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Meinung | Mein erstes Mal auf Mallorca

Warum Mallorquiner einen halben Hausstand mit an den Strand nehmen

Als MZ-Kolumnist Michael Wrobel zum ersten Mal mit mallorquinischen Freunden einen Strandtag verbrachte, stellte er schnell fest: Mit einem Handtuch allein kommt man nicht weit. Unter Kiefern entstand ein kleines Wohnzimmer – inklusive Klappstühlen, Kühlboxen, Pa amb oli und Beleuchtung für die Nacht

Der Strand von Alcúdia. Archivbild.

Der Strand von Alcúdia. Archivbild. / Nele Bendgens

Für einen Nachmittag am Strand brauchte ich früher nicht viel. Badehose, Handtuch, vielleicht ein Strandstuhl, Sonnencreme und etwas zu trinken – fertig. Dann fuhr ich zum ersten Mal mit Mallorquinern an den Strand.

Als wir in Alcúdia unser Gepäck aus den Autos holten, wurde mir schnell klar: Das hier würde eher ein kleiner Umzug. Wir waren zu siebt, drei Paare und Single Laura. Mit dabei: Klappstühle und Sessel für alle, ein kleiner Tisch, Kühlboxen, Badetücher, Wechselkleidung – und Proviant für viele Stunden. Während sich viele Urlauber möglichst nah am Wasser niederließen, zogen wir ein Stück zurück unter die Kiefern. Schatten, Ruhe, Platz. „Perfekt“, befand die Runde. Also wurde erst einmal das Quartier bezogen: Stühle aufstellen, Tisch positionieren, Kühlboxen platzieren.

Kaum war alles fertig, verschwanden die Frauen. Rein in den Bikini und ab ins Wasser. Wir Männer blieben zurück. Für ungefähr eine Stunde.

Was macht man in einer solchen Situation? Man öffnet den Tinto de Verano. Mit Eiswürfeln natürlich – zwei Packungen hatten wir vorsorglich dabei. Also lehnten wir uns zurück und redeten über den langen, heißen Sommer, die Arbeit und die Welt.

Nach einer Stunde kamen die Frauen zurück. Schichtwechsel. Jetzt waren die Männer dran. Danach saßen wieder alle zusammen. Es wurde getrunken, geredet und gelacht. Und als langsam die Dämmerung einsetzte, begann der eigentliche Höhepunkt.

Festschmaus unter Pinien am Strand

Jetzt wurde gegessen. Frisches Brot, selbstgemachter Trempó, Serrano-Schinken, Salami, Käse, Olivenöl, Würstchen, Melone und süßes Gebäck kamen auf den Tisch. Meine Frau hatte außerdem Bananenbrot gebacken.

Vor allem aber gab es Pa amb oli. Ob Mallorquiner oder irgendwann Zugezogener – bei Brot, Olivenöl und allem, was sich darauflegen lässt, werden die Unterschiede erstaunlich klein. Also wurde belegt, geteilt und weitergereicht. Dazu ein kaltes Bier oder Tinto de Verano.

Einige vorbeiziehende Touristen warfen auffällig lange Blicke in unsere Richtung. Ich konnte es ihnen nicht verdenken. Während andere ihre Handtücher zusammenpackten und Richtung Hotel verschwanden, saßen wir weiter gemütlich unter den Kiefern.

Als es schließlich dunkel wurde, dachte ich kurz, jetzt sei der Abend wohl vorbei. Falsch gedacht. Irgendjemand zog Campingleuchten aus einer Tasche. Natürlich. Also blieben wir noch lange sitzen.

Gegen 23 Uhr wurde schließlich gemeinsam aufgeräumt, der Müll eingesammelt, Stühle und Tisch zusammengeklappt und der halbe Hausstand zurück zu den Autos getragen. Aus einem Nachmittag am Strand war längst ein langer Sommerabend geworden. Mit gutem Essen, kalten Getränken, viel Zeit und den richtigen Menschen. Viel mehr braucht es manchmal gar nicht.

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