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„Die Hühner machen lustige Sachen, die Seehunde applaudieren“: Die besondere Geschichte hinter diesem Mallorca-Wein
MZ-Kolumnist Jürgen Mathäß über die Besonderheiten der Bodega Gallinas y Focas

Gemeinsame Weintrauben-Ernte bei der Bodega Gallinas y Focas / Gallinas y Focas
Die Geschichte von Gallinas y Focas erzählen wir besonders gerne, weil sie von Menschlichkeit und von Unterstützung der Schwächeren handelt. Die Bodega ist eine Art Gemeinschaftsprojekt von Francesc Grimalt (Bodegas 4 Kilos) und der Stiftung Esment, die man etwas außerhalb Palmas nördlich von Son Ferriol findet.
Esment wurde 1962 gegründet. Von Anfang an konzentrierte sich das Unternehmen auf den Schutz und die Verteidigung der Rechte von Behinderten und ihrer Familien: Recht auf ein würdevolles Äußeres, auf einen Arbeitsplatz, auf eine Unterkunft, auf Unterstützung entsprechend den Bedürfnissen, auf die Möglichkeit, genießen zu können. Als besonderes Kennzeichen nennt die Organisation ihre Art, Menschen zu begleiten und Dinge zu tun - mit Sorgfalt und Liebe zum Detail. Das mallorquinische Wort, das diese Einstellung beschreibt, ist Esment.

Bei der Produktion des Gallinas y Focas-Weins arbeiten alle Mitarbeiter gut integriert zusammen / Gallinas y Focas
Soziales Projekt mit 2000 Mitarbeitern
Die Finca von 20 Hektar Größe, auf der Esment heute Landwirtschaft betreibt, gehörte ursprünglich einem General, der sie der Stadt Palma für soziale Zwecke vermachte. Etwa 2000 Menschen, darunter 1800 Behinderte, finden bei Esment Arbeit in landwirtschaftlicher Tätigkeit und in fünf eigenen Restaurants auf der Insel. Die Leitung des Projekts war der Ansicht, eigener Wein passe gut zur eigenen Gastronomie. So kam man in Kontakt mit Francesc Grimalt von 4 Kilos, der geholfen hat, die Bodega aufzubauen. Bis heute unterstützt er sie und ist einmal pro Woche vor Ort. Weinbau und Kellerwirtschaft hat er im Stil der eigenen Bodega geprägt: naturnah und als ökologische Gesamtheit verstanden, was hier leichter fällt, da die Rebpflanzungen zu einem landwirtschaftlichen Gebilde mit Tieren gehören. Im Keller wird viel mit Holzfässern und großen Holzcuves gearbeitet.
Allerdings müssen die Weinberge in diesem Terroir bewässert werden, da die Bodenauflage zu dünn ist. Etwa die Hälfte des Traubenbedarfs erzeugt die Finca selbst, die andere Hälfte kauft die Bodega zu.Dass die Weine angesichts so kompetenter Unterstützung gut ausfallen, ist nicht überraschend.

Auch die Weinetiketten von Gallinas y Focas sind selbst entworfen / Bodega 4 Kilos
Die Hühner machen lustige Sachen und die Seehunde applaudieren
Der Name Gallinas & Focas ist das Ergebnis eines Brainstormings von Behinderten zur Benennung des Weins. Auf die Frage, warum sie diesen Namen gewählt hätten, war ihre Antwort klar: Die Hühner machen lustige Sachen und die Seehunde applaudieren. Alles klar? Anschließend wurden die Behinderten gebeten, Zeichnungen von Hühnern und Robben anzufertigen, die mittlerweile zur Illustration der Weinetiketten dienen.
Ungewöhnlich wie das ganze Projekt ist der Manto Negro „Sa cussa Antonia“. Aus den roten Trauben wird nach nur etwa 5 bis 6 Stunden Maischestandzeit ein kräftig gelber Weißwein gekeltert. Seine cremige Saftigkeit erinnert ein wenig an hochwertige Weine aus der Sorte Garnacha Blanca – wäre da nicht die leichte Brotkrustennote, die typisch für Manto Negro ist. Auf jeden Fall ein feiner Begleiter von Pasta- und Geflügelgerichten.
Die Weine kann man bei der Bodega kaufen oder in einem der Esment-Restaurants beispielsweise in Palma oder in Inca genießen.
Der Wein:
Sa cussa Antonia, Manto Negro, 2025-er Jahrgang, Flasche 16 Euro
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