Meinung | Mein Mallorandum
Der beste Spartrick am Flughafen Mallorca ist … die Luxus-Lounge!
Vor den Lounges im Flughafen von Mallorca stehen immer mehr ganz normale Urlauber Schlange. Kein Wunder findet MZ-Kolumnist Mirko Perković: Bei den Preisen im Terminal kann ausgerechnet der vermeintliche Luxus zur wirtschaftlich vernünftigen Entscheidung werden

Mediterráneo VIP Lounge am Flughafen von Palma / Aena VIP Services
Flughafen Palma, gleich hinter dem Körperscanner. Die Wasserflasche wurde mir soeben abgenommen. Sicherheitsgründe, wie üblich. Zweihundert Meter weiter dann: dieselbe Flasche im Regal, 3,50 Euro. Über die Leute, die sich das ausgedacht haben — irgendwo sitzen die ja, in einem Meeting vermutlich, mit Präsentationsfolien —, stelle ich keine Vermutungen an. Es funktioniert. Das genügt ihnen.
Ökonomen sagen dazu „unelastische Nachfrage“. Denn der Reisende im Transit? Kann nicht zurück. Nirgends mehr kann er hin. Hinaus sowieso nicht. Nur warten kann er noch, das ja — und Höchstpreisnahrung kaufen. Ein Markt, der keinen Ausgang hat, ist kein Markt, sondern das, was übrig bleibt, wenn man aus einem Markt alles entfernt, was es sonst gibt: Möglichkeiten, Auswahl, Freiheit.
Kühltheke, Bistro. Ein Sandwich, 9,80 Euro. Achtung! Das Sandwich ist hier bloß ein Mittel zum Zweck. Es wird verkauft, nun, aber verkauft werden ist überhaupt nicht sein Zweck; sein Job ist: einfach „danebenliegen“. Denn neben ihm wirken 35 Euro Lounge-Eintritt wie die einzig logische Konsequenz. Ein Ankerpreis! Das Sandwich weiß das natürlich nicht, muss es auch nicht.
Zweites Bier plus Burger: draußen teurer. Ab dem dritten Getränk: drinnen, in der Lounge, quasi gratis. Die Rechnung stimmt. Rechnen Sie gerne nach! Das Angenehme an Rechnungen ist ja: stimmen oder nicht stimmen, dazwischen gibt es nichts, kein Gefühl, kein Mutmaßen mehr. Nur akzeptieren. Mathematik! Fakten!

Llevant VIP Lounge am Flughafen von Palma / Aena VIP Services
Wenn die VIP-Lounge zum Standardprogramm wird
Neulich: riesengroße Schlange vor der Lounge-Tür. Schon mal aufgefallen? Menschen. Viele. Immer mehr, immer öfter. Schlange stehend. Vor der Lounge.
Zoomen wir kurz rein. Ein Vater, Bauchtasche, drei Kinder. Eine Frau mit Strohhut. Sonnenbrand, Boardingpässe auf Thermokarton. Leute, denen nach zwei Wochen „alles inklusive” das einzelne Bezahlen abhandengekommen ist wie eine Sprache, die man mal konnte (Französisch oder so). Kann ich ihnen nicht verdenken. Mehr und mehr „Normalos“ sieht man hier. Sie machten wahrscheinlich dieselbe Rechnung auf wie ich, nur später. Vielleicht auch früher. Ach, man weiß doch eh nichts über Leute in Schlangen, das ist das Einzige, was man über sie weiß. Drinnen der Vater zu seinen Kindern: Nehmt ruhig noch etwas, es ist ja bezahlt. Später murmelte er einen Satz übers Tagesgericht: Chili sin Carne.
„Eine Konsumentenrente ist das“, würde mein Mikroökonomie-Professor einwerfen. Ich im Sessel. Blick aufs Rollfeld. Und der Gedanke, langsam dämmert’s, wie etwas, das erst mal realisiert werden muss: dass die Lounge jetzt der billigste Ort dieses Flughafens ist. Luxus — als Sparmaßnahme! Beim Hinausgehen noch eine Wasserflasche mitgenommen. Wie immer. Ich sage ja: Ich bin kein Mann, der sich aufregt. Aber einer, der prognostiziert: Für mehr Lounges gibt es längst eine Lobby.
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