Mallorca verschärft Druck auf Autos mit "Kennzeichen D" - aber Chaos bei der Ummeldung
Wer das deutsche gegen ein spanisches Nummernschild tauschen möchte, muss mit sehr langen Wartezeiten rechnen. Auf eine Übergangslösung zurückzugreifen, ist aber keine gute Idee

Das deutsche Kennzeichen muss spätestens nach sechs Monaten getauscht werden. / Bendgens
„Kennzeichen D“ ist und bleibt auf Mallorca weiter ein Triggerwort. Das Rathaus Palma verbietet den Fahrern mit ausländischen Nummernschildern (MZ berichtete) die Einfahrt in die Umweltzone und somit ins Zentrum. Inselrat und Balearen-Regierung erwägen, die Anzahl an Autos auf der Insel zu reduzieren. Im Raum steht hier ein Zweitauto-Verbot für Zweithaus-Besitzer. Und selbst wer sein deutsches Kennzeichen gegen ein spanisches eintauschen will, bekommt felsbrockengroße Steine vor die Füße geworfen. „Es ist ein absolutes Chaos – eine regelrechte Lotterie“, beschreibt Eva Sevenster vom Serviceanbieter Anke Sevenster den Prozess, ein Auto umzumelden. „Im Extremfall dauert es 14 Monate, um einen Termin zu bekommen.“
Das Problem entstand vor gut einem Jahr. Der Inselrat übernahm die Autoummeldung selbst. Zuvor war sie an einen externen Dienstleister ausgegliedert. „Die zuständigen Kontrolleure sind völlig überlastet. Das Team wurde halbiert. Früher arbeiteten sie bis 18 Uhr, mittlerweile ist 14 Uhr Feierabend“, sagt Sevenster. Sie hat Verständnis für die Lage der überarbeiteten und gestressten Beamten. „Durch ein neues Computersystem müssen die Daten der Fahrzeughalter in verschiedenen Programmen eingepflegt werden.“ Was früher schnell erledigt war, ist nun ein Vorgang von rund 30 Minuten.
Auch Marquerite de Borst von Mallorca Easy Life wickelt für Kunden die Ummeldung ab. „Wir reden hier nicht von den normalen ITV-Citas“, hebt die Niederländerin mit Verweis auf den Pendant zum deutschen TÜV hervor. „Für die gibt es binnen weniger Tage Termine.“ Für die Ummeldung eines ausländischen Fahrzeugs auf ein spanisches Nummernschild muss eine Anfrage beim Inselrat gestellt werden. Theoretisch könne das eine Privatperson selbst machen und die Behörde müsse die Fahrzeughalter empfangen. Praktisch sei es ohne eine sogenannte gestoría aber fast unmöglich, da sind sich die Expertinnen einig. „Auf der Website des Inselrats finden sich keine Erklärungen. Alle Vorgänge sind auf Spanisch oder Katalanisch zu bearbeiten“, sagt die Niederländerin.
Lange Wartezeiten und überlastete Behörden
Während es bei den normalen ITV-Terminen einen Kalender gibt, bei dem der Zeitpunkt der Prüfung gewählt werden kann, wird bei der Ummeldung der Termin vom Inselrat festgelegt. „Im Durchschnitt warten unsere Kunden neun Monate. Der extremste Fall war ein Auto, bei dem wir im vergangenen Juli angefragt und den Termin diesen September nach mehrfachen nachhaken bekommen haben“, sagt Sevenster. „Das sind 14 Monate.“
Laut de Borst gibt es kleinere Unterschiede zwischen den einzelnen Prüfstationen. Wie beim normalen ITV-Termin kann der Ort für die Ummeldung frei gewählt werden. „Wenn ich in Palma anfrage, passiert drei Monate erst einmal nichts. Danach kommt eine Antwort und es vergehen weitere drei bis vier Monate, ehe man den Termin bekommt“, sagt sie. In Manacor und Inca würde der Prozess etwa einen Monat schneller gehen.
Die meisten Deutschen würden wegen der Nähe zum Flughafen die ITV-Station Son Oms in Can Pastilla bevorzugen. „Dort stapeln sich die Anträge. Mehr als 400 Leute warten auf einen Termin“, sagt Sevenster. „Wir wollten daher auf die größere Station nach Son Castelló ausweichen.“ Das ging gut, bis die Prüfstelle wegen Renoveriungsarbeiten gänzlich geschlossen wurde. „Das verschlimmerte das Terminproblem ungemein.“
Gesetzliche Fristen und praktische Probleme
Das Gesetz schreibt vor, dass die Autofahrer nach sechs Monaten im fremden Land ihr Fahrzeug ummelden müssen. Für Residenten gibt es eine noch kürzere Frist. „Wenn sie im ersten Monat nach der Anmeldung beim Einwohnermeldeamt sich um das spanische Kennzeichen bemühen, wird die Zulassungssteuer erlassen“, sagt Sevenster. Mit bis zu 16 Prozent des Zeitwerts des Fahrzeugs kann die ins Geld gehen.
Ausländische Autofahrer könnten sich für die Wartezeit ein grünes Nummernschild besorgen, was für eine derartige Übergangsphase gedacht ist. De Borst und Sevenster raten davon aber ab. Einerseits ist die Beantragung auch zeitaufwendig, andererseits gilt es nur 60 Tage. „Nach Ablauf dieser Frist darf das Auto nicht länger auf den öffentlichen Straßen gefahren werden“, sagt Sevenster. „Wir hatten schon Kunden, die den Abschleppwagen rufen mussten, um ein fehlerfreies Auto zur ITV bringen zu können.“ Entsprechend groß waren die Beschwerden. Theoretisch kann das grüne Nummernschild verlängert werden. In der Praxis ist das nicht so einfach.
Das Warten auf den ITV-Termin zum Ummelden ist zwar nervig, die beste Lösung lautet aber: Aussitzen. Die Gestorias geben ihren Kunden Bescheinigungen mit, dass die Ummeldung fristgerecht beantragt wurde. „Ich kenne keinen, der dann einen Strafzettel von der Polizei bekam. Auch wurde nie ein Fahrzeug stillgelegt“, sagt de Borst. In manchen Fällen haben die Zollbehörde die Autofahrer heranzitiert. „Die sind für das Eintreiben von Steuern zuständig. Die Beamten zeigen sich aber sehr verständnisvoll.“
Alternative auf dem Festland ohne schnelle Entspannung
Wem das Warten zulange wird, der kann die Ummeldung auf dem Festland vornehmen. „In Barcelona kommen wir binnen zwei bis vier Wochen an einen Termin“, sagt de Borst. Zu den normalen Kosten in Höhe von 650 Euro bei ihr für den Tausch des deutschen gegen das spanische Nummernschild kommt dann aber noch ein Aufpreis hinzu, der sich nicht pauschal beziffern lasse. „Das hängt von den individuellen Wünschen des Kunden ab.“
Eine kurzfristige Besserung des Terminproblems ist nicht in Sicht. „Die vielen Kontrollen haben die Autofahrer mit Kennzeichen D unsicher gemacht“, sagt de Borst. „Ich kümmer mich derzeit um nichts anderes.“
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