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Meinung | Fels in der Brandung

Auf Mallorca verschärft sich der Wahlkampf: Jetzt geht es um alles

MZ-Kolumnist Lutz Minkner resümiert die aktuellen Entwicklungen in der balearischen Politik

Blick ins Balearen-Parlament während einer Debatte

Blick ins Balearen-Parlament während einer Debatte / Parlament

Die Auseinandersetzungen im Balearen-Parlament sind lauter und persönlicher geworden. Die linke PSIB und die populistische Més versuchen, auf Demonstrationen ihre Anhängerschaft zu mobilisieren. Die regierende PP unter Marga Prohens ist bemüht, ihre Erfolge in der Wohnungs- und Tourismuspolitik zu vermitteln und hervorzuheben. In der Wohnungspolitik kann sie darauf verweisen, dass sie im Gegensatz zur achtjährigen Regierungszeit der Linken eine ansehnliche Bilanz vorlegen kann. Fast 2.000 Wohnungen wurden durch Umwandlung von Geschäftsräumen in Wohnräume, durch Neuaufteilungen von großen Wohnungen und durch Ausbau und Aufstockungen geschaffen. Das ist eine sehr nachhaltige Maßnahme, die kein neues Bauland in Anspruch nimmt. Darüber hinaus wurden das Bau- und Genehmigungsrecht und die Genehmigungszeiten verschlankt, sodass der Bau von weiteren 8.000 Wohnungen angeschoben und begonnen wurde. Weiter wurde öffentliches Bauland zur Verfügung gestellt, um überwiegend Sozialwohnungen zu bauen. Gut so. In der Tourismuspolitik sind die Maßnahmen der Regierung noch nicht überzeugend: Bremsung der Tourismuszahlen durch Beschränkung von Quartieren und Mietwagen, Maßnahmen zur Beseitigung der illegalen Ferienvermietung und viele runde Tische und Arbeitsgruppen. Aber so richtig überzeugend und durchgreifend ist das alles noch nicht. Genauso befremdlich erscheinen auch die Präsentation der Balearen auf Tourismusmessen und die Marketingmaßnahmen: Wozu, wenn das Maß voll ist?

Die Migrationspolitik spielt in diesem Wahlkampf eine große Rolle

Die letzte große Umfrage fand im Juni 2026 statt. Da fehlte Marga Prohens von der PP nur 1 Sitz zur absoluten Mehrheit. Die PP muss 30 Sitze erringen, um auch ohne die Rechtsaußen-Partei Vox regieren zu können, von der sie in der laufenden Legislaturperiode nicht immer unterstützt wurde. Im Gegenteil: Vox hat der PP mehrfach kräftig gegen das Schienbein getreten. Vox zieht wie in Deutschland die AfD die Migrationskarte. Die Migrationspolitik der linken Zentralregierung scheint Vox bei den Wahlen stark zu begünstigen. Ministerpräsident Pedro Sánchez hat kürzlich den Aufenthalt von 500.000 illegalen Migranten legalisiert und für die Integration der Migranten 500 Millionen Euro zugesagt. Das ist der Mehrheit der Bevölkerung, die von ihrem Einkommen kaum die Möglichkeit sieht, sich eine menschenwürdige Wohnung zu leisten, nur schwer zu vermitteln. Und dann die Ängste wegen des Migranten-Überfalls auf Ceuta. Wasser auf die Mühlen der Wähler. Auch die PP verurteilt die Migrationspolitik von Sánchez; nach Meinung vieler Wähler jedoch nicht laut genug. Und da sind wir gleich bei Vox, die häufig in Konfrontationskurs zu Prohens steht, will sie doch deutlich machen, dass sie die einzige Alternative sei, die Migrationspolitik in den Griff zu bekommen.

Das linke Spektrum läuft zurzeit unter ferner liefen

Die linke PSIB schwächelt derzeit. Wegen Korruptionsvorwürfen hat sich Francina Armengol aus dem Balearen-Wahlkampf zurückgezogen. Stattdessen stellt sich Rosario Sánchez derzeit Staatssekretärin für Tourismus) als Bewerberin um das Ministerpräsidentenamt zur Wahl. Zwar ist sie nicht persönlich in die Korruptionsskandale im Umfeld von Pedro Sánchez verwickelt, könnte jedoch aufgrund des verlorenen Ansehens der Festland-Partei gegen Prohens auf verlorenem Posten stehen. Und schließlich ist da die populistische Més. Sie ist die Partei der Unzufriedenen, die die Touristen aus den Städten und von den Stränden vertreiben will (Mallorca den Mallorquinern), die den Immobilienerwerb durch Ausländer regulieren will und für die höherrangiges Europa-Recht nicht gelten soll. Hier kann man getrost dem Wähler sagen: „Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber“.

Kurzum: Eine bunte Gemengelage. Der Wähler hat das Wort.

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