Ohne eigenes Auto auf Mallorca: Diese Carsharing-Optionen gibt es auf der Insel
Die Carsharing-Angebote auf Mallorca wachsen nur langsam, vor allem im Vergleich zu anderen europäischen Städten. Außerhalb von Palma gibt es kaum Möglichkeiten. Der Fokus liegt dabei auf Elektrofahrzeugen

Nachhaltig die Insel stundenweise im E-Auto entdecken – Carsharing macht das auch ohne eigenes Fahrzeug möglich. / Muvon
Die Zahlen sprechen für sich: Es gibt zu viele Autos auf Mallorca. Im Jahr 2023 besaß laut dem balearischen Statistik-Institut Ibestat jeder Mallorquiner mehr als 0,9 Fahrzeuge. Neuere Zahlen gibt es nicht. Statistisch gesehen hat also beinahe jeder Einwohner – Babys mit eingerechnet – ein Fahrzeug. Damit ist die Fahrzeugdichte deutlich höher als im europäischen Durchschnitt (Europa: ca. 570 Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner). In 21 Orten auf Mallorca, wie beispielsweise in Andratx, Campos, Felanitx, Maria de la Salut und Porreres sind sogar mehr Fahrzeuge als Personen gemeldet. Hinzu kommen die Autos, die nicht permanent auf der Insel verbleiben, wie Mietwagen und von Touristen per Fähre eingeführte Autos. Laut der Studie über die Kapazität des Straßennetzes, die der Inselrat von Mallorca im Oktober 2024 publizierte, waren im August 2023 fast eine Million (956.660) Autos auf den Straßen der Insel unterwegs.
Nachhaltige Alternativen nutzen
Die Nutzung von alternativen Transportmitteln ist also auf der Insel unverzichtbar, wenn sie nicht am Verkehrskollaps ersticken soll. Neben den öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Fahrrad sowie E-Scootern könnte Car-Sharing eine Alternative sein. Aber da hapert es auf Mallorca nach wie vor gewaltig. Die wenigen Anbieter, die es gibt, sind sich im Gespräch mit der MZ einig: Es gibt viel mehr Nachfrage, als sie bisher bedienen können. Die Carsharing-Autos, die in Palma zur Verfügung stehen, haben alle das Manko, dass sie an eine Elektro-Ladestation gebunden sind und am selben Ort abgeholt und zurückgebracht werden müssen. Das sieht die Gesetzeslage in Palma so vor. Damit Car-Sharing wie in vielen anderen europäischen Städten aber zur attraktiven Alternative wird, müssten die Autos frei zugänglich auf der Straße stehen dürfen.

Ein Fahrzeug von Muvon auf seinem Parkplatz in S´Escorxador / Muvon
Das Rathaus in Palma will bisher die Rechtslage für das Abstellen der Carsharing-Fahrzeuge nicht überarbeiten. Der zuständige Pressesprecher des Rathauses, José Lluis Crispín, kann keine zufriedenstellende Erklärung auf die Frage liefern, warum es Car-Sharing-Anbietern in Palma so schwer gemacht wird: „Wir orientieren uns nicht an der Strategie der vorherigen Regierung“, sagt er nur. Die linke Vorgängerregierung hatte die Ausbreitung von Car-Sharing zwar befürwortet, war aber auch nicht nachhaltig tätig geworden. Und das, obwohl es Studien gibt, nach denen ein Auto im Carsharing-Betrieb im Durchschnitt 15 Privatfahrzeuge ersetzen kann. Zu 97 Prozent der Zeit stehen diese nämlich ungenutzt auf dem Parkplatz.

Ein E-Renault der Car-Sharing-Genossenschaft Ecotxe beim Aufladen in der Tiefgarage / Ecotxe
Die MZ stellt die drei derzeit verfügbaren Optionen für Car-Sharing-Anbieter auf der Insel vor
Nach der Freischaltung in der Anbieter-App kann man dort unkompliziert stunden- oder tageweise ein Fahrzeug leihen.
Genossenschaft Ecotxe
Der mallorquinische Anbieter Ecotxe stellt den Mitgliedern seiner Genossenschaft fünf Elektrofahrzeuge der Marke Renault Zoe im Großraum Palma und Esporles zur Verfügung. Um diese nutzen zu können, ist eine Mitgliedschaft mit einer einmaligen Einlage in Höhe von 100 Euro vorausgesetzt, die zurückerstattet wird, wenn man die Genossenschaft wieder verlassen sollte. Jedes Mitglied kann eine zweite Person als Fahrer mit eintragen lassen. Zurzeit hat Ecotxe 281 Mitglieder mit 361 Fahrern. Auf der Website ecotxe.coop kann man sich rechts oben über „Reservar“ und danach „Signup now“ anmelden. Hier gibt man seine persönlichen Daten sowie eine Bankverbindung ein und lädt Fotos von der Vorder- und Rückseite seines Führerscheins hoch. Danach muss man warten, bis die Einlage vom Konto abgebucht wird, was bis zu zehn Tage dauern kann. Die später anfallenden Nutzungsgebühren bucht Ecotxe per Lastschrifteinzug einmal im Monat mit einer Rechnung von dieser hinterlegten Bankverbindung ab.

Mitglieder der Car-Sharing-Genossenschaft Ecotxe vor drei E-Fahrzeugen / Ecotxe
Alexandre Duran, der 47-jährige Präsident von Ecotxe, erklärt der MZ zu den Nutzungsbedingungen: „Es ist nicht notwendig, Resident auf Mallorca zu sein. Wir haben Mitglieder in ganz Europa und sogar den USA. Solange ein Lastschriftverfahren möglich ist, gibt es kein Problem bei der Anmeldung.“ Ecotxe besteht seit 2016 und möchte weiterwachsen. „Wir stoßen dabei aber vor allem auf das Problem, geeignete Parkplätze zu finden“, erklärt Duran. Die Tarife beginnen ab 4,95 Euro pro Stunde zuzüglich 24 Cent Euro pro gefahrenem Kilometer.
Muvon Carsharing
Muvon bietet seinen Nutzern momentan sieben Elektroautos mit einer Mindestreichweite von 300 Kilometern im Stadtgebiet Palma zur Miete an. Unter anderem kann man das Modell Born der spanischen Marke Cupra, die zu Volkswagen gehört, oder einen elektrischen BMW fahren. Laut CEO Toni Toledo (48) begann das 2019 auf Mallorca gegründete Carsharing-Unternehmen mit einem Fahrzeug und möchte seinen Fahrzeugpark demnächst auf 20 erweitern. Hierfür will er ein Abo-System auflegen. „Bisher hatten wir mehr als 4.000 Nutzer, etwa 700 Personen verwenden unseren Dienst regelmäßig“, sagt Toledo der MZ. Die Nutzung der App ist unkompliziert. Nachdem man sich mit seinen persönlichen Daten, Kreditkarte und Führerschein sowie Personalausweis registriert hat, kann man ein Fahrzeug an fünf Standorten in Palma reservieren. Die Preise bei Muvon starten ab 7 Euro pro Stunde. Die gefahrenen Kilometer, Versicherung und Ladung sind inklusive.

Nachhaltig mit einem elektrischen Fahrzeug durch Palma cruisen. / Muvon
Wattzer
Der Anbieter Wattzer bietet neben E-Scootern und E-Fahrrädern auch E-Autos zum unkomplizierten Verleih per App an. Die Flotte umfasst laut dem Geschäftsführer Francisco Vidal (28) momentan 20 E-Autos der Marken Kia, Fiat und Mercedes. Die Fahrzeuge stehen inselweit auf Hotelparkplätzen verteilt, beispielsweise in Torrenova, an der Playa de Palma, in Port de Sóller oder in Playa de Muro. Über die App registriert man sich unproblematisch für E-Autos, E-Bikes und E-Roller mit den persönlichen Daten sowie einer Kreditkarte. Will man ein Auto reservieren, muss man auch seinen Führerschein hochladen. Der telefonische Kontakt zu den Telefonnummern der Webseite wird nur mit einer automatischen Stimme vom Band beantwortet, jegliche Kommunikation soll laut Vidal möglichst via Chat in der App erfolgen. Die Preise betragen 8,50 Euro pro Stunde plus 8 Cent pro gefahrenen Kilometer.
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