Meinung
Vom Finca-Besitzer zum Winzer: So entsteht auf Mallorca die eigene Weinmarke
Einzigartiges Geschäftsmodell: Kellermeister Henri Fink und seine Partner bauen Wein für Mallorca-Fans mit eigenen Marken an

Viele deutsche Fincabesitzer träumen von ihrem eigenen Wein - WeinWert macht es auf Mallorca möglich / WeinWert
Unter den vielen Deutschen, die auf Mallorca aus guten Gründen „hängenblieben“, befinden sich auch einige Kellermeister. Einer von ihnen ist Henri Fink, der zusammen mit seinen Partnern ein weltweit einzigartiges Projekt gestartet hat und den vielen Mallorca-Fans, die sich ein Grundstück auf der Insel gekauft haben, ein recht simpel klingendes Geschäft anbietet: Wir legen euch einen Weinberg an, pflegen ihn, ernten und verarbeiten die Trauben und geben dem Wein aus exakt euren Trauben eure eigene Weinmarke. Wenn ihr wollt, helfen wir auch beim Verkauf.

Henri Fink - Winzer, Önologe und Geschäftsführer von WeinWert SL Mallorca / FB: WeinWert SL
Weinwert bereitet 200 verschiedene Weine auf der Insel zu
Keinesfalls hätten sie erwartet, dass sich aus dem 2016 gegründeten Unternehmen „WeinWert“ in recht kurzer Zeit eine veritable Bodega entwickeln würde, die heute 60 Mitarbeiter beschäftigt und die Trauben von 120 Mallorca-Liebhabern und mehr als 100 Hektar Weinbergen zu über 200 verschiedenen Weinen verarbeitet. Kein Kinderspiel: Über 100 Fincas mit oft nur wenigen tausend Weinreben auf der ganzen Insel verstreut zu betreuen muss akribisch organisiert werden. Das gilt für die Weinbergsarbeiten das ganze Jahr über, aber insbesondere während der Ernte und unter mancherlei Problemen beim Finden von Personal. Im Herbst kommt es schließlich darauf an, unterschiedlich reifende Rebsorten an allen Pflanzorten zur richtigen Zeit zu ernten. Da bleiben oft nur ganz wenige Tage vor der Überreife. Anschließend gärt und lagert der Wein in einer Vielzahl kleiner Tanks, von denen jeder genauso beobachtet werden muss wie andernorts jeder große Gärbehälter.
An der Autobahn von Manacor nach Palma fällt bei Algaida ein großes Gebäude mit Burgzinnen auf, das 1952 als Ziegelei gebaut wurde, später eine Lederfabrik beherbergte und nun Château Vino de la Isla heißt. Dort werden die Weine ausgebaut. Dort befindet sich auch der große, moderne Weinshop, wo mehrere Dutzend Weine direkt unter modernsten Bedingungen unkompliziert verkostet werden können und alle Weine zum Verkauf stehen. Jeder Besucher erhält eine Karte, mit der die Proben abgerechnet werden, die er sich selbst aussuchen und über einen Dispenser ins Glas füllen kann.

Drei aus 72 – beim Château Vino de la Isla gibt es unkompliziertes Weintasting zum Selberabfüllen. / Château Vino de la Isla
Einer der Liebhaber, die ihren Weinberg von WeinWert betreuen lassen, ist Norbert Nowak, dessen Mallorca-Geschichte typisch ist für viele der 120 privaten Weinbergsbesitzer. Der Wiener Rechtsanwalt kam auf die Insel, weil ihn die schönen Golfplätze und der Wein interessierten. In schönstem Wienerisch erklärt er, der Wein habe ihn schon sein ganzes Leben lang „begläded“ – aber nur privat, als Liebhaber eben. Als er seine Finca bei Montuïri mit einem Hektar Weinbergen kaufte, war schnell klar, dass er WeinWert mit der Betreuung beauftragen würde.
Sein 2025er-Premis „Perla de Mallorca“ beweist, wie gut Henri Fink und sein Team mit den vielen Kleinmengen unterschiedlichster Herkünfte umgehen können. Der recht früh geerntete Weiße aus dem Stahltank braucht nur sommerliche 10,5 Prozent Alkohol, um zauberhaft frisch nach grünem und gelbem Apfel zu duften. Zartfruchtig und leicht fließt er über die Zunge und ist als Aperitif oder als Begleiter leichter Speisen ein nicht nur sehr guter, sondern auch preiswerter typischer Mallorquiner.
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