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Der Sóller-Tunnel galt einst als einer der gefährlichsten Europas – wie sicher ist er heute?

Der Sóller-Tunnel hatte lange einen schlechten Ruf. Inzwischen wurde nachgerüstet, die Systeme werden regelmäßig geprüft – ein baulicher Nachteil bleibt jedoch.

Der Sóller-Tunnel ist in den vergangenen Jahren ständig modernisiert worden

Der Sóller-Tunnel ist in den vergangenen Jahren ständig modernisiert worden / Joan Mora

Sophie Mono

Sophie Mono

Der Besucher-Andrang in Mallorcas Bergstädtchen Sóller ist ungebrochen hoch - daran hat auch die Einführung der neuen Umweltzone nichts geändert, die nicht registrierten Fahrzeugen seit Februar die Einfahrt ins Zentrum verwehrt. Urlauber und Ausflügler, die mit dem Pkw anreisen, drängen sich jetzt auf den Parkplätzen am Ortsrand. Staus an den Zufahrtsstraßen bleiben an der Tagesordnung - nicht selten stockt der Verkehr auch im Sóller-Tunnel. Im vergangenen Sommer wurden bis zu 18.000 Fahrzeuge pro Tag gezählt. Doch wie sicher ist der Tunnel eigentlich?

Der Sóller-Tunnel wurde im Februar 1997 eingeweiht. Auf einer Länge von 3.023 Metern führt die Landstraße Ma-11 seitdem geradewegs durch den Gebirgskamm der Serra d'Alfàbia. Einen besonders guten Ruf hat der Tunnel nicht. Schuld daran ist vor allem eine Studie des spanischen Automobilclubs RACE aus dem Jahr 2003, die den Sóller-Tunnel einst zum "gefährlichsten in ganz Spanien" und sogar in Europa erklärte, unter anderem wegen fehlender Notausgänge.

Zahlreiche Modernisierungen

Ein schlechter Ruf, dem der Inselrat in den Folgejahren mit zahlreichen Modernisierungen und Umbauarbeiten entgegenwirkte. Diese wurden auch in den letzten Jahren noch einmal verstärkt und werden seitdem kontinuierlich geprüft: Erst im März 2026 sperrten die Verantwortlichen den Tunnel für mehrere Nächte, um die Sicherheitssysteme zu inspizieren. Im Fokus standen vor allem die Beleuchtung, die Ventilatoren und der Zustand des Asphalts.

Außerdem nahmen Experten auch das Brandmeldesystem, die Entwässerung, die Beschilderung sowie die Funktion der in den Tunneln vorhandenen Notruftelefone unter die Lupe. Ebenso überprüften sie die Notausgänge. Diese waren kurz nach der fatalen Studie von 2003 eingerichtet worden.

Nur eine Röhre

Ähnliche, länderübergreifende Tunnel-Vergleichsstudien wie aus dem Jahr 2003 gibt es aktuell nicht. Wie der Inselrat immer wieder betont, erfüllt der Sóller-Tunnel mittlerweile aber längst alle EU-Standards und ist auf einem modernen technischen Stand. Allein seine Bauweise weist weiterhin Nachteile auf, die im Ernstfall die Sicherheit der Autofahrer gefährden könnten: Anders als viele Tunnel, die gerade in Metropolregionen gebaut werden, ist der Sóller-Tunnel ein klassischer Bergtunnel, der nur über eine statt über zwei Röhren verfügt. Fahrzeuge beider Fahrtrichtungen teilen sich also die Röhre, was im Notfall mehr Gefahrenpotenzial birgt und auch die Evakuierung erschwert.

Dennoch ist die Unfallstatistik im Sóller-Tunnel vergleichsweise gering. Den Daten des Inselrats zufolge gab es in den vergangenen Jahren nur wenige schwerwiegende Vorfälle. Der Unfall eines Motorradfahrers, der ohne Fremdeinwirkung im November 2025 im Tunnel stürzte und sich verletzte, war die Ausnahme. Damals wurde der Tunnel zu Rettungszwecken zeitweise für den Verkehr gesperrt.

Solche Sperrungen erfolgen nach Angaben des Inselrats jedoch häufiger wegen weniger gravierender Vorfälle. Laut Daten aus dem Jahr 2024 waren es vor allem Radfahrer, die verbotenerweise durch den Autotunnel fuhren und damit eine Schließung auslösten. Auch bei kleineren Pannen gelten strenge Vorschriften: Sobald ein Fahrzeug liegen bleibt oder sich Fußgänger im Tunnel befinden, wird die Zufahrt weiterer Fahrzeuge gestoppt.

So verhält man sich richtig

Dass auch das adäquate Verhalten der Verkehrsteilnehmer selbst entscheidend über die Sicherheit in Autotunneln ist, hebt zudem die Weltstraßenorganisation PIARC hervor. Sie diktiert das richtige Verhalten in Tunneln wie folgt:

  • Abblendlicht einschalten
  • Sonnenbrille abnehmen
  • Tempolimit einhalten
  • ausreichend Abstand halten
  • niemals wenden oder rückwärtsfahren
  • bei Stau den Motor abstellen und den Warnblinker einschalten
  • im Brandfall das Fahrzeug verlassen und den Schlüssel stecken lassen

Fast vergessene Alternative

Wer Platzangst hat oder einfach keine Tunnel mag, der hat auf dem Weg nach Sóller ja noch eine Alternative, die spätestens seit der Abschaffung der Tunnel-Maut Ende 2017 nur noch wenige Autofahrer nutzen: Einfach über die Serpentinenstraße fahren, die über den Pass des Bergs führt, statt mitten hindurch. Die Aussicht ist in jedem Fall besser.

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