Panikmache oder berechtigte Sorge - wie sicher sind Mallorcas Züge?
Drei Zugunglücke in fünf Tagen haben in Spanien für einen Aufschrei nach mehr Sicherheit im Schienenverkehr gesorgt. Auch auf Mallorca erwägen die Eisenbahner zu streiken – warum?

Im Jahr 2004 wurden auf Mallorca mehrere Personen verletzt, als ein Zug bei Petra entgleiste. / Montse Diez
Erst das folgenschwere Zugunglück in Adamuz (Andalusien), dann ein weiteres in Barcelona und ein drittes in Murcia – die Serie an Bahnunglücken im Januar hat in ganz Spanien zu einer Protestwelle gegen Mängel im Schienennetz geführt. Auch auf Mallorca nutzen die Mitarbeiter der öffentlichen Bahngesellschaft SFM die angeheizte Stimmung – und drohen, sich einem landesweiten Teilstreik anzuschließen.
Streik oder nicht Streik?
Erst einmal ist diese Arbeitsniederlegung allerdings aufgeschoben. Nach einer Sitzung mit der mallorquinischen Bahngesellschaft Serveis Ferroviaris de Mallorca (SFM) kündigte der Betriebsrat am Mittwoch (28.1.) an, erst nach einer weiteren, für Freitag angesetzten Gesprächsrunde über einen Streik zu entscheiden. Man würdige damit auch die Dialogbereitschaft seitens der Bahngesellschaft.
Hintergrund sind Zweifel an der Sicherheit des Bahnverkehrs auch auf Mallorca. Die Situation sei „untragbar“, hatte es in einer Pressemitteilung des Betriebsrats von Montag noch geheißen. „Der Mangel an Investitionen, Personal und echten Maßnahmen im Bereich Sicherheit gefährdet sowohl diejenigen von uns, die täglich bei der Bahn arbeiten, als auch die Nutzerinnen und Nutzer.“ Angesichts der „Untätigkeit des Unternehmens“ sehe sich die Belegschaft gezwungen, sich zu mobilisieren, „um einen sicheren und würdigen öffentlichen Bahnverkehr zu garantieren“.
"Reale Probleme"
Anstatt sich an einen Tisch zu setzen, um über die angeprangerten Probleme zu sprechen, habe die Firma die Belegschaft zunächst diskreditiert. „Wir wurden als Demagogen bezeichnet“, beschwerte sich der Betriebsrat. Dabei seien die Probleme sehr real. Die Kritik richtete sich dabei auch an den balearischen Verkehrsminister José Luis Mateo.
Man sei sich der Unannehmlichkeiten bewusst, die Teilstreiks bei den Fahrgästen verursachen können, erklärten die Arbeitnehmervertreter und baten die Reisenden daher schon vorsorglich um Entschuldigung. „Wir müssen streiken, da dieses Thema zwei Jahre lang ignoriert wurde. Und nun haben wir leider gesehen, dass die Folgen fatal sind, wenn Prävention keine Priorität hat.“
Zugunglücke auf Mallorca
Tatsächlich ist der Unmut unter Mallorcas Eisenbahnern nicht neu. Immer wieder beklagten sie in den vergangenen Jahren flächendeckenden Personalmangel und teilweise veraltete Technik. Der letzte schwere Unfall liegt zwar schon 15 Jahre zurück – im Mai 2010 war auf Höhe Sineu ein Zug entgleist, 30 Menschen wurden verletzt, der Zugführer starb 2023 an den Folgen –, die Liste anderer Vorfälle aber ist lang. Zuletzt entgleiste im Juli vergangenen Jahres bei Marratxí ein Zug.
Das balearische Verkehrsministerium wies die Anschuldigungen zurück. Zwar respektiere man „jede Entscheidung“, die in einer Beschäftigtenversammlung getroffen werde. Man hätte sich jedoch mehr Dialog gewünscht. „Wir sind von Anfang an offen für jede Verhandlung“, betonte Verkehrsminister Mateo – und beharrte auf dem Standpunkt der Landesregierung. „Das Eisenbahnnetz Mallorcas ist sicher, die Bürger können beruhigt sein.
Der Geschäftsführer der Serveis Ferroviaris de Mallorca (SFM), José Ramon Orta, stärkte dem Verkehrsminister den Rücken. Das öffentliche Unternehmen tätige „große Investitionen in die Sicherheit“. „Wir haben zuverlässige Züge und gut vorbereitetes Personal.“ Zwar sei kein Zug jemals „frei von einem Nullrisiko“. Die finanzielle Aufstockung für das Eisenbahnnetz Mallorcas sei im Bereich Sicherheit jedoch „historisch“, so Orta weiter. „Wir haben die Investitionen in die Instandhaltung der Strecke und des rollenden Materials verdoppelt; wir haben die Investitionen erhöht, um Oberleitungen und Signaltechnik zu warten – alles, um eine bessere Sicherheit und einen besseren Betrieb des Eisenbahnverkehrs zu gewährleisten.“
"Brauchen menschlichen Kontakt"
Derweil schlägt sich der Verband der Bahnfahrer auf die Seite der Angestellten. Im Gespräch mit der MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca“ brachte ihr Sprecher Guillem Ramis sein Verständnis für den geplanten Streik zum Ausdruck: Vor allem der Personalmangel sei enorm und wirke sich auch negativ auf den Komfort der Reisenden aus. So sei die Anzahl der Zugbegleiter längst nicht ausreichend. Gerade in Gefahrensituationen könne dies heikel werden.
Weitere Kritikpunkte der Nutzer sind die häufigen Verspätungen der Züge auf Mallorca sowie die Tatsache, dass an vielen Bahnhöfen Tickets nur noch an Automaten gekauft werden können. „Bahnkunden sind kein Stückgut, und die Technologie reicht uns nicht. Manchmal brauchen wir menschlichen Kontakt. Vor allem, wenn es Störungen gibt.“
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