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Ein Jahr Motorworld Mallorca: Viele Besucher, neue Geschäfte und ein Haltestellenproblem

Die Motorworld Mallorca hat ihr einjähriges Bestehen gefeiert. Standortleiter Marco Bartels zieht für die MZ ein erstes Fazit. An Besuchern mangelt es der großen Halle angeblich nicht, an einer Bushaltestelle dafür umso mehr

Motorworld Mallorca feiert ersten Jahrestag

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Happy Birthday! Die Motorworld Mallorca ist am Samstag (11.4.) ein Jahr alt geworden. „Wir haben intern mit unseren Mietern gefeiert“, sagt Marco Bartels der MZ. Der Hamburger ist der Standortleiter der Auto-Erlebniswelt an der Flughafenautobahn und hat auf seinem Handy immer im Blick, was gerade los ist. Ein paar Mal drücken auf den Bildschirm und schon bekommt er angezeigt, wie viele Leute bisher am Tag zu Besuch waren. Beim MZ-Termin am Freitag vor dem Jahrestag um 11.20 Uhr waren bereits 579 Leute da. „Das ist der Vorteil der Motorworld“, sagt der Chef. „Das klingt nach viel, es wirkt aber total leer. Die Menge verläuft sich.“ Im ersten Jahr kamen bis dato 325.075 Besucher. „Mit dem Ergebnis sind wir total happy.“

Schon bei der Eröffnung erzählte der Motorworld-Inhaber Andreas Dünkel, dass bislang nur die Hälfte der verfügbaren Fläche genutzt wird. „Derzeit bauen wir, damit zwei neue Geschäfte entstehen können“, sagt Bartels. „Danach warten wir erst mal ein paar Jahre ab, ehe es in die nächsten Bauphasen geht.“ Die neuen Ladenlokale bieten Leistungssteigerungen für Fahrzeuge sowie Folierungen an. „Das ist wie ein neuer Anstrich, nur deutlich günstiger“, so der Standortleiter.

Viele Besucher kommen in die Motorworld, um die luxuriösen Fahrzeuge zu bestaunen.  | FOTO: NELE BENDGENS

Standortleiter Marco Bartels. / Bendgens

Mallorquinische Mieter fehlen noch

Bei den 17 bisherigen Mietern handelt es sich in erster Linie um Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum. „Der Mallorquiner ist wie der Schwabe ein skeptischer Mensch und kannte das Konzept Motorworld nicht“, erklärt Bartels die Zurückhaltung seitens hiesiger Firmen. Dass es sich um ein Autohaus oder ein Einkaufszentrum handelt, sei ein oft genutztes Vorurteil, das es aus den Köpfen zu löschen gelte. „Wir haben Benzin im Blut und Elektrizität in den Venen – können aber noch viel mehr.“ So soll die Immobilie verstärkt als Veranstaltungsort ins Rampenlicht rücken.

Immer mehr Veranstaltungen

„Von der Fetisch-Party bis hin zur Techno-Disco: Wir können in der Motorworld Veranstaltungen abhalten, die gar nichts mit Autos zu tun haben“, sagt Bartels. Im Sommer legt DJ Robin Schulz auf. „Der spielt sonst auf Festivals vor 60.000 Leuten, bei uns im privaten Rahmen vor 2.300 Zuschauern.“ Viele Hallen oder Plätze für derartige Veranstaltungen hat Mallorca bekanntlich nicht. „Wir dürfen laut sein und haben keine Nachbarn, die wir stören.“ Zudem sei die mit viel Liebe zum Detail dekorierte Immobilie einfach nur ein Hingucker. „Es dürfte kaum vergleichbare Foyers vor einem Konzert geben“, sagt Bartels.

Die Verträge mancher Mieter enden in einem Jahr. „Andere haben gemerkt, dass ihr Konzept nicht aufgeht“, erklärt der Standortleiter vorzeitige Abgänge. Trotz der enorm hohen Nachfrage an den Ladenflächen – bereits vor der Eröffnung war alles ausgebucht – komme es so zu Wechseln. „In den kommenden Jahren werden auch mallorquinische Anbieter hinzukommen und es wird sich durchmischen. Das war in Port Adriano ähnlich“, sagt Bartels, der aus der Gastronomie kommt und früher dort beim Coast by East gearbeitet hat.

Bei den 17 im Jahr von der Motorworld selbst organisierten Veranstaltungen gibt es hingegen keine Probleme mit dem mallorquinischen Publikum. „Da liegen wir bei 70 Prozent“, sagt Bartels. Auch hier ist das Angebot breitgefächert: Nachtmärkte, Grillevents, Autokinos oder einen Drift-Wettbewerb. Letzterer holt die jungen autobegeisterten Mallorquiner ab. Im achtköpfigen Team der Motorworld Mallorca sind zwei Mitarbeiter nur für die Organisation der Events verantwortlich.

Bei den äußerst beliebten Glasboxen ist derzeit keine Erweiterung geplant. 60 Oldtimer können auf den drei Stockwerken geparkt werden. Die Mieter im Erdgeschoss dürfen ihre Boliden zum Verkauf anbieten und zahlen dafür 450 Euro im Monat. Auf den anderen zwei Ebenen darf kein Zu-verkaufen-Schild angebracht werden. Dafür ist die Miete mit 350 Euro günstiger. Wenn ein Platz frei wird, telefoniert Bartels die Warteliste durch.

Glasboxen extrem beliebt

Nicht wenige Promis haben hier ihr Auto abgestellt. „Namen darf ich natürlich nicht nennen“, sagt der Standortleiter. Es sind Musiker, Sportler, Unternehmer – manche von der Insel, andere von außerhalb. Alle verbindet eine Immobilie auf der Insel und die Leidenschaft für die vier Räder. „Die Mieter kommen oft untereinander ins Gespräch. Es entsteht eine Community.“ Schließlich kaufe man einen Oldtimer nicht nur für sich. „Die Liebhaber finden es toll, mit ihren Schätzen gesehen zu werden. Sie suchen Bestätigung.“ Kaum gibt es Bewegung bei den Glasboxen, stürmen meist alle Besucher der Motorworld herbei und zücken die Handys, um das Auto in Action fotografieren zu können.

„Wir sind kein Säugling mehr, sondern im Kleinkindalter“, beschreibt Bartels die Lage der Motorworld nach dem ersten Jahr. Einige Kinderkrankheiten inklusive. Denn bei aller Liebe zu fahrbaren Untersätzen gibt es derzeit noch keine vernünftige Möglichkeit, ohne eigenes Auto anzureisen. „Die Leute müssen beim Einkaufszentrum Fan aus dem Bus aussteigen und 1,2 Kilometer laufen. Dabei wäre es für den Bus kein Problem, einen Schlenker zu fahren und eine weitere Haltestelle einzurichten.“ So schnell wird sich wohl aber nichts ändern. „Die Stadt Palma wird erst aktiv, wenn sich entsprechend viele Passanten beim Rathaus darüber beschweren.“ Wenn es so kommt, schnellt die Zahl der Besucher auf Bartels Handy noch rascher nach oben.

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