Umweltzone, mehr Guardia Civil, Verkehrsleitung: So will Sóller das Verkehrschaos in den Griff bekommen
Die Gemeinde hat nun eine Umweltzone. Seit Montag setzt es bei Verstößen Knöllchen. Nun stehen weitere Zufahrtsbeschränkungen im Raum, um auch die Staus vor und nach dem Tunnel zu reduzieren

Bekanntes Bild auf der Umgehungsstraße von Sóller: Ein Auto reiht sich an das andere, viele davon sind Mietwagen. / DM
Wie wird Sóller der Blechlawine Herr, die sich seit Jahren regelmäßig im Frühling und im Sommer über das idyllische Orangental und die engen Straßen des Ortszentrums ergießt? Da gibt es inzwischen mehrere Herangehensweisen. Zum einen ist da die Umweltzone, die alle auswärtigen Autos aus dem Ortszentrum verbannt und die seit Montag (13.4.) bei Verstößen auch Strafen nach sich zieht. Zum anderen soll die Zufahrt nach Sóller an besonders stark frequentierten Tagen mithilfe von mehr Polizei und automatischen Anzeigetafeln geregelt werden. Zumindest Letzteres klappt bisher nur bedingt.
Vielleicht auch deswegen ließ sich Tourismus-Gemeinderätin Llum Castanyer gegenüber dem Radiosender Cadena Ser dazu hinreißen, man strebe in Zusammenarbeit mit der Verkehrsbehörde DGT nun auch Zufahrtsbeschränkungen wie in Formentor an. Auf der Halbinsel im Norden Mallorcas wird die Anzahl der Autos in den Sommermonaten streng reguliert.
Beschränkungen wie in Formentor nicht zu machen
Das Rathaus Sóller will das so nicht stehen lassen. Ein Treffen mit der DGT sei derzeit nicht anberaumt, so ein Sprecher. Und der Verkehrsdezernent Carlos Darder sagte der MZ, dass strengere Zufahrtsbeschränkungen wie in Formentor im Sóller-Tal nicht machbar seien. Schließlich sei eine Sackgasse wie die Straße zum Kap nicht mit einer Kleinstadt zu vergleichen, in der mehr als 10.000 Menschen lebten und die Einwohner sowie Auswärtige passieren müssten, um etwa nach Port de Sóller oder nach Fornalutx zu kommen.
Man werde aber bei der DGT darauf drängen, die Verkehrssituation rund um Sóller auf den Anzeigetafeln bereits vor dem Tunnel sichtbar zu machen und die Guardia Civil anzufordern, den Verkehr an vollen Tagen besser zu steuern. Auch kurze Tunnelsperrungen – sogenannte Blockabfertigungen – gehören zu den geplanten Maßnahmen.
Spürbar weniger Verkehr im Zentrum
Nach Ansicht des Rathauses ist die Umweltzone seit ihrem Start im Februar zudem erfolgreich angelaufen. Es sei bereits spürbar weniger Verkehr im Ortszentrum zu verzeichnen, sagt Carlos Darder. In den ersten beiden Monaten stellte das Rathaus noch keine Strafzettel an Autofahrer aus, die sich ohne Berechtigung ins Zentrum wagten. Das hat sich seit Montag aber geändert. Seither werden alle Fahrzeughalter belangt, die nicht in der Gemeinde oder in den umliegenden Orten (etwa Deià, Fornalutx und Escorca) gemeldet sind und damit keine Genehmigung haben, um in die Umweltzone einfahren zu dürfen. Das dürfen dann nur noch etwa 16.000 Fahrzeuge, die eine entsprechende Plakette beantragt haben. Die Zahl könnte, so Schätzungen, noch bis auf 18.000 ansteigen.
Bei Verstößen gegen die neue Regelung werden 200 Euro Strafe fällig – und zwar für jedes Mal, wenn die Kontrollkameras das Kennzeichen bei der Einfahrt erfassen. Wer also auf der Suche nach einem Parkplatz mehrfach in die Zone hineinfährt, kriegt für jede Einfahrt in die Umweltzone ein Knöllchen. Für Urlauber wird es ebenfalls teuer: Auch sie dürfen mit ihren Mietwagen nicht mehr in den Ortskern fahren und dort parken, sondern müssen auf den eigens eingerichteten Parkplätzen außerhalb des Ortskerns einen Platz finden. Bis zu 600 Parkmöglichkeiten stehen hier zur Verfügung. Wie kürzlich bekannt wurde, wird das Knöllchen in diesem Fall an das Mietwagenunternehmen ausgestellt, das die Strafe von der hinterlegten Kreditkarte der Urlauber abbucht.
"Für Bewohner sehr positiv"
Das neue System legt eine klare Zugangshierarchie fest: In Sóller gemeldete Fahrer genießen völlige Bewegungsfreiheit, während Bürger aus Deià, Fornalutx und Escorca einen eingeschränkten Zugang haben. Für alle übrigen Fahrer ist die Einfahrt ins Zentrum verboten, außer in den in einer Verordnung vorgesehenen Fällen, die verschiedene gerechtfertigte Ausnahmen zur Vermeidung von Sanktionen umfassen. Neben den Autos der Einwohner können auch Elektrofahrzeuge und alle Autos mit der Umweltplakette 0 (also null Emissionen) und Motorräder in die Umweltzone einfahren. Selbst Urlauber, deren Ferienwohnung oder Hotel innerhalb der Umweltzone liegt, können bis zu fünf Tage nach der Einfahrt einen Nachweis über die Unterkunft bei der Ortspolizei vorlegen. Dann wird keine Strafe fällig.
Auch der Unternehmer Franz Kraus ist von der Regelung angetan. „Für uns Bewohner ist die Umweltzone sehr positiv“, sagt er. Der Verkehr innerorts sei direkt drastisch zurückgegangen, die Parkplatzsuche sei deutlich einfacher als bisher. „Die Staus nach Sóller gibt es zwar nach wie vor, aber die würde es so oder so geben“, sagt Kraus. Etwas umständlicher sei es lediglich für den Lieferverkehr sowie für Urlauber oder Zweithausbesitzer, die ihren Mietwagen erst einmal anmelden müssten. „Aber man muss die Gesamtgesellschaft im Blick behalten, und für die ist die Umweltzone wirklich eine sehr gute Nachricht“, sagt Kraus.
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