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Elektroautos auf Mallorca: Die Insel ist nach wie vor noch nicht voll unter Strom

Die E-Mobilität kommt hierzulande nur schleppend voran. Weil die Autoverleiher sich sperren –meint ein Deutscher, der viel Geld in Ladestationen investiert

Markus Dold lädt sein E-Auto an der Ladestation des Golfplatzes Son Muntaner in Palma.

Markus Dold lädt sein E-Auto an der Ladestation des Golfplatzes Son Muntaner in Palma. / Johannes Krayer

Johannes Krayer

Johannes Krayer

Mit viel Elan war der deutsche Unternehmer Markus Dold 2022 ins Geschäft mit der Elektromobilität auf Mallorca eingestiegen. Der 57-Jährige aus dem Schwarzwald hatte sich vor knapp zwei Jahren vorgenommen, auf der Insel 100 Ladestationen zu errichten und die Fortbewegung mit den Stromern auf Mallorca zu revolutionieren. Nach zwei Jahren stellt Dold fest, dass Ersteres geklappt hat. Seine 100 Ladepunkte hat er an 18 Standorten aufgebaut.

Die Revolution aber blieb aus. Weiterhin sind vergleichsweise wenige Elektroautos auf der Insel unterwegs. „Ich hätte mir etwas mehr Promotion für die Elektromobilität auf Mallorca seitens der Politik erhofft. Stattdessen liest man immer wieder, es gäbe angeblich zu wenige Ladestationen. Da muss man sich ja nicht wundern, dass sich kaum jemand ein Elektroauto zulegt“, sagt Dold im Gespräch mit der MZ.

Bereits 4,5 Millionen in Ladeinfrastruktur gesteckt

Die Landesregierung behandle das Thema eher stiefmütterlich, so zumindest sein Gefühl. „Das zuständige Ministerium hat zumindest gerade eine Studie in Auftrag gegeben, um eine Bestandsaufnahme über die eigenen MELIB-Stationen anzufertigen“, berichtet Dold. Es sei gut, wenn begonnen werde, das eigene System für die Residenten zu renovieren.

Markus Dold, der mit seinem Unternehmen eMallorca Technologies nach eigenen Angaben bisher bereits 4,5 Millionen Euro in den Ausbau der Ladeinfrastruktur auf Mallorca gesteckt hat, ist vor allem über die Zurückhaltung der Autovermieter auf der Insel verwundert. Per Gesetz sind sie eigentlich dazu verpflichtet, das Thema voranzutreiben.

2024 sollten zwölf Prozent der Mietwagen elektrisch sein

Die linke Vorgängerregierung auf den Inseln hatte der Mietwagenbranche ambitionierte Hausaufgaben gegeben. Ab dem Jahr 2020 sollte jedes Jahr der Anteil der neuen Elektroautos auf den Inseln um einen bestimmten Prozentsatz steigen – in diesem Jahr sollten es eigentlich zwölf Prozent sein. „Aktuell müsste es nach meinem Verständnis der Gesetze auf Mallorca bereits rund 10.000 elektrisch angetriebene Mietwagen geben“, sagt Dold.

So verwaist fristen die Ladestationen von Markus Dold meistens auf Mallorca ihr Dasein.

So verwaist fristen die Ladestationen von Markus Dold meistens auf Mallorca ihr Dasein. / eMallorca Technologies

Durch eigene Beobachtungen der Nutzung der verschiedenen Ladestationen auf der Insel geht er jedoch davon aus, dass es lediglich gut 1.000 Fahrzeuge sind, bei einer gesamten Mietwagenflotte auf der Insel, die auf knapp 100.000 Fahrzeuge geschätzt wird. „Es kann nicht sein, dass Ziele formuliert werden, die von den Mietwagenfirmen nicht eingehalten werden. Die Infrastruktur ist da, und die Nachfrage seitens der Touristen ist vorhanden. Was fehlt, ist die Kontrolle der existierenden Gesetze für alle Unternehmen“, beklagt Markus Dold.

Autovermieter verweisen auf Logistikprobleme

Eine genaue Zahl der Elektroautos unter den Mietwagen ist von der Landesregierung nach wie vor nicht zu bekommen. Aus dem zuständigen Ministerium für Energie bei der Balearen-Regierung heißt es lediglich, dass man mit den Mietwagenfirmen derzeit im Austausch stehe. Man sei damit beschäftigt, eine „nachhaltige Lösung“ zu suchen.

Die Autovermieter indes verweisen auf Schwierigkeiten bei der Logistik. „Es gibt viel zu wenige Ladestationen auf der Insel“, sagt Ramón Reus, Sprecher der Vereinigung der kleineren Vermieter auf der Insel. „Markus Dold hat zwar viel investiert und Ladestationen gebaut, aber die sind fast alle im Südwesten. Wer in Alcúdia oder Cala Millor im Urlaub ist, dem bringt das nichts.“ Die Landesregierung habe im Übrigen die Vorgaben der Quoten derzeit „gestoppt“, die Branche warte nun auf neue Gespräche darüber, wie die Verpflichtung in Zukunft umgesetzt werden soll.

Dass es zu wenige Ladestationen auf der Insel gibt, will Dold so nicht stehen lassen. „An unseren Ladestationen lädt momentan im Durchschnitt ein Auto pro Tag auf. Da wäre noch sehr viel mehr Potenzial.“ Trotz allem will der 57-Jährige weitere fünf Millionen Euro investieren, darunter in einen großen Ladepark in Son Fuster, der im Winter fertig werden soll und eine Kapazität von 600 Autos gleichzeitig bietet – laut Dold der größte Ladepark auf einer Insel weltweit.

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