Testfahrt auf dem neuen Paseo Marítimo in Palma: Was neu ist und was noch fehlt
Noch ist Palmas Großbaustelle nicht vollständig fertiggestellt. Den Radweg und die Promenade kann man seit Gründonnerstag (17.4.) zwar schon nutzen. Eine entspannte Fahrt am Meer entlang sieht aber anders aus

Noch ist am Paseo Marítimo nicht überall klar gekennzeichnet, wer denn nun Vorrang hat. | FOTO: B. RAMON
An vielen Stellen von Palmas nagelneuem Radweg und der vergrünten Promenade des Paseo Marítimo herrscht am Dienstag (22.4.) noch Konfusion: Haben an den Überwegen die Radler Vorfahrt und müssen die Fußgänger stehen bleiben? Nicht alle Radfahrer-Ampeln funktionieren schon und nicht an jedem Überweg hängt ein Zebrastreifen-Schild, geschweige denn ist der paso de zebra auf den Boden aufgemalt. Darüber hinaus muss man jederzeit mit Autos oder Baustellenfahrzeugen rechnen, die den Weg von Zufahrtsstraßen aus kreuzen. Die Test-Radtour der MZ auf der 3,5 Kilometer langen Strecke ist ein wilder Ritt, der Aufmerksamkeit erfordert.
Meerseite ist nun auch geöffnet
Am Gründonnerstag (17.4.), pünktlich zum großen Urlauberansturm zu Ostern, hat die Hafenbehörde endlich auch die Meerseite des neuen Prachtboulevards eröffnet. Seit Ende 2022 wurde an der viel befahrenen Durchfahrtsstraße gewerkelt. Eine Fahrspur fiel weg, und nun gibt es mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer. Doch fertig ist der neue Paseo Marítimo noch lange nicht.

Auch die Meerseite des neuen Paseo Marítimo in Palma ist nun geöffnet. / B. RAMON
Hier hakt es noch
Auf dem Radweg etwa fehlen teilweise noch die weißen Mittelstreifen. An vielen Abschnitten sind Poller aufgestellt, da Bauarbeiter an den Rohren oder am Weg werkeln. Auch dem ein oder anderen Bagger muss man ausweichen, der ordentlich Staub aufwirbelt und Radfahrern die Sicht vernebelt. Am besten drosselt man das Tempo, denn der nächste Abschnitt, auf dem Passanten den Radweg nutzen müssen, ist bestimmt nicht weit. Am Ende, kurz vor Porto Pi, endet der Radweg dann abrupt und Radlern bleibt nichts anderes übrig, als auf dem Gehsteig weiterzufahren. Auch Fußgänger stehen dann und wann plötzlich vor Bauzäunen. Wie lange es wohl noch dauern wird, bis Kinder auf den Holzpferden des eingezäunten Spielplatzes reiten können? Immerhin: Das neue Blindenleitsystem ist gut gekennzeichnet.

Der Spielplatz ist neu. / B. Ramon
Was alles verbessert und verändert wurde
Wirklich Ruhe, um sich anzuschauen, was sich hier in den vergangenen Monaten getan hat, hat man auf dem neuen Prachtboulevard derzeit kaum. Deshalb hier eine Orientierung:
- Neu ist, dass der Fahrradweg, der einst vor dem Club de Mar geendet hat, nun bis nach Porto Pi weiterführt und zudem verbreitert wurde. „Auf dem letzten Stück müssen noch die Eigentumsverhältnisse einiger Grundstücksteile geklärt werden. Wir dachten, sie gehören der Stadt, es hat sich aber herausgestellt, dass sie privat sind“, heißt es vonseiten der Hafenbehörde. In Richtung Zentrum wurde der Radweg bis auf Höhe des Abschnitts, an dem der Sturzbach Sa Riera ins Meer mündet, erneuert, verbreitert und mit dem bereits vorhandenen Weg verbunden.
- Nicht nur auf der Meer-, sondern auch auf der Landseite wurden die Gehwege verbreitert. Bis zu zehn Meter Platz haben Fußgänger nun in der Breite. Verwendet wurden dabei Pflastersteine in drei Farben. „Ihre Zusammensetzung soll Fischernetze repräsentieren“, sagt man der MZ in der Hafenbehörde.
- Auch die Kanalisation, das Abwassersystem oder die Glasfasertechnik, die Bewohner und Urlauber nicht auf den ersten Blick sehen, wurden erneuert.
- Zudem wurden rund 1.000 Parkplätze entfernt. So sollen Bewohner und Urlauber dazu angeregt werden, auf nachhaltigere Verkehrsmittel umzusteigen, etwa den geplanten Wasserbus. „Er ist auch für die Hafenmitarbeiter gedacht“, betont die Hafenbehörde.

Den Radweg kann man zwar schon benutzen, es gibt aber noch einiges zu tun am Paseo Marítimo in Palma. / B. Ramon
- An einigen Stellen der einstigen Parkplätze wurden Bäume gepflanzt. „Es gibt nun um die 3.000 neue Bäume und Pflanzen und damit insgesamt etwa 5.000“, berichtet ein Sprecher der Hafenbehörde. Bewohner würden sich zunächst wohl denken, dass es noch etwas an Grün fehlt. „Wir haben viele junge Pflanzen verwendet. Und es braucht eben einige Zeit, bis sie wachsen.“
- Für Autos stehen nach dem Umbau jeweils nur noch zwei Fahrspuren in Richtung Zentrum und Cala Major zur Verfügung. Nur an manchen Kreuzungen und bei Einmündungen sind drei Fahrspuren erhalten geblieben. Im Rahmen der Umbauarbeiten wurden auch die Zufahrtsstraßen zu den Hafenanlagen verbessert, damit es dort nicht zum Verkehrschaos kommt. Vor allem auf den Spuren in Richtung Zentrum staute sich der Verkehr nach wie vor. „Ich stand über eine Stunde lang im Stau“, berichtete etwa eine MZ-Leserin. Laut der Hafenbehörde wollte man Staus nie verhindern: „Der Paseo Marítimo soll eben gerade keine Autobahn sein. Wir wollen Autofahrer zum Umdenken anregen, auf andere Verkehrsmittel umzusteigen. Es handelt sich um dieselben Staus, die es auch bisher schon gab.“
- Zwei Brücken wurden abgerissen, die am ehemaligen Hotel Mediterráneo und die Paraires-Brücke gegenüber dem Club de Mar.
- Eigentlich unabhängig von der Umgestaltung des Paseo Marítimo laufen die des Club de Mar am Ende des neuen Prachtboulevards. „Es handelt sich um private Umbauarbeiten, die der Club de Mar auf einem öffentlichen Ort der Hafenbehörde macht“, erklärt der Verantwortliche der Autoridad Portuaria. Der Umbau sei aber auf den des Paseo Marítimo abgestimmt, sodass beide Teile ineinander übergehen, ohne dass Passanten etwas davon bemerken. Letztere hätten so künftig einen freieren Zugang zum Club de Mar.

Redaktion DM
Hier ist noch viel zu tun
- Die Plaça Santo Domingo (unterhalb der Mühlen von Es Jonquet) soll bis Juli fertiggestellt sein. Hier wird unter anderem ein zweiter Kinderspielplatz gebaut.
- Etwa zum selben Zeitpunkt sollen auch der Bereich, in dem der Sturzbach Sant Magí ins Meer mündet, und die Mole nahe des Restaurants Can Blanc fertig umgebaut sein.
- Auch auf dem Stück zwischen dem Restaurant und dem Sturzbach Sa Riera gibt es noch zu tun.
Am 31. Juli sollen dann wirklich alle Arbeiten des Umbaus, der rund 50 Millionen Euro gekostet hat, abgeschlossen sein. „Im Oktober wollen wir offiziell die Einweihung feiern“, heißt es aus der Hafenbehörde.
Abonnieren, um zu lesen
- Ich gönn' mir das jetzt': So eine Wuchermiete zahlt Influencerin Anne Wünsche für ihr neues Mallorca-Zuhause
- Wetter auf Mallorca: Und der Regen prasselt immer weiter
- Neue Umweltzone in Sóller: Bei Urlaubern werden die 200 Euro Strafe direkt von der Kreditkarte abgebucht
- Nach Sensationsfund an der Playa de Palma: Jetzt wird das 1.600 Jahre alte römische Schiffswrack geborgen
- Warum der Nahostkrieg Mallorca zum Krisengewinner machen könnte
- „Meine Erben sollen nicht mehr Steuer zahlen als nötig“ – die größten Steuer-Irrtümer im Testament
- 43 Liter Niederschlag und noch kein Ende in Sicht: Sturmtief 'Regina' sorgt für ordentlich Regen
- Gruppenvergewaltigung in Magaluf: Ab Montag stehen sieben Franzosen und ein Schweizer auf Mallorca vor Gericht
