafen die verschiedenen Welten aufeinander. Neben vielen anderen Leckereien gab es Pintxos – einige mit deutschen Rösti oder Bockwurst belegt, andere auf spanische Art – und dazu mallorquinischen Trampó-Salat und deutschen Kartoffelsalat. Ausgerechnet der deutsche Kartoffelsalat wurde bei unseren mallorquinischen Freunden zum Überraschungserfolg. Vielleicht beginnt eine gelungene Integration manchmal tatsächlich mit Mayonnaise.

Beim Tanzen verschwinden alle Verständigungsprobleme

Nachdem alle gut gegessen hatten, wurden die Tische zur Seite gerückt. Spanische Rhythmen liefen, und plötzlich wurde gemeinsam getanzt. Zunächst baile en línea, dann Sevillanas. Und irgendwann etwas, das sich keiner bekannten Stilrichtung mehr eindeutig zuordnen ließ.

Mallorquiner tanzten mit Deutschen, meine Schwiegermutter mit einem unserer Freunde aus Asturien, die Verwandten aus den USA bewegten sich neben Menschen aus Inca. Einige kannten die Schritte, andere machten einfach irgendetwas, das zumindest entfernt danach aussah. Die Richtung stimmte nicht immer. Der Rhythmus vermutlich auch nicht. Aber das spielte längst keine Rolle mehr.

Genau in diesem Moment hatte ich das Gefühl, dass hier nicht länger verschiedene Gruppen nebeneinander feierten. Es gab nicht mehr die Freunde aus Deutschland auf der einen Seite und die Freunde aus Mallorca auf der anderen Seite. Menschen aus meinem früheren Leben trafen auf Menschen aus meinem heutigen. Und obwohl sie aus unterschiedlichen Ländern kamen, verschiedene Sprachen sprachen und sich teilweise erst seit wenigen Stunden kannten, entstand daraus eine einzige große Feier.

Vielleicht lag es an der Musik. Vielleicht am Essen. Vielleicht auch an der besonderen Fähigkeit ausgelassener Menschen, fehlende Wörter einfach wegzutanzen. Mein erster runder Geburtstag auf Mallorca wurde auf Deutsch, Castellano, Mallorquin und Englisch gefeiert. An diesem Abend tanzten mein früheres und mein heutiges Leben miteinander. Eine Übersetzung brauchte am Ende niemand mehr.

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