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Überfüllung und Übergriffe an der Haltestelle und im Bus: "Was ist in den Überlandbussen auf Mallorca los, Frau TIB-Chefin?"

Die Geschäftsführerin des Transportkonsortiums auf Mallorca nimmt Stellung zu den Vorkommnissen in den zurückliegenden Wochen und zu den Ausbauplänen des Nahverkehrs

Hier geht es beim Einsteigen geordnet zu, aber das ist nicht immer der Fall bei den Überlandbussen auf Mallorca.

Hier geht es beim Einsteigen geordnet zu, aber das ist nicht immer der Fall bei den Überlandbussen auf Mallorca. / TIB

Johannes Krayer

Johannes Krayer

Die TIB-Überlandbusse haben in den zurückliegenden Tagen die Schlagzeilen auf Mallorca bestimmt. Zuerst das Video auf Social Media einer jungen Frau, die anprangert, dass sie von Urlaubern angegangen wurde, nachdem sie sich gemeinsam mit anderen Einheimischen beim Einsteigen vorgedrängelt hatte. Dann der rassistische Übergriff eines Fahrgasts auf eine Schülerin mit Kopftuch und zwei Urlauber im Bus. Beide Vorfälle trugen sich an der Haltestelle in Valldemossa und im Bus nach Palma zu. Die MZ hat mit Lluïsa Serra, der Geschäftsführerin des Transportkonsortiums auf Mallorca gesprochen.

Es scheint, dass immer im Frühjahr, wenn die Insel voller wird, die Spannung in den Bussen zunimmt. Jetzt hat es gleich zweimal den Bus von Valldemossa getroffen. Was ist da los?

Die Busse nach Valldemossa und Sóller sind gerade zu dieser Jahreszeit sehr frequentiert, genauso wie im Herbst. Dann besuchen viele Urlauber diese Orte. Wir haben hier schon aufgestockt und die Linie 203 seit März verstärkt. Es gibt neue Direktbusse Valldemossa–Palma. Wir sehen aber, dass die Nachfrage trotzdem immer weiter steigt. Die vergangenen Jahre war es schon so, und dieses Jahr liegen wir noch einmal zehn bis 15 Prozent über den Vorjahreszahlen. Die Linie 203 nach Valldemossa kann durchaus Momente haben, in denen es sehr eng wird.

Aber was sagen Sie zu den Konflikten?

Bezogen auf den rassistischen Angriff haben wir eine Mitteilung herausgegeben, in der wir jeglichen rassistischen Angriff, sei es verbal oder körperlich, zurückweisen. Es war ein Einzelfall. Das ist nichts, was häufig vorkommt.

Die Geschäftsführerin des Transportkonsortiums: Lluïsa Serra.  | FOTO: TIB

Die Geschäftsführerin des Transportkonsortiums: Lluïsa Serra. / TIB

Die Spannung zwischen Urlaubern und Residenten scheint aber ein häufigeres Thema zu sein. Wie kann das verhindert werden?

Unsere Daten zeigen ganz klar, dass wir da, wo wir können, Frequenzen ausbauen. Wir bedenken bei unseren Verstärkungen die Urlauber natürlich mit. Dazu nutzen wir Daten des Urlauberaufkommens aus den Vorjahren, die uns unter anderem die Hoteliersvereinigung FEHM zur Verfügung stellt. Darüber hinaus sind die Busse ja nicht nur für die Urlauber, sondern auch für die Angestellten in den Urlaubsorten bestimmt.

Es ist ein Dilemma. Sie können nur bis zu einem bestimmten Punkt die Frequenzen ausbauen. Wie kann man dieses Dilemma lösen, mit verschiedenen Schlangen für Einheimische und Urlauber? Und die Einheimischen steigen zuerst ein?

Auf keinen Fall. Wir werden keine Unterscheidung zwischen Urlaubern und Residenten machen, das ist ja rein rechtlich schon gar nicht möglich. Der TIB-Busverkehr ist eine öffentliche Dienstleistung, hier haben Urlauber und Residenten die gleichen Rechte und Pflichten. Themen wie zivilisierter Umgang untereinander entziehen sich unserer Verantwortung. Beim Ausbau der Frequenzen haben wir ja genau diese Stoßzeiten im Blick, in denen viele Residenten und Urlauber unterwegs sind.

Im Falle des rassistischen Angriffs auf das Mädchen mit Kopftuch soll der Busfahrer, vom Lehrer auf den Vorfall angesprochen, gesagt haben: Das passiert uns jeden Tag. Eingeschritten ist er augenscheinlich nicht. Welche Anweisungen haben die Fahrer in derartigen Situationen?

Wir haben mit dem Fahrer gesprochen, und er hat uns gesagt, dass es sich um einen Einzelfall gehandelt hat. Dass es manchmal an Haltestellen zu Konflikten kommt, werden wir nicht verhindern können. Da sind alle Fahrgäste gefordert, respektvoll miteinander umzugehen. Die Anweisung an die Fahrer ist, dass sie jedem Fahrgast mit dem maximalen Respekt begegnen, woher er auch immer kommt.

Es gibt also keine klaren Protokolle, wie die Fahrer bei solchen Attacken im Bus reagieren sollen?

Jede Person, die sich angegriffen fühlt, sei es im Bus oder an der Haltestelle sollte die Konsequenzen ziehen, die sie für richtig hält. In diesem Fall glaube ich, dass die Betroffenen zur Polizei gegangen sind. Wir verurteilen derartige Vorfälle eindeutig. Alle Busse haben Kameras im Innenraum, und wenn die Polizei uns um die Aufnahmen bittet, geben wir diese selbstverständlich heraus.

Das ist die technische Seite, aber gibt es von menschlicher Seite eine Anweisung an die Fahrer, wie sie auf Konflikte im Bus reagieren sollen?

Der Fahrer soll fahren und sich nicht ablenken lassen. Wir haben die Information vorliegen, dass der Vorfall außerhalb des Busses an der Haltestelle stattfand. Während der Fahrt muss der Fahrer auf die Straße achten und kann nicht ständig im Blick haben, was in einem 15 Meter langen Bus vor sich geht.

Wie entscheiden Sie, welche Linien ausgebaut werden?

Wir nutzen die Daten aus den Vorjahren, um der Entwicklung vorauszugreifen und vor allem die Höhepunkte der Auslastung vorauszusehen. Wir schauen uns genau an, wie sich die Menschen zu welchen Zeiten bewegen und planen dahingehend die Verstärkungen. Allein dieses Jahr schicken wir 27 neue Busse auf die Straße. Ab dem 15. Mai werden sie alle unterwegs sein.

An Bussen scheint es also nicht zu mangeln. Aber gibt es genügend Fahrer?

Das Personal wird von drei Konzessionären bereitgestellt. Diese Unternehmen haben uns bisher nicht berichtet, dass es zu wenige Fahrer gäbe. Sie können mit Sicherheit davon ausgehen, dass keine Busse aufgrund von Personalmangel im Depot stehen.

Warum können Sie dann nicht noch mehr Busse einsetzen?

Es ist nicht so einfach. Das ist ein Konzessionsvertrag. Mit der letzten Änderung konnten wir die 27 neuen Busse mit ins Angebot aufnehmen. Aber die Richtlinien für unseren Vertrag gibt uns das Gesetz für öffentliche Ausschreibungen vor, das spanienweit gilt. Innerhalb der Möglichkeiten, die uns dieses Gesetz lässt, können wir gezielte Verstärkungen einsetzen. Und das machen wir auch. Und selbst wenn wir ausbauen können, geht es nicht ganz so schnell: Es braucht ein Jahr, bis neue Busse ab dem Moment der Bestellung zur Verfügung stehen.

Sind diese Gesetze zu starr, um auf spontanen Bedarf reagieren zu können?

Ja. Eine Modifizierung eines Vertrags dieser Größenordnung dauert ebenfalls mindestens ein Jahr. Da kommen wir nicht einfach raus, das ist der rechtliche Rahmen.

Es gibt bisher keine Aerotib-Linie nach Cala Ratjada. Noch müssen die Passagiere umsteigen, obwohl es Nachfrage gäbe. Wann kommt diese Linie?

Da sind uns auch vertraglich die Hände gebunden. Viele Gemeinden auf der Insel fordern einen Aerotib. Die Umstiege werden immer existieren. Ich kann Ihnen also nicht sagen, ob und wann es einen Aerotib bis Cala Ratjada geben wird.

Warum gibt es an den Haltestellen noch keine Anzeigetafeln, an denen in Echtzeit angezeigt wird, wann der Bus kommt?

Ein paar gibt es bereits. Wir arbeiten momentan an einer App, in der die User in Echtzeit angezeigt bekommen, wo der Bus sich befindet und wie voll belegt er ist. Das wird den Fahrgästen dabei helfen, zu sehen, ob der nächste Bus voll ist und 20 Minuten später vielleicht wieder einer kommt, der leer ist. Dann kann der Fahrgast selbst entscheiden, welchen er nimmt. Die App soll auf jeden Fall noch dieses Jahr verfügbar sein.

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