Doch weiter mit Kennzeichen D? Streik beim Mallorca-TÜV stürzt Auto-Ummeldung auf der Insel ins Chaos
Die Mitarbeiter der ITV-Stationen gehen vier Tage lang in den Ausstand. Das dürfte zu einem erneuten Stau bei der Ummeldung für ausländische Fahrzeuge führen

Die Guardia Civil kontrolliert Autos mit ausländischen Kennzeichen an einem Kreisverkehr auf Mallorca. / Guardia Civil
Wer sein Auto mit ausländischem Kennzeichen auf Mallorca nicht ummeldet, obwohl er oder sie auf der Insel lebt oder sich häufiger hier aufhält, riskiert drakonische Geldstrafen. Das hat sich inzwischen auch bei vielen Deutschen, Österreichern und Schweizern herumgesprochen, die sich nun mehr und mehr dahinterklemmen, ein spanisches Nummernschild zu bekommen.
Nach Angaben eines Sprechers des für die Ummeldung zuständigen Inselrats hat sich die Zahl der ausländischen Fahrzeuge, die eine Ummeldung beantragt haben, mehr als verdoppelt. Und jetzt könnte es Ende Juli zu einer regelrechten Vollbremsung bei der Bearbeitung der Fälle kommen. Darauf macht Eva Sevenster von der Gestoría Anke Sevenster aufmerksam, die sich um die Ummeldungen kümmert.
Wie sieht es mit den Mindestdiensten aus?
Schuld an den zu erwartenden Verzögerungen ist ein Streik in der Metallbranche auf den Balearen, der von Montag (27.7.) bis einschließlich Donnerstag andauern soll und von dem auch die meisten Mitarbeiter der ITV-Stationen betroffen sein werden, da sie dem entsprechenden Tarifvertrag angegliedert sind. Zwar gebe es Mindestdienste, beruhigt der Sprecher des Inselrats. Allerdings sind diese bei einem Treffen der Gewerkschaftsvertreter mit dem Inselrat am Mittwoch (22.7.) nicht genauer definiert worden.

Bei der Hauptuntersuchung ITV in Spanien. / David Revenga
Die Unterredung endete mit großem Unmut seitens der Arbeitnehmervertreter, die sich erhofft hatten, mit dem Inselrat noch einmal über die Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu verhandeln, um den Streik möglicherweise noch absagen zu können. Nach Angaben der Gewerkschaften hätten die Vertreter des Inselrats aber lediglich die Mindestdienste festlegen wollen, ohne noch einmal zu versuchen, den Streik abzusagen.
Seitens der Arbeitnehmervertreter heißt es, dass Mindestdienste in dieser Branche nicht vorgesehen seien, da es sich nicht um ein systemrelevantes Berufsfeld handelt. Die Gewerkschaften verließen das Treffen, ohne das Dokument mit der Festlegung der Mindestdienste zu unterschreiben.
Alle Termine abgesagt
Deshalb ist nun völlig unklar, wie in der letzten Juli-Woche die Bearbeitung der ITV-Inspektionen ablaufen werden. Eva Sevenster berichtet der MZ, dass ihre Gestoría 25 Termine für die Ummeldung in den vier Demo-Tagen vereinbart hatte, die sie nun alle abgesagt hat. "Wir gehen lieber kein Risiko ein und wollen den Kunden keine vier Stunden Wartezeit in der Schlange zumuten. An normalen Tagen wartet man häufig bereits ein oder zwei Stunden, da kann man sich vorstellen, was an einem Streiktag los ist." Sevenster und ihre Kollegen kontaktierten die Kunden, die ihr Auto ummelden wollten, um sie über den Streik zu informieren. "Zwei von ihnen haben wir just am Flughafen erwischt, von wo sie gerade nach Mallorca fliegen wollten. Sie kamen extra für die Ummeldung angereist."
Neben dem verlorenen Geld und der Zeit ist aus Sicht von Sevenster vor allem die Tatsache ärgerlich, dass nun unklar ist, wann es die nächsten Termine gibt. Zumal es bei der ITV zwei verschiedene Arten von Angestellten gibt - die der Privatfirma Itevebasa und die Beamten des Inselrats. Diese dürfen zwar nicht streiken, werden an den Streiktagen aber wohl auch für die Aufrechterhaltung des regulären Betriebs benötigt.
Weiterhin großer Andrang
Dafür zeigt sich wiederum das Privatunternehmen zugänglicher für eine Verschiebung der Termine. "Wir haben nun bereits für August Ausweichtermine bekommen. Bei den Beamten des Inselrats hingegen, wo fünf der 25 Ummeldungen vorgesehen waren, haben wir nicht einmal Bescheid gesagt bekommen, wann wir einen neuen Termin zugewiesen bekommen", kritisiert Sevenster. Vor September rechnet sie nicht damit, dass die Zuständigen vom Inselrat sich bei ihr wegen eines neuen Termins melden.
Insgesamt sei aber bei der ITV mit dem neuen Konzessionär eine deutliche Verbesserung feststellbar, so Sevenster. Die Personaldecke sei verstärkt worden, der Inselrat versprach jüngst, den Bearbeitungsstau bis Frühjahr 2027 auflösen zu wollen. Verbesserung gab es auch bei den gewöhnlichen ITV-Terminen: Diese würden nun zumeist innerhalb von einer Woche stattfinden, berichtet der Sprecher des Inselrats.
Schwierig sei nach wie vor der große Andrang ausländischer Fahrzeughalter, die ihre Autos ummelden wollen. "Wir hatten früher rund 2.500 solcher Fälle im Jahr, die vergangenen beiden Jahre waren es jeweils etwa 5.800", sagt der Sprecher. Eva Sevenster bestätigt den Run auf Kennzeichen E und beziffert allein die Ummeldungen ihres Büros in den ersten sechs Monaten des Jahres auf rund 530.
- Dramatischer Vorfall in Palma: Mann springt von Hochhaus und fällt auf Gäste einer Caféterrasse
- Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez: Wie der Mallorca-Muffel hier früher Herzen brach
- Gleich zwei Waldbrände auf Mallorca - zwischenzeitlich auch Menschen in Gefahr
- Weil mitten im Sommer die Strandliegen fehlen: Balearen-Regierung feuert oberste Küstenchefin
- Nach Palma jetzt Sóller: Erneut großer Protest gegen Massentourismus auf Mallorca
- Angst vor Chaos zur Sonnenfinsternis auf Mallorca: Warum ab Montag (10.8.) auch Soldaten zum Einsatz kommen
- Nach Überfall mit Pistole: Wie die Polizei Lübeck einem Mallorca-Urlauber half, sein Portemonnaie an der Playa de Palma zurückzubekommen
- Zahl der Kontrollen von Autos mit ausländischen Kennzeichen spürbar erhöht': Veranstalter streicht Oldtimertreffen Mallorca Car Week
