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Meinung | Insel(t)räume

Endesa-Betrug auf Mallorca: Erst kannte er all meine Daten, dann wurde er aggressiv

Der Mann am Telefon kennt ihre Adresse, IBAN und NIE und behauptet, für Endesa zu arbeiten. Im Halbschlaf folgt MZ-Kolumnistin Sophie Mono seinen Anweisungen – bis aus dem vermeintlichen Service massiver Druck wird

Vorsicht vor Betrugsmaschen am Handy.

Vorsicht vor Betrugsmaschen am Handy. / dpa

Kurz vor 22 Uhr sind die Kinder am Einschlafen; ich dämmere weg. Handyklingeln. Unbekannte Nummer. Verwirrt hebe ich ab. Ob Sophie Mono am Apparat sei, fragt ein Mann. „Ja“, murmle ich. Werbeanrufe blocke ich, aber hier scheint jemand meinen Namen zu kennen.

Er heiße Alberto, es gehe um meine Stromrechnung bei Endesa. Tatsächlich: Da habe ich vor wenigen Wochen einen Vertrag abgeschlossen. Ich stehe auf, gehe ins Wohnzimmer, lausche dem spanischen Wortschwall. Er arbeite für eine Vertriebsgesellschaft von Endesa, so Alberto. Podo. Er wolle nur Daten abgleichen, um mir die Rechnung ordnungsgemäß zuschicken zu können.

Mein Gehirn kommt nicht so schnell mit. Noch bevor ich die erste Nachfrage stelle, rattert Alberto meine IBAN, Adresse, NIE und Mailadresse herunter. Wie im Autopilot bestätige ich – schließlich gebe ich ja nichts preis, was er nicht ohnehin vorliegen hat.

„Wir schicken dir jetzt einen Code aufs Handy und einen Link zum Unterschreiben“, so Alberto. Ping. Da ist die SMS samt Link. Ich klicke drauf. Alberto ist immer noch in der Leitung. Erst das große Feld „Firmar“ macht mich misstrauisch. „Was genau soll ich da unterschreiben?“, frage ich.

Nichts, nichts. Nur eine Formalität. Schließlich sei ja heute schon der 30. und morgen Zahltag, sagt Alberto. Ich bin verwirrt, lasse mich aber einlullen, klicke. „Jetzt ruft gleich ein Kollege an. Einfach alles, was er fragt, bestätigen, dann haben wir’s“, instruiert er mich. 30 Sekunden später rattert der Kollege einen aufgezeichneten Fragenkatalog herunter.

Plötzlich schlägt der Ton um

Erst antworte ich brav, dann unterbreche ich. „Warum schickt mir Endesa die Rechnung nicht ganz normal zu?“, frage ich. Der Fragensteller stockt. Plötzlich ist Alberto wieder dran. Diesmal genervt. Er habe mir doch alles erklärt. Ich solle nicht unterbrechen. Jetzt müsse der Kollege von vorne anfangen. Ich bin jetzt hellwach, google nebenbei „Podo“ und „Betrug“. Neben Albertos Beschwörungen fällt es mir schwer, zu erfassen, was die Suchmaschine ausspuckt. Nichts Eindeutiges.

„Ich fühle mich nicht wohl. Ich möchte am Telefon nichts weiter klären“, sage ich. Alberto respektiert nicht; Alberto insistiert. Spricht von Strom abstellen. Von Fahrlässigkeit meinerseits, weil ich mich nicht eher um die Endesa-Rechnung gekümmert hätte. Sein Tonfall wird aggressiver. „Warum können Sie nicht begreifen, wie wichtig das ist?“, raunzt er mich an. Da begreife ich. Endlich. Und lege auf.

Heute weiß ich, dass bei Endesa im Januar Millionen von Kundendaten geklaut wurden. Dass man die Echtheit der Anrufer auf der Endesa-Homepage prüfen kann. Und dass Alberto und Co. ihr perfides Spiel mit vielen spielen. Um Endesa-Kunden unter Vortäuschung falscher Tatsachen dazu zu bringen, einen Vertrag mit ihrer Firma abzuschließen – die rein gar nicht mit Endesa kooperiert.

Mindestens 50 Mal haben mich verschiedene Menschen unter verschiedenen Nummern seitdem angerufen. Die meisten habe ich weggedrückt, nur wenige habe ich angeschrien. „Ihr seid Verbrecher. Was ihr da treibt, ist eine Schande!“ Genau das hätte ich sofort tun müssen, damals, im Halbschlaf mit Alberto.

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