Meinung | Kommentar
Die Karawane der „Caravanistas“ zieht weiter: Warum auf Mallorca immer mehr Wohnmobilsiedlungen entstehen dürften
Aufgrund ihrer wachsenden Zahl werden wahrscheinlich mobile Elendsviertel entstehen, die jeweils dort hinziehen, wo die Bewohner am wenigsten dagegen unternehmen können, meint MZ-Chefredakteur Thomas Fitzner

Auf dem Parkplatz vor dem Marivent-Palast siedeln sich immer mehr Wohnmobile dauerhaft an / Ana B. Muñoz
Wenn man sich auf der Schnellstraße Ma-15 aus Manacor kommend der Inselhauptstadt nähert, fällt rechter Hand eine Siedlung mit einer großen Ansammlung von Wohnmobilen auf. Es ist nicht der einzige Ort, an dem sich diese Gefährte konzentrieren. Auf dem Parkplatz der Sportanlage Son Hugo zum Beispiel sind um die 60 Wohnwagen dauerhaft abgestellt, deren Insassen sich der Sanitäranlagen des Hallenbads bedienen. Das hat zu Beschwerden der Nutzer geführt, denn wir wissen alle, wie eine Toilettenanlage rasch mal aussieht, wenn sie unter Overtourism leidet.
Das Rathaus wird nun Einschränkungen auferlegen, die caravanistas werden geduldet. Keine perfekte Lösung. Die Insassen der Wohnwagen sind vielfach berufstätig, können sich jedoch aufgrund der von der Realität eines Pepe Normalverbraucher entkoppelten Mietpreise keine Wohnung leisten. Aufgrund ihrer wachsenden Zahl werden wahrscheinlich mobile Elendsviertel entstehen, die jeweils dort hinziehen, wo die Bewohner am wenigsten dagegen unternehmen können. Also schon mal nicht nach Son Vida.
Keine Hilfe vom Sozialamt
Bei der schrittweisen Räumung des Gitano-Viertels Son Banya hilft das Sozialamt bei der Suche nach einer neuen Bleibe. Vielleicht inspiriert das zu einer ähnlichen Aktion für die caravanistas. Die bitten seit langem um einen zugewiesenen Platz mit Strom- und Wasserversorgung, gerne kostenpflichtig. Die Antwort der Behörde: Aus rechtlichen Gründen unmöglich. An hässlichen Brachflächen, die man sinnvoll nutzen könnte, mangelt es Palma jedenfalls nicht.
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