Neue Wanderherberge auf Mallorca im MZ-Test: Wie barrierefrei ist "Betlem II" wirklich?
Bei Colònia de Sant Pere gibt es eine neue Wanderhütte auf Mallorca. Was bietet sie? Wir haben vorbeigeschaut

Zu Fuß ist die neue Wanderherberge schnell zu erreichen - mit Kinderwagen oder Rollstuhl dagegen nicht / Sophie Mono
Die Steine sind faustgroß, die Räder des Kinderwagens blockieren. Hier und dort und noch einmal. Die Armmuskeln schmerzen, der Schweiß fließt. „Aussteigen, selbst laufen“, presse ich heraus. Es ist die einzige Möglichkeit, den Kinderwagen irgendwie über die grobe Schotterpiste zu bekommen. Ohne das Kindergewicht von 17 Kilo als zusätzliche Ladung. Am liebsten würde ich den Buggy einfach stehen lassen. „Ich will aber nicht laufen“, mault mein kleiner, gerade drei Jahre alt gewordener Begleiter. Tief durchatmen. Die balearische Forstbehörde Ibanat wirbt doch damit, dass der Zugang zur neuen Wanderherberge in Betlem barrierefrei ist. Das mag für die Unterkunft selbst stimmen – der Weg dorthin hat diese Beschreibung aber definitiv nicht verdient.
Nichts für Kinderwagen und Rollstuhl

Zu Fuß ist der Anstieg leicht, mit Kinderwagen oder Rollstuhl dagegen erheblich / Sophie Mono
Zugegeben: Weit ist es nicht bis zu den Steinhäusern, die sich in der öffentlichen Finca Es Canons befinden. Und wer tatsächlich in der neuen Herberge „Betlem II“ übernachten möchte, die am 1. Mai eröffnet hat und direkt an die schon länger bestehende Unterkunft „Betlem I“ angrenzt, der hat sogar die Möglichkeit, mit dem Auto vorzufahren: Der Schlüsselbund zum refugio, wie die Herbergen auf Mallorca heißen, beinhaltet auch einen Öffner für das Tor am Anfang des Wanderpfads und einen für die direkte Einfahrt in das ummauerte Herbergs-Gelände. Doch für uns, die einfach einen kleinen Ausflug zum neuen Wanderhotspot machen wollen, ist der Weg mit Kleinkind und Kinderwagen beschwerlich. Gut, dass er sich nicht lange zieht.
Wer keine Torschlüssel hat, muss sein Auto auf einem Schotterparkplatz an der Landstraße Ma-3331 abstellen, die von Colònia de Sant Pere zur Urbanisation Betlem führt. Kurz bevor die ersten Häuser die Straße säumen, etwa bei Streckenkilometer 5, ist die bei Google Maps als Wanderparkplatz gekennzeichnete Stellfläche nicht zu übersehen. Wer gut zu Fuß ist, kann von hier aus in zehn Minuten bei der Wanderherberge sein und von dort aus weitere Wanderungen ins Naturschutzgebiet Parc de Llevant starten.
Barrierefreiheit im Inneren

Am Wanderparkplatz bei Betlem geht es los / Sophie Mono
Auch, um die Landstraße zu überqueren und vom Parkplatz zum Eingang des Wanderpfads zu gelangen, sollte man mit bewegungseingeschränkten Begleitern aufpassen. Einen gekennzeichneten Fußgängerüberweg gibt es nicht, die Autos rasen teilweise mit deutlich mehr als der erlaubten Höchstgeschwindigkeit über die Fahrbahn.
Durch ein Wildschutztörchen, das auch ohne Schlüssel aufgeht, gelangt man auf den Schotterpfad, der leicht bergauf führt. Endlich am Ziel verspricht die neue Herberge Abenteueraufenthalte: viele Schatten spendende Bäume, viele einladende Picknicktische, viel Natur drumherum, eine Grillstelle. Und eine Rampe, die zumindest die letzten Meter bis zur Tür erleichtert.
Auch im Inneren der schon jetzt stark nachgefragten Unterkunft herrscht Barrierefreiheit. Laut der Forstbehörde bietet die Unterkunft Platz für vier Nutzer. Neben dem Schlafraum gibt es einen Wohnküchenbereich und ein Badezimmer mit Dusche. Der Strom kommt von Solarzellen, die Steckdosen funktionieren aber nicht. Alles ist spartanisch, funktional, aber ebenerdig und leicht begehbar.
Alte Gemäuer

Die letzten Meter zum Eingang der Wanderherberge sind durch eine Rampe leicht zu meistern / CAIB
Dass die neue Herberge auf alte Gemäuer fußt, ist zu erkennen. Früher wurde das Gebäude als Militärkaserne genutzt. In den vergangenen Jahren führte die balearische Forstbehörde einige der Räumlichkeiten als Brandschutzstandort. Seit die balearische Landesregierung das 150 Hektar große Grundstück Es Canons vor acht Jahren für 8 Millionen Euro aus Einnahmen der Touristensteuer gekauft hat, soll das Gelände für die Freizeitnutzung der Bevölkerung erschlossen werden. Allerdings geht es nur langsam voran. Das Vorhaben eines großflächigen Campingplatzes wurde nach Anwohnerprotesten verworfen. „Betlem II“ dagegen dürfte niemanden stören.
Pro Nacht kostet die gesamte Unterkunft 41,10 Euro. Reservierung sind telefonisch möglich (971-17 76 52) oder über das Online-Buchungsportal hier.
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