Warum am Sonntag mehr als 7.000 röhrende Bikes über die Straßen von Mallorca fahren
Die Motorradrundfahrt Volta a Mallorca feiert am Wochenende ein halbes Jahrhundert Bestehen. Organisator Pep Quetglas hat bei keiner Ausgabe gefehlt

Wie im vergangenen Jahr ist auch diesmal der Besuch der Motorworld einer der Programmpunkte des Wochenendes. / privat
Motorenlärm, Abgasgeruch – so fühlen sich die mehreren Tausend Teilnehmer der Volta a Mallorca am wohlsten. Und das auch noch in Verbindung mit den landschaftlich reizvollen Straßen auf der Insel und dem ein oder anderen Halt in einem Restaurant. Das ist das einfache, aber offensichtlich wirkungsvolle Erfolgsrezept der Veranstaltung, die in diesem Jahr bereits die 50. Ausgabe feiert.
Und Pep Quetglas hat bisher keine einzige verpasst. Der 68-Jährige gehört zu den Gründungsmitgliedern des Motorradclubs Mitja Milla, der Anfang der 1970er-Jahre zusammenfand. Allerdings habe er als Organisator hin und wieder mit einem Van oder einem Auto mitfahren müssen statt mit dem Motorrad. Da macht er einen großen Unterschied, das zählt für einen echten Biker nicht wirklich.

Auf der Tramuntana-Panoramastrecke Ma-10. | FOTO: PRIVAT
Zunächst im Verborgenen
Seit der ersten Rundfahrt in den 70er-Jahren bis heute hat sich einiges geändert. Zum einen natürlich die Teilnehmerzahl. „Wir haben damals mit 30, 40 Leuten begonnen und die Veranstaltung quasi illegal ausgetragen“, berichtet Quetglas. Der Club agierte zu Beginn im Verborgenen und war noch nicht dem balearischen Motorsportverband angeschlossen.
Jetzt für die Rundfahrt am Sonntag erwarten Quetglas und sein Team rund 7.000 Motorradfahrerinnen und -fahrer. Auch weil das Event über die Jahre so stark gewachsen ist, musste immer wieder der Abfahrtsort geändert werden.
Zu Beginn lag dieser an der Plaça del Tubo nahe den Institutos, später dann vor dem Kaufhaus El Corte Inglés in den Avenidas, und jetzt ist der Startpunkt an die Avinguda Adolfo Suárez direkt am Parc de la Mar. Hier steht der meiste Platz zur Verfügung, und die Verkehrsbeeinträchtigungen sind mit am geringsten, erklärt Pep Quetglas.

Am Start der Rundfahrt vor der Kathedrale von Palma. | FOTO: PRIVAT
Seit 2019 drei Tage
Mit der gestiegenen Teilnehmerzahl wurde die gesamte Veranstaltung umfangreicher. Im Jahr 2000 erweiterten Quetglas und die anderen Organisatoren das Treffen auf zwei Tage, seit 2019 sind es drei Tage. „Die Hauptattraktion ist aber weiterhin die große Rundfahrt am Sonntag. An den anderen Tagen werden nur ein paar Hundert Fahrer erwartet“, sagt Quetglas. Er hat 2026 ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt.
So gibt es für diejenigen, die bereits am Freitag am Start sind, eine Tour durch den Inselsüden und -osten mit dem Besuch des Rathauses von Llucmajor, des Landguts Els Calderers und einem Empfang im Rathaus von Capdepera. Der Samstag hält einen Besuch in der Motorworld sowie eine Führung durch die Kathedrale von Palma bereit. Nachmittags geht es durch die südliche Serra de Tramuntana, und abends steht noch das Gala-Dinner zum 50. Geburtstag der Volta an.
Manche Gemeinden sperren sich
Die wird dann am Sonntag zumindest zum Start den Verkehr am Paseo Marítimo eine Zeit lang lahmlegen, wobei Quetglas darum bemüht ist, den Beeinträchtigungen nicht zu viel Aufmerksamkeit einzuräumen. Ohnehin gebe es bereits Schwierigkeiten, die Veranstaltung zu organisieren, weil die Behörden immer mehr Auflagen erfüllt sehen wollten und immer mehr Papierkram einforderten. „Es gibt sogar Gemeinden, die uns nicht auf ihren Straßen haben und in denen uns die Verwaltung nicht empfangen will.“
Wobei man keine Angst haben müsse, dass an dem Sonntag dann mehrere Tausend Motorradfahrer ständig hintereinander unterwegs seien. „Nach wenigen Kilometern zerstreut sich das Feld bereits, manche machen die ersten Pausen, andere setzen sich anderweitig ab.“ Es gebe keine festen Vorschriften, welche Strecke zu bewältigen sei, erklärt der 68-Jährige.
Festgelegte Streckenpunkte müssen absolviert werden
Ein paar festgelegte Streckenpunkte müssen die Teilnehmer allerdings passieren– zumindest diejenigen, die die Rundfahrt als Teil der spanischen Meisterschaft absolvieren wollen. Um Geschwindigkeit geht es dabei im Übrigen nicht. „Es ist ausdrücklich kein Rennen“, sagt Quetglas.
Das sei den allermeisten Teilnehmern klar, die sich vorschriftsmäßig verhielten. Wer gefährliche Manöver vollführe, müsse damit rechnen, dass das Kennzeichen der Guardia Civil weitergegeben werde, die dann den Fahrer vorübergehend aus dem Verkehr ziehe, sagt Quetglas, der selbst nach einem Unfall im vergangenen Jahr erst Anfang Mai wieder aufs Motorrad gestiegen ist. „Das war diesmal eine ziemliche Punktlandung mit meiner Reha“, sagt er.
Trotz eines Beckenbruchs dabei
Bei dem Unfall hatte er sich einen Beckenbruch zugezogen. Auf die Volta verzichten – das wäre nur im äußersten Notfall infrage gekommen. Denn die Atmosphäre wolle er sich auf keinen Fall entgehen lassen.
Die durchaus international ist. Zahlreiche Deutsche, Briten und Franzosen fahren regelmäßig mit. „In diesem Jahr haben wir auch viele Portugiesen und Italiener dabei, die extra auf die Insel kommen“, sagt Quetglas.
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