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30 Cent Preisunterschied pro Liter: Wo steht die günstigste Tankstelle auf Mallorca?

Low-Cost-Anbieter werden ihrem Namen gerecht. Doch schadet das billigere Benzin dem Auto?

Autonetoil ist eine der bekanntesten Billigtankstellen auf Mallorca. Hier zu sehen die Filiale beim Ikea in Palma.  | FOTO: GRUPO MOURE

Autonetoil ist eine der bekanntesten Billigtankstellen auf Mallorca. Hier zu sehen die Filiale beim Ikea in Palma. | FOTO: GRUPO MOURE

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Einfach zur nächsten Tankstelle fahren, wenn die Anzeige im Auto aufleuchtet, ist auf Mallorca keine gute Idee. Zu krass sind die Preisunterschiede. Besonders außerhalb Palmas haben in den vergangenen Monaten vermehrt Low-Cost-Anbieter eröffnet. Sie finden sich meist abseits der großen Straßen in Gewerbegebieten. Nicht alle Autofahrer trauen ihnen und befüchten, schlechten Sprit in ihren Wagen zu füllen. Dabei ist die Sorge völlig unberechtigt.

Warum ist es so günstig?

Wer schon mal bei Autonetoil getankt hat, dem ist sicher das Werbevideo aufgefallen, das automatisch abgespielt wird, wenn man zum Zapfhahn greift. Darin wird erklärt, dass das Benzin in den Billigtankstellen so günstig ist, da die Gewinnmarge niedriger ist. Das stimmt wohl auch. Die Anbieter setzen auf die Masse, die durch die niedrigen Preise angelockt wird.

Der Betrag, den das Benzin kostet, setzt sich aus vier Bestandteilen zusammen: den Einkaufskosten für das Benzin, der Mineralölsteuer (Impuesto sobre hidrocarburos), der Mehrwertsteuer (IVA) und eben der Gewinnspanne. Die ersten drei Faktoren sind bei allen Tankstellen gleich. Denn die Unternehmer versorgen sich alle bei derselben Raffinerie mit dem Treibstoff. Der Unterschied liegt dann darin, ob und in welcher Menge dem Benzin Zusatzprodukte zugemischt werden. Im Autonetoil-Video heißt es lediglich, dass der Sprit zwei Mal gefiltert wird. Einmal beim Einfüllen an der Tankstelle, das andere Mal direkt beim Tanken. Super Plus (Gasolina 98) sucht man bei den Billigtanken vergeblich.

Es gibt aber noch weitere Faktoren, die beim Preis eine Rolle spielen. Die Low-Cost-Tankstellen verzichten größtenteils auf Personal. Der Tankwart, der in Spanien oftmals noch üblich ist, fehlt. Bezahlt wird vor dem Einfüllen des Benzins am Automaten. Nicht erschrecken: Wer „volltanken“ (lleno) eingibt und mit Karte bezahlt, bekommt einen hohen Betrag (um die 175 Euro) angezeigt. Abgebucht wird letztlich aber nur der Preis für das wirklich gezapfte Benzin. Ein großes Tankstellengeschäft, in dem Snacks und Getränke verkauft werden, fehlt bei den Billiganbietern meist.

Ist das Benzin daher schlechter?

Diese Frage stellen sich die meisten Autofahrer, nicht nur in Spanien. Auch in Deutschland gibt es neben dem normalen Superbenzin-Sorten mit klangvollen Namen wie Ultimate, V-Power oder Maxx Motion. Die großen Tankstellenmarken werben selbstredend für ihre Premiumprodukte. Es seien mehr als Zusatzstoffe, schreibt beispielsweise der spanische Branchenprimus Repsol auf seiner Website. Mit den chemischen Produkten werde die Qualität des Treibstoffs erhöht. Er sei dadurch leistungsstärker, der Verbrauch entsprechend geringer. Selbst das Fahrvergnügen soll größer sein und der Motor länger halten. Der Aufpreis mache sich langfristig bezahlt.

Der ADAC ist da eher skeptisch. Die durch die Zusatzstoffe erhöhte Oktanzahl bringe gar nichts. „In der Realität sind die Motoren unserer Autos höchstens auf 98 Oktan ausgelegt. Das Potenzial von 100-Oktan-Sprit können die meisten also gar nicht ausnutzen“, so der Automobilclub. „Den teuren Sorten sind oft auch Reinigungs- und andere Additive zugesetzt. Doch ob diese sich tatsächlich positiv auswirken, ist extrem schwer nachzuprüfen – die Wirkung fällt in der Realität wohl eher gering aus.“ Der ADAC bilanziert, dass für den Alltagsverkehr das normale Benzin komplett ausreichend ist. Autoliebhaber, die ihrem Fahrzeug ein Leckerli geben wollen, können aber gerne einen Premiumtreibstoff bezahlen.

Was kostet das Benzin derzeit?

Die Qual der Wahl ist bei den Tank-Apps groß. Selbst das spanische Umweltministerium betreibt eine. Diese ist im Internet unter dem Link geoportalgasolineras.es oder als App unter dem Namen „GeoGasolineras“ zu finden. Bei der Internetversion müssen unter „Provincia“ die Balearen ausgewählt werden. Wahlweise kann die Suche mit der Angabe der Gemeinde spezifiziert werden. Für die Preisansicht dann den Benzintyp auswählen. Optional können die Tankstellen auch nach Typ – „Selbsttanken“ oder „Tankwart“ – und Öffnungszeiten gefiltert werden. Eine Karte zeigt dann die Tankstellen samt Preisen an. Teuer (rot) und günstig (grün) ist dabei schon farblich markiert. Mit einem Klick auf das Kästchen „EESS más económicas“ werden nur die günstigen Tankstellen angezeigt.

Beim MZ-Test am Freitagnachmittag (14.2.) war die günstigste Tankstelle der Insel die Plenoil-Filiale in Inca mit 1,44 Euro der Liter Superbenzin (95). Anmerkung: Ein Leser wies uns darauf hin, dass sich die Tankstelle noch im Bau befindet und fälschlicherweise bei den Tank-Apps geführt wird. Die anderen Low-Cost-Anbieter waren ein bis zwei Cent teurer beim Test.

Spitzenreiter waren die verschiedenen Cepsa-Tankstellen sowie eine von BP, die 1,74 Euro pro Liter aufriefen. Das ist ein Unterschied von 30 Cent. Bei einer Tankgröße eines Kleinwagens von 50 Liter sind das schon 15 Euro pro Tankfüllung.

Nur wenig kleiner ist die Preisspanne beim Diesel. Lohnenswert ist wieder der Besuch bei Plenoil (1,39 Euro in Sa Pobla), teuer erneut Cepsa (1,66 Euro in Palma).

In Deutschland (Vergleichsort Berlin) lagen die Preise zum gleichen Zeitpunkt bei etwa 1,77 Euro pro Liter Super und 1,65 Euro pro Liter Diesel.

Laut dem RACC, dem katalanischen Pendant zum ADAC, ist der Montag der günstigste Tag zum Tanken. Bis zum Wochenende steigen die Preise Schritt für Schritt. Der teuerste Tag ist der Samstag. Da der Benzinpreis auch durch Angebot und Nachfrage diktiert wird, sollten Stoßzeiten umgangen werden. Man sollte also vor den Feiertagen und Ferien nicht erst in letzter Minute tanken, sondern schon einige Tage zuvor. Die Grundregel, Tankstellen an Autobahnen zu meiden, fällt auf der Insel weniger ins Gewicht. Diese Tankstellen zählen zwar zu den teuersten, die Preise unterscheiden sich aber kaum von denen, die die großen Ketten in der Stadt aufrufen.

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