Ladesäulensuche statt Strand: Wie ein E-Auto einen Mallorca-Urlaub auf den Kopf stellte
Bea (71) und ihr Mann bekamen statt des gebuchten Diesels ein E-Auto – sieben Apps, kaputte Säulen und Wartezeiten bestimmten ihren Mallorca-Urlaub

Bea Spreng beim Versuch, das gemietete E-Auto zu laden. / Privat
Vor ihrer Mallorca-Reise im Oktober planten Bea Spreng und ihr Wolfhard Schulze nicht, viel Zeit an Tankstellen und auf Supermarktparkplätzen zu verbringen – doch es kam etwas anders als erwartet. Als das Paar, das ein- bis zweimal im Jahr nach Mallorca fliegt, am Schalter der Mietwagenfirma am Flughafen von Palma stand, bekam es statt des gebuchten Verbrenners ein E-Auto. Eine neue Erfahrung für beide, die diesen Urlaub ganz besonders machte.
Diese Geschichte fängt an wie viele Mallorca-Reisen: am Flughafen Son Sant Joan, zwischen vielen ungeduldigen Urlaubern, die auf ihr Mietauto warten. „Ich bin behindert, hatte einen Schlaganfall und bin halbseitig gelähmt“, sagt Bea Spreng am Telefon. „Ich wollte keine weiteren Hürden.“ Das Paar aus der Nähe von Berlin hatte über ein Reisebüro einen Dieselwagen gebucht. Als die Europcar-Mitarbeiterin ihnen mitteilte, sie hätten ein E-Auto gemietet, war Spreng verwundert: „Wir wissen bis heute nicht, warum wir ein E-Auto bekommen haben“, sagt die 71-Jährige.
Bevor es in Richtung Hotel in Porto Cristo an der Südostküste ging, bekamen sie noch eine Broschüre mit einem QR-Code in die Hand gedrückt, die zumindest für den Norden der Insel einige Ladesäulen aufführte.
Die beiden fuhren zehn Ladestationen vergeblich an - erst bei Nummer elf klappte es. „Den Tankwart haben wir fast umarmt“, sagt die 71-Jährige.
Sieben verschiedene Apps benötigt
Damit kamen die Sprengs jedoch nicht weit. Sie suchten anschließend im Netz nach weiteren Ladesäulen. Es begann damit, dass sie mehrere Apps auf das Handy herunterluden. "Es waren insgesamt sieben - es sind ja viele Anbieter, die jeweils ihre eigenen Netze haben“, erzählt die ehemalige Pfarrerin. „Hinzu kam, dass viele Säulen nicht funktionierten oder wir nicht wussten, wie sie zu bedienen sind.“
Die Technik, um die Säule freizuschalten, bereitete Probleme: „Da war dann ein QR-Code, den musste man sich erst erneut besorgen, und dann ging das Drama von vorne los.“ Auch bei der Kreditkartenzahlung hakte es häufig: Oft akzeptierten die Säulen weder Visa- noch EC-Karten. Also fuhr das Paar statt zu Ausflugszielen von Ladesäule zu Ladesäule – unter anderem in Portocolom, Palma und bis nach Cala Ratjada.
Routenplanung war von den Ladesäulen bestimmt
Vom Süden und Südosten der Insel konnten sie sich ein gutes Bild machen, auch wenn die Routenplanung von den Ladesäulen bestimmt war. An den Stränden, etwa an der Cala Murada, waren sie kaum; stattdessen standen sie häufig an einsamen Tankstellen und auf Lidl-Parkplätzen. Manchmal waren die Säulen kaputt, manchmal außer Betrieb, und in einigen Fällen funktionierten sie zwar, aber das Aufladen klappte trotzdem nicht.
„Wir sind im Frühjahr wieder hier“, sagt die pensionierte Pfarrerin. „Dann nehmen wir aber lieber einen Diesel.“
Mitunter fanden sie Hilfe: Eine junge Tankwartin ist Spreng besonders im Gedächtnis geblieben. Sie telefonierte über eine halbe Stunde mit einer spanischsprachigen Hotline, weil das Aufladen nicht funktionierte. Letztlich aber hatte auch sie keinen Erfolg.
Die beiden fuhren zehn Ladestationen vergeblich an - erst bei Nummer elf klappte es. „Den Tankwart haben wir fast umarmt“, sagt die 71-Jährige. Nebeneffekt: Sie mussten rund eine Stunde an der Tankstelle warten, um etwa 20 Prozent nachzuladen.
Vor der Rückgabe bei Freunden nachtanken
Der Tag der Rückkehr näherte sich, und mit ihm die Sorge, wie sie das E-Auto vor der Abgabe wieder auf 80 Prozent bringen sollten. In der letzten Nacht vor dem Rückflug luden sie das E-Auto bei Freunden auf – eine effektive, aber sehr langsame Lösung. „An einer Haushaltssteckdose dauert der Ladevorgang mindestens zwölf Stunden“, sagt Spreng. Sie übernachteten dort, das E-Auto lud sich auf. Mit den nötigen 80 Prozent im Akku ging es am nächsten Morgen zum Flughafen und dann Richtung Berlin.
Nach dieser Erfahrung hasst Spreng E-Autos keineswegs. Sie hält es langfristig für richtig, die E-Mobilität zu fördern. Auf Mallorca brauche es jedoch dringend mehr Standardisierung: Einheitliche Netze, einfachere Bezahlung und Support-Hotlines in mehreren Sprechen gehörten dazu.
Die Bilanz dieses ungewöhnlichen Urlaubs fällt für Bea Spreng dennoch positiv aus. Zwischen der Ladesäulen-Tour blieb genug Zeit, Sonne zu tanken und an Strandpromenaden spazieren zu gehen. „Wir sind im Frühjahr wieder hier“, sagt die pensionierte Pfarrerin. „Dann nehmen wir aber lieber einen Diesel.“ fügt die 71-Jährige lachend hinzu.
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