Verkehrschaos in Sóller hält an: Was taugt die neue Umweltzone wirklich?
Eine Bürgerinitiative fordert Transparenz über Bußgelder und eine Überprüfung des Verkehrskonzepts für die beliebte Gemeinde

Fahren weiter fröhlich in die Umweltzone von Sóller hinein: Mietwagen. / Joan Mora
Die bei Mallorca-Urlaubern beliebte Tramuntana-Gemeinde Sóller bekommt das seit Jahren vorherrschende Verkehrschaos im Sommer nicht in Griff. Selbst die Ende Februar eingeführte Umweltzone ZBE, die dafür gedacht ist, Fahrzeugen von außerhalb die Zufahrt zum Dorfzentrum zu verbieten, hat nicht den gewünschten Effekt gehabt. Dies zumindest behauptet eine Bürgerinitiative, die nun eine Unterschriftenkampagne gestartet hat, um eine Überprüfung des bisherigen Mobilitätsmodells zu fordern.
Demnach komme es immer noch regelmäßig zu Überfüllung und Parkplatzmangel. „Die Fahrzeuge von Nicht-Anwohnern fahren weiterhin massenhaft in die Innenstadt ein“, heißt es in der Petition. Zweifel äußern die Unterzeichner auch am tatsächlichen Funktionieren des Kamerasystems und an der Wirksamkeit der Kontrollen.
Das sind die Forderungen der Bürgerinitiative
Die Initiative fordert deshalb detaillierte Auskünfte zur Wirksamkeit der Kontrollkameras in der ZBE. Zudem verlangt sie Transparenz über die Zahl der seit Einführung der Umweltzone eingeleiteten Bußgeldverfahren sowie über die dadurch erzielten Einnahmen. Diese Angaben sollen nach Wunsch der Bürgerinitiative möglichst genau aufgeschlüsselt werden – nach Tagen, Monaten und wie viele es insgesamt gibt.
Darüber hinaus wird die Gemeindeverwaltung aufgefordert, das bisherige Modell der Verkehrsregelung im Zentrum überprüfen. Die Initiatoren regen an, die Einführung einer Zone mit beschränkter Zufahrt, einer sogenannten ACIRE, oder vergleichbarer Maßnahmen zu prüfen. Vorrang beim Zugang zum Zentrum sollen demnach Anwohner, öffentliche Dienste und autorisierte Fahrzeuge haben.
Dadurch soll, „die Funktionalität des Stadtzentrums wiederhergestellt werden und die Mobilität und das Zusammenleben verbessert werden“, heißt es in der Petition. Außerdem fordert die Initiative eine Ausweitung des kommunalen Abschleppdienstes sowie eine schriftliche Antwort der Stadtverwaltung auf alle ihre Forderungen.
Das ist die Umweltzone
Die neue Umweltzone in Sóller ist seit Ende Februar in Kraft. Effektiv handelt es sich dabei um ein Einfahrtverbot für alle Fahrzeuge, die nicht in der Gemeinde gemeldet sind. Zwar können Sondergenehmigungen eingeholt werden. Für Urlauber bedeutet die Maßnahme aber: Ab sofort dürfen sie mit ihren Mietwagen nicht mehr ins Dorf fahren und parken, sondern müssen auf den eigens eingerichteten Parkplätzen außerhalb des Ortskerns einen Platz finden. Bis zu 600 Parkmöglichkeiten stehen hier zur Verfügung.
Bei Verstößen gegen die neue Regelung werden 200 Euro Strafe fällig – und zwar für jedes Mal, wenn die Kontrollkameras das Kennzeichen bei der Einfahrt erfassen. Wer also auf der Suche nach einem Parkplatz im Dorf mehrfach in die Zone hineinfährt, kriegt für jede Einfahrt in die Umweltzone ein Knöllchen. Den Einzug der Strafen übernimmt das balearische Finanzamt Atib. Im Fall von Urlaubern, die mit ihren Mietwagen in die Umweltzone fahren, wird das Bußgeld automatisch abkassiert. Das Knöllchen wird an das Mietwagenunternehmen ausgestellt, das die Strafe von der hinterlegten Kreditkarte abbucht.
Abonnieren, um zu lesen
- Kurz dunkel, lange dicht: Mallorca sperrt die Tramuntana zur Sonnenfinsternis
- Rafa Nadals neues Leben: Hotels, Millionen-Deals und jede Menge Meetings
- Mallorca glüht: Bis zu 41 Grad und Tropennächte
- Endlos-Bauarbeiten am Flughafen Mallorca: Jetzt verliert auch der Inselrat die Geduld
- Sie kam zum Jobben nach Mallorca: Junge Deutsche an der Playa de Palma von ihren Mitbewohnern vergewaltigt
- Spaniens bekanntester Hotel-Schandfleck: Der Widerstand gegen den Abriss bröckelt
- Auswandern nach Mallorca? Sie sind leider zu spät
- Neue Spielsachen für Kinder an Bord und Rabatte für Familien: Mallorca-Flieger Eurowings umgarnt Familien