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17 Bußgeldbescheide wegen Einfahrt in Umweltzone auf Mallorca: Deutscher Zweithausbesitzer mit "Kennzeichen D" soll 3.400 Euro blechen

Der Deutsche ist nicht der einzige MZ-Leser, bei dem bisher Knöllchen ins Haus geflattert sind. Bisher lagen die Bußgelder aber immer im zweistelligen Bereich

Bisher sind 17 Bußgeldbescheide bei MZ-Leser Jan H. eingegangen. Er fürchtet, dass es nicht die Letzten bleiben werden.

Bisher sind 17 Bußgeldbescheide bei MZ-Leser Jan H. eingegangen. Er fürchtet, dass es nicht die Letzten bleiben werden. / Privat

Simone Werner

Simone Werner

Der deutsche Mallorca-Zweithaus-Besitzer Jan H. hat nicht schlecht gestaunt, als er am Donnerstag (26.2.) von seiner Haushälterin 17 Bußgeldbescheide von jeweils 200 Euro (wenn er zeitnah zahlt, 100 Euro) vom Rathaus von Palma in den Händen gedrückt bekam. Laut diesen ist er zwischen dem 5. Oktober und 29. November 2025 17 Mal in die Umweltzone (ZBE) in Palmas Zentrum gefahren, obwohl er das nicht hätte tun dürfen.

"Ich war vergangenes Jahr länger auf Mallorca und habe nicht gewusst, dass ich als Ausländer auch die spanische Umweltplakette benötige", sagt Jan H. der MZ. Er hat in Port d'Andratx seit 2022 ein Haus. Gegenüber vom Zara Home im Carrer Constitució in Palma, also mitten in der Umweltzone, betreibt der Deutsche ein Franchise-Geschäft der Bekleidungsmarke Gant. Bevor der Laden im Dezember 2025 eröffnete, gab es noch einiges zu tun. So musste er den Laden umbauen.

Kommen künftig noch mehr Knöllchen?

"Als wir vergangenes Jahr im Herbst mit dem Umbau angefangen haben, bin ich fast jeden Tag mit meinem Auto in die Umweltzone gefahren", sagt der Ladenbetreiber zur MZ. Das Einfahren in die Anwohnerzone Acire vermied er dabei bewusst und parkte in Nebenstraßen. Für die wenigen Male, die er dort einfahren musste, öffnete man ihm nach Durchgabe des Kennzeichens auf Anfrage vor Ort die Zufahrt. Die Strafzettel, die nun bei ihm eingegangen sind, hätten mit der Acire-Zone nichts zu tun, versichert er.

Dass das Zentrum von Palma mittlerweile eine Umweltzone ist, wusste der Norddeutsche. "Ich hätte gedacht, dass die Behörden Fahrzeuge mit deutschen Kennzeichen gesondert behandeln. Man kann für sie keine spanische Umweltplakette bekommen", so der 36-Jährige, der laut eigener Aussage eine Mercedes-G-Klasse fährt. In Deutschland bekommt er für das Fahrzeug die Euro-6-Plakette. "Es ist ein nagelneues Auto, Baujahr 2024." Auf Mallorca bringt ihm das, da das Auto keine spanische Plakette hat, wenig.

Das ist der Stand bei der Akzeptanz deutscher Umweltplaketten

Wie die MZ bereits mehrmals berichtet hat, erlaubt die Stadt Palma Urlaubern oder Zweithausbesitzern mit "Kennzeichen D" nicht, ins Zentrum von Palma zu fahren. Damit setzt sich die Stadtverwaltung eigenmächtig über die Vorschriften der spanischen Verkehrsbehörde DGT hinweg. Dort heißt es: "In Spanien ist es für Fahrzeughalter mit ausländischem Nummernschild nicht möglich, eine spanische Umweltplakette zu beantragen. Das ist aber auch nicht nötig. Wenn das Auto eine Umweltplakette hat, erkennen wir diese als die entsprechende spanische Variante an."

So wird die Umweltzone am Straßenrand angezeigt.

So wird die Umweltzone am Straßenrand angezeigt. / Foto: Zbe.Barcelona

Pech für Jan H.: Seine deutsche Umweltplakette wird hierzulande vom Rathaus nicht anerkannt. Es gibt allerdings Ausnahmen, von denen zumindest rückwirkend womöglich auch der MZ-Leser profitieren könnte, wenn er so auch den Rabatt fürs Früh-Zahlen verliert. Wer eine Immobilie, einen Parkplatz oder ein Geschäft vor Ort hat, kann sich unter diesem Link einen Termin geben lassen. Die Beamten setzen einen dann auf eine Liste mit Ausnahmen.

Eine Anfrage der MZ an die spanische Verkehrsbehörde, wie es sein kann, dass das Rathaus die Regelung der DGT übergeht, blieb bisher unbeantwortet.

Hinweisschilder auf die Einfahrt in die Umweltzone im Zentrum von Palma

Hinweisschilder auf die Einfahrt in die Umweltzone im Zentrum von Palma / Manu Mielniezuk

Grauzone "Kennzeichen D"?

"Ich dachte, dass ich mich mit meinem deutschen Kennzeichen in einer Art Grauzone befinde. In die Liste aufnehmen lassen habe ich mich nicht. Hätte ich das gewusst, wäre ich per Taxi von Andratx aus zu meinem Geschäft gefahren. Das wäre am Ende billiger gewesen", so der MZ-Leser.

"Es war auch etwas schusselig von mir. Ich weiß, dass es auf Mallorca nicht gerne gesehen ist, wenn man länger mit deutschem Kennzeichen herumfährt", gibt er zu. Er werde sein Auto bald ummelden.

Er werde die Bußgelder bald begleichen, dann seien es immerhin "nur" 1.700 Euro. "Es ist nur nervig, dass ich es nicht als Sammelüberweisung machen kann, sondern jeden Strafzettel einzeln bezahlen muss", so Jan H., der am Wochenende erst einmal einige Zeit damit beschäftigt sein wird.

Der Fall des MZ-Lesers ist längst nicht der einzige. Auch ein Tesla-Fahrer und viele andere deutsche Mallorca-Urlauber oder -Zeithausbesitzer wurden von der Stadtverwaltung schon zur Kasse geben. Die MZ-Leser sehen bei dem Thema ganz klar eine Diskriminierung. "Ich habe einen Zweitwohnsitz auf Mallorca und besuche regelmäßig meine Freundin, die im Zentrum wohnt. Ich fahre einen Tesla - komplett elektrisch", schrieb etwa Sebastian D. der MZ.

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