Überfahrene Wildtiere auf Mallorca: Wie man das Massaker auf dem Asphalt verhindern könnte
Tausende Wildtiere sterben jährlich auf Mallorcas Straßen. Forscher wollen gegensteuern – mithilfe der Bevölkerung

Marder gehören zu den am häufigsten überfahrenen Tieren auf Mallorca / Samuel Pinya / CMB-Biodibal
Mallorcas hohes Verkehrsaufkommen macht nicht nur den Menschen zu schaffen, sondern auch der Tierwelt. Im vergangenen Jahr wurden auf den Balearen 2.051 überfahrene Wildtiere dokumentiert, 1.595 davon auf Mallorca. Das geht aus der Jahresbilanz 2025 hervor, die die Plattform für Biodiversität (CMB-Biodibal) der Balearen-Uni koordiniert. Als Basis für die Erstellung der Statistik dienen Meldungen aufmerksamer Autofahrer, die Bescheid geben, wenn sie ein überfahrenes Wildtier entdeckt haben.
Auch bedrohte Arten
„Die Erhebung macht deutlich, wie stark der Straßenverkehr in das ökologische Gleichgewicht der Inseln eingreift“, sagt Samuel Pinya Fernández. Der Biologie-Professor ist einer der Verantwortlichen des Projekts und wertet die jährlichen Daten systematisch aus. Besonders häufig betroffen seien Igel, Kaninchen, Baummarder (Martes martes), Ringeltauben und Hasen.
Viele dieser Tiere seien vor allem nachts oder in der Dämmerung aktiv und hielten sich häufig in landwirtschaftlichen oder ortsnahen Gebieten auf. „Leider erhalten wir auch immer wieder Meldung darüber, dass vom Aussterben bedrohte Tierarten auf den Straßen verunglücken“, so Pinya weiter. Schildkröten beispielsweise, die unter Schutz stehen.
Anzahl verringern
Auffällig auch: Auf einigen Inselstraßen kommt es besonders häufig zu Unfällen, bei denen Wildtiere sterben. Allen voran: die Ma-15 (Palma–Manacor), die Ma-13 (Palma–Sa Pobla), die Landstraße von Sineu (Ma-301 1), die Andratx-Autobahn (Ma-1) und die Flughafenautobahn von Palma nach Campos (Ma-19). „Hier ist es besonders wichtig, dass gezielte Maßnahmen ergriffen werden“, so Pinya.
Seit Beginn der Datenerfassung am 1. Januar 2004 habe das OAFIB mehr als 5.800 Beobachtungen zu 122 verschiedenen Spezies gesammelt – kein lückenloses, aber doch ein aussagekräftiges Bild, das klare Tendenzen aufzeigt, findet Pinya. Und eine ausreichende Grundlage, um jetzt nach orts- und artenspezifischen Lösungen zu suchen.
„Ganz verhindern kann man solche Unfälle natürlich nicht“, räumt der Biologe ein. Es sei aber durchaus möglich, zumindest die Anzahl der Opfer zu verringern. In den kommenden Monaten wollen die Projektmitarbeiter an der Uni daher detaillierte Vorschläge erarbeiten, die teils einen allgemeinen, teils einen konkreten Schutz für einzelne Arten ermöglichen könnten. „Wir werden uns mit den Inselräten zusammensetzen, die für die Verwaltung der Straßen zuständig sind“, sagt Pinya. Manchmal könnten schon simple Verkehrsschilder, die auf Wildtiere hinweisen, dazu führen, dass die Autofahrer achtsamer fahren. „An bestimmten Stellen wäre sicherlich auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung hilfreich, beispielsweise von 80 auf 60 Kilometer pro Stunde“, sagt der Biologe.
Konkrete Lösungen
In anderen Fällen könnte es schon einen großen Unterschied machen, die Umgebung der Straße ein wenig anzupassen. „Marder beispielsweise erkennen im Erwachsenenalter die Gefahr der Straße und überqueren sie schnell – aber nur, wenn sie nicht direkt an den Wald angrenzt und noch ein Streifen dazwischenliegt.“ Auch gezielte Einsätze von Freiwilligen, die helfen, Jungtiere gefahrlos von einer auf die andere Seite zu bringen, könnten an bestimmten Orten und zu bestimmten Jahrezeiten zielführend sein.
„Ganz wichtig ist aber auch weiterhin die Mitwirkung der Bevölkerung bei der Erfassung der Daten“, betont Samuel Pinya. Denn selbstverständlich werde man auch weiter die Statistiken ergänzen. „Jede Benachrichtigung von aufmerksamen Autofahrern ist uns willkommen“, so der Projektverantwortliche. Wer ein überfahrenes Tier auf der Straße sieht, kann ein Foto, den Standort und den Zeitpunkt an das Forscherteam schicken. Die Experten versuchen dann, die Spezies zu identifizieren. „Je mehr Menschen mitmachen, desto besser, so können wir uns besser ein Bild von dem Geschehen machen.“
So können Sie helfen
Meldungen zu überfahrenen Tieren können per WhatsApp (0034-682 49 99 63), per E-Mail (info.biodibal@fueib.org) oder über die App "Biodibal" eingeschickt werden.
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