Wohnmobile als Ferienunterkünfte: Neues Geschäftsmodell in Palmas Viertel Ciutat Jardí sorgt für Unmut bei Anwohnern
Palmas Stadtverwaltung hatte angekündigt, härter gegen die unerlaubte Nutzung von Wohnmobilen im öffentlichen Raum vorzugehen. Bisher hat sich an dem Hotspot allerdings kaum etwas verändert

In Palmas Viertel Ciutat Jardí gibt es kaum eine Straße, in der kein Wohnmobil oder kein Camper steht. / Miguel Vicens
Seit die Stadtverwaltung von Palma den Wohnmobil- und Camper-Besitzern in Ciutat Jardí Mitte Mai mit Bußgeldern gedroht hat, falls sie die Straßen des Küstenviertels nicht verlassen, hat sich dort nach Angaben der Anwohner kaum etwas geändert. Weder sei die massive Präsenz der Fahrzeuge an dem Hotspot zurückgegangen, noch sei eine spürbar höhere Polizeipräsenz festzustellen. So seien die Beamten eher am Strand unterwegs und schaue darauf, was die Menschen an der Promenade machen und nicht auf die, die in den geparkten Fahrzeugen unterkommen.
Von der Karibik nach Mallorca
„Ich stehe seit zwei Tagen mit meinem Wohnmobil an der Promenade und zu mir ist bisher niemand gekommen“, sagt Alex, ein junger Pole, der mit seinem Fahrzeug im Carrer Jaume Pomar i Fuster direkt vor dem Strand steht. Hinter ihm stehen beim Besuch der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" sieben weitere Wohnwagen, die die Parkplätze belegen und teils den Blick von den Häusern aus versperren.
Er reise sehr gern, erzählt Alex. Er habe in der Karibik gearbeitet und sei nun auf die Insel gekommen, um als Crewmitglied auf einer privaten Yacht zu arbeiten. Zwei Tage werde er in dem Wohnwagen bleiben, den ihm ein Freund auf Mallorca geliehen habe. Danach wolle er nach Port Adriano weiterfahren, um dort an Bord zu gehen und seinen neuen Job zu beginnen. Er sei sehr zufrieden, so nah am Meer sein zu können, sagt er, während er auf den Strand blickt.

Der junge Pole Alex ist zufrieden mit seinem Standort unmittelbar am Meer, will aber bald weiterziehen. / Miguel Vicens
Keine Straße ohne Wohnmobile und Camper
In Palmas Wohnmobil- und Camper-Viertel gibt es kaum eine Straße, in der die Präsenz von Wohnmobilen und ausgebauten Transportern nicht sofort ins Auge sticht. Beim Besuch des Redakteurs vom "Diario de Mallorca" stehen fünf Fahrzeuge im Carrer Nadal Batle, 13 im Carrer Luis Ripoll, weitere 13 in den Straßen rund um das historische Hotel Ciutat Jardí, den Carrer Illa de Xipre und den Carrer Illa de Malta. Das Hotel sah sich offenbar gezwungen, die Zufahrt mit zwei Schildern abzugrenzen, damit sie nicht von einem der teils mehrere Meter langen und recht hohen Fahrzeugen blockiert wird.
Die Situation in dem Viertel östlich vom Zentrum ist eine Folge der Wohnungskrise und der hohen Miet- und Immobilienpreise, die vielen kaum Alternativen lassen.
Neues Geschäftsmodell: Wohnmobil als Ferienunterkunft mieten
Auch ein neues Geschäftsmodell ist in dem auch bei auswärtigen Campern, die nicht in den Fahrzeugen leben, beliebten Viertel entstanden: In einigen Wohnwagen würden die Insassen, haben die Anwohner bemerkt, häufiger wechseln als die Fahrzeuge ihren Standort. Heißt: Die Fahrzeughalter vermieten die Camper offenbar tageweise – ähnlich wie Ferienwohnungen.
„Als Anwohner stört mich, dass in der Straße, in der ich wohne, dem Carrer Francesc Villalonga, manchmal fünf, manchmal sieben Wohnwagen parken“, sagt Juan, der beobachtet haben will, dass viele der Fahrzeuge für Ferienvermietung genutzt werden. „Nach einer Woche kommen die Verantwortlichen oder Betreiber, reinigen das Innere des Wohnwagens und bereiten ihn vor. Gleich danach ziehen neue Bewohner für einen ähnlich langen Zeitraum ein", sagt er.
Meerblick versperrt
Konflikte mit den Wohnmobil-Bewohnern oder -Mietern etwa wegen Sauberkeit gebe es keine. Das Problem sei vielmehr, dass die überdimensional großen Fahrzeuge alle Parkplätze belegen und sich wochenlang kaum von der Haustür der Bewohner entfernen.
Trotz der Ankündigung von Palmas Rathaussprecherin Mercedes Celeste, Bußgelder zu verhängen, sei bisher nichts davon zu spüren, dass die Zahl der Wohnwagen im Viertel durch stärkere Polizeipräsenz zurückgegangen sei.
Immerhin: Ciutat Jardí unterscheidet sich von anderen Vierteln, in denen wegen der Wohnungskrise ebenfalls Menschen in Wohnwagen leben, etwa den Vierteln Nou Llevant, Son Güells, Son Hugo, es Pil·larí, La Vileta, Son Moix oder dem städtischen Parkplatz von Marivent. In Ciutat Jardí sind kaum Wohnwagen oder ausgebaute Transporter in schlechtem Zustand zu sehen.

Die Plätze an der Promenade sind besonders beliebt. / Miguel Vicens
"Parken ist nicht Campen"
An vielen Fahrzeugen dort sieht man den immer selben Aufkleber an der Windschutzscheibe: "Estacionar no es acampar" ("Parken ist nicht Campen"), steht darauf. Damit erinnern die Besitzer an die Regelung der spanischen Verkehrsbehörde, nach der Wohnmobile und Camper beim Parken grundsätzlich dieselben Rechte haben wie andere Fahrzeuge, solange keine Stühle und Tische auf die Straße gestellt oder Markisen ausgefahren werden.
In Ciutat Jardí ist die Grenze allerdings nicht immer eindeutig. An einer Ecke vom Carrer Jaume Pomar i Fuster hat es sich beim Besuch des Redakteurs ein Paar vor seinem Wohnmobil auf zwei Campingstühlen auf dem Gehweg bequem gemacht.
Wenn der Besuch weit entfernt parken muss
Maria, die ein Haus an der Promenade besitzt, habe laut eigener Aussage sehr rücksichtsvolle Camper kennengelernt, aber auch andere, „die keine Heiligen sind“. Sie kritisiert zum einen, dass ihr der Meerblick dadurch versperrt wird, dass die Fahrzeuge direkt vor ihrem Haus parken. Zum anderen müssten ihre Kinder, wenn sie sie besuchen, oft weit weg parken, weil die Wohnwagen alle Stellplätze belegen. Diese seien zudem nicht korrekt gekennzeichnet. Vor Ort findet der Redakteur auch zahlreiche andere Beispiele, in denen die autocaravanas Bewohnern den Meerblick versperren,
Da die Bewohner der Fahrzeuge die Toiletten und Duschen am Strand nutzen, komme es laut Maria nicht zu Problemen mit Schmutzwasser auf den Straßen des Viertels. /sw
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