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Präsident der Mietwagen-Lobby über das Verkehrschaos auf Mallorca: "Wir sind alle verantwortlich"

Wie viele Mietwagen gibt es denn jetzt auf Mallorca? Wer ist an den verstopften Straßen auf der Insel schuld? Und wird es zu einem Fahrzeuglimit kommen? Antworten vom neuen Chef des Branchenverbandes Baleval

Die Zahl der Mietwagen auf Mallorca ist nach wie vor ein großes Mysterium.

Die Zahl der Mietwagen auf Mallorca ist nach wie vor ein großes Mysterium. / Foto: Nele Bendgens

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Johannes Krayer

Johannes Krayer

Mietwagenlobbyisten auf Mallorca haben kein einfaches Leben. Die Einheimischen machen die Mietautos für die Überfüllung der Straßen verantwortlich. Viele Urlauber wiederum beklagen sich über den Service der Anbieter, die ihnen Zusatzversicherungen andrehen oder Schäden abkassieren wollen, die sie gar nicht verursacht haben. Höchste Zeit, beim neuen Präsidenten der Vereinigung der großen Autovermieter auf den Inseln (Baleval), Julio Nieto, nachzufragen. Er ist außerdem Area Manager der Balearen für den Anbieter Record Go und folgt bei Baleval auf Othman Ktiri. Der CEO von OK Mobility hatte den Posten nach nur zwei Jahren abgegeben.

Es ist die Frage der Fragen: Wie viele Mietwagen gibt es auf Mallorca?

Diese Frage hat mir noch nie jemand gestellt. Kleiner Scherz am Rande, es ist natürlich die Millionenfrage. Baleval hat eine unabhängige Beratungsfirma damit beauftragt, einen Zensus der Unternehmen und der Mietwagen anzufertigen. Wir sehen uns in der Verantwortung, endlich eine offizielle Zahl zu nennen.

Julio Nieto ist der Vorsitzende des Mietwagenverbands Baleval.  | FOTO: BALEVAL

Julio Nieto ist der Vorsitzende des Mietwagenverbands Baleval. / Baleval

Obwohl die Balearen-Regierung eigentlich die Zahl kennen sollte, weil sie alle Fahrzeuge registrieren muss.

Die Landesregierung hat parallel ebenfalls eine Studie in Auftrag gegeben.

Zahl "reine Spekulation"

Die meisten Schätzungen gehen derzeit von 80.000 bis 100.000 Mietwagen aus. Scheint Ihnen das realistisch?

Ich habe keine Ahnung, woher diese Zahlen kommen. Sie variieren jedes Jahr ein wenig, aber ich persönlich kann Ihnen keine Zahl nennen. Das wäre reine Spekulation.

Beobachten Sie selbst auf den Straßen der Insel zu viele Mietwagen?

Sie sprechen das Thema Überfüllung an, nehme ich an. Wir sind alle dafür verantwortlich, dass die Straßen voll sind: die Autos der Urlauber, die per Fähre ankommen, die Mietwagen, die Autos der Einheimischen. Und wir alle müssen Lösungen dafür finden. Momentan, mitten in der Hochsaison, bin ich beispielsweise viel schneller bei der Arbeit als im Herbst, wenn die Schulferien vorüber sind.

Wir befinden uns mitten in einer Debatte um die negativen Auswirkungen des Massentourismus. Welchen Beitrag leistet Ihre Branche, um diese Folgen zu lindern?

Wir stehen voll hinter der Initiative von Ministerpräsidentin Marga Prohens, Lösungen für das Thema mithilfe von Arbeitsgruppen zu suchen, in denen alle Beteiligten mit am Tisch sitzen. Wir wurden ebenfalls eingeladen und nehmen gerne teil. Wir wollen ja selbst Teil der Lösung sein und Ideen einbringen.

Keine Gesetze ohne Daten

Inzwischen gibt es bereits erste Kritik an der Effizienz dieser Arbeitsgruppen. Was halten Sie davon?

Das sehe ich anders. Vom ersten Tag haben wir uns alle sehr reingehängt, um auch mittel- und langfristig Ideen und konkrete Lösungen zu entwickeln.

Es wurde auf Mallorca bereits schüchtern über ein Mietwagenlimit gesprochen, so wie es auf Formentera existiert und auch auf Ibiza kommen soll. An welchem Punkt sind wir da?

Das Erste, was wir als Branchenverband in diesem Aspekt fordern, ist, dass es belastbare Daten gibt. Denn man kann keine Gesetze machen, ohne über Daten zu verfügen. Für Mallorca gibt es aber noch keine konkreten Planungen. Auf Ibiza gibt es ein Gesetzesvorhaben. Sollte es tatsächlich zu einer Beschränkung kommen, können Sie davon ausgehen, dass diese nicht nur unsere Branche betrifft, sondern auch für den Flugverkehr gelten wird oder etwa für die Autos, die die Urlauber mit auf die Insel bringen.

Mallorca ist ein wichtiger Markt für Low-Cost-Anbieter. Das geht einher mit zahlreichen Klagen, die häufig auch die MZ-Redaktion erreichen. Nehmen Sie das einfach hin oder versuchen Sie, das zu ändern? Schließlich leidet das Image der Branche.

Oft geschieht das aus Unkenntnis vonseiten der Urlauber. Diese schließen meist bei einem Broker eine Versicherung ab, die aber dann nicht für die Schäden aufkommt. Es ist eben eine Sache, die der Broker verantwortet.

Geringere Nachfrage durch EM und Olympia

Aber wäre es nicht im Interesse der Branche, hier zu einem anderen Umgang zu kommen, um das Image aufzubessern? Es werden jährlich mehr Beschwerden.

Ich habe nicht das Gefühl, dass die Beschwerden Jahr für Jahr zunehmen, sonst hätten wir irgendwann keine Buchungen mehr.

Wie entwickeln sich die Preise, auch im Hinblick auf das kommende Jahr?

Die Preise sind in diesem Jahr ein wenig gefallen, aber ob das im kommenden Jahr so weitergeht, kann ich beim besten Willen nicht sagen. In dieser Saison haben offenbar die Fußball-EM und die Olympischen Spiele zu einer Verringerung der Nachfrage geführt, weshalb die Preise niedriger liegen.

Wie sieht es aus mit der Elektroauto-Quote, die die linke Vorgängerregierung vor ein paar Jahren eingeführt hat? Ist das Thema vollständig aus dem Blick geraten?

In diesem Jahr müssen wir eine Quote von 3,6 Prozent Elektroautos erfüllen. Aber ganz ehrlich: Wenn man in Urlaub fährt und sich dort nicht auskennt, mietet man kein Elektroauto. Ich weiß nicht, wo ich es laden kann. Wir sollen eine Quote erfüllen, aber es mangelt an Ladestationen, und sie sind dazu häufig kaputt. Und die Stationen werden im Sommer ja nicht mehr, wenn mehr Nachfrage besteht. Die Insel ist nicht darauf vorbereitet.

Aber wie geht es weiter? Werden Sie die Quoten erfüllen, die von der Landesregierung einst angedacht waren?

Wir befinden uns in Gesprächen mit der neuen Landesregierung über diese Quoten. Man darf nicht vergessen, dass die meisten Mietwagen ganz neu sind und die Umwelt deutlich weniger belasten als die meisten anderen Autos auf der Insel.

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