Lange war es nur eine Idee, jetzt dürfte sie Realität werden: Der im Sommer viel frequentierte Dünenparkplatz hinter der beliebten Naturbadebucht Cala Agulla bei Cala Ratjada im Nordosten von Mallorca wird auf ein benachbartes Grundstück verlegt. Das entschied am Dienstag (24.1.) das balearische Landesparlament.

Aufatmen im Rathaus

Konkret soll auf einer Parzelle landeinwärts, auf der sich aktuell hauptsächlich unbebaute Weidefläche befindet, ein Stellplatz für rund 450 Fahrzeuge entstehen - ebensoviele, wie auch auf dem aktuellen Schotterplatz eingelassen werden. Schon im vergangenen Juni hatte der zuständige Bürgermeister von Capdepera, Rafel Fernández, im MZ-Gespräch von der Idee gesprochen und dabei merklich erleichtert geklungen. Denn die Angst vor einem drohenden Parkchaos in dem Fall, dass keine Ausweichfläche gefunden wird, saß den Verantwortlichen in der Gemeindeverwaltung seit Jahren im Hinterkopf. Dass nun auch das Parlament grünes Licht gab, sei eine "historische Lösung", so Fernández.

Schon seit Jahren ist klar, dass der aktuelle Parkplatz mittelfristig geschlossen werden muss. Tatsächlich ist die Nutzung des geschützten Geländes seit Jahrzehnten nicht rechtens. Durch die Erweiterung des Naturschutzgebiets Parc de Llevant und die damit einhergehenden Schutzbestimmungen besteht bald keine Möglichkeit mehr, die Autos wie bisher direkt hinter dem großen Naturstrand zu parken. Noch knapp zwei Jahre hat die Gemeinde nun Zeit, das neue Grundstück vorzubereiten und das alte zu räumen. Auf die MZ-Nachfrage, wann genau der neue Parkplatz in Betrieb genommen werden soll, äußerte sich das Rathaus bislang nicht.

Nicht alle sind dafür

So sehr die Entscheidung des Balearen-Parlaments, die von Mitgliedern der sozialistischen PSOE und der linksgrünen Regionalpartei Més, aber auch durch Unterstützung der Oppositionspartei PP vorangetrieben wurde, die Gemeindeverwaltung in Capdepera aufatmen lässt, so frustriert zeigt sich die Anwohnervereinigung Son Jaumell, der auch mehrere Deutsche angehören. Denn nicht alle sind damit einverstanden, dass der Parkplatz auf das Grundstück im Hinterland verlegt wird. "Wir haben die erste Runde verloren", so eine Sprecherin der Anwohnervereinigung gegenüber der MZ. Wie es nun weitergehe, wisse man noch nicht so genau. Auch die Umweltschutzgruppe GOB ist gegen einen neuen Großparkplatz im ländlichen Gebiet. Die Aktivisten plädierten stattdessen für eine Stellfläche innerhalb der Ortschaft Cala Ratjada und Shuttlebusse, die die Badegäste von dort zum Naturstrand bringen.

Aktuell zahlen alle Nutzer, die nicht in der Gemeinde Capdepera gemeldet sind, in den Sommermonaten 6 Euro pro Tag. Dafür dürfen sie ihren Wagen auf dem ungepflasterten Gelände abstellen. Im vergangenen Sommer waren dort nicht einmal schattenspendende Markisen aufgebaut.