Die Verbrenner-Insel Mallorca: Warum nach wie vor so wenige Urlauber ein Elektroauto anmieten
Das Panorama ist trist: Die Politik macht keine Vorgaben mehr, die Firmen warten ab. Trotzdem finden sich online attraktive Angebote

Das Mietwagengeschäft mit Elektroautos kommt auf Mallorca nach wie vor nicht richtig in die Gänge. / JAVIER LIZÓN/EFE
Es ist schon ein wenig grotesk: Viele nord- und mitteleuropäische Mallorca-Urlauber fahren in ihrer Heimat ein Elektroauto und kommen damit bestens klar. Nur in den Ferien, so scheint es, wollen sie sich dann doch eher auf einen Verbrenner verlassen. Das führt dazu, dass es die Stromer auf der Insel gerade im Mietwagenbereich weiterhin sehr schwer haben.
Es gäbe zwar die Fahrzeuge, aber die Urlauber lassen sie bei ihrer Buchung nach wie vor fast immer links liegen. Und das, wo doch seit Jahren propagiert wird, dass Mallorca aufgrund seiner Größe perfekt für Elektroautos sei. Doch wer sich mit Vertretern der Branche unterhält, merkt schnell, dass weder die Politik noch die Unternehmen so richtig an den Durchbruch der Elektromobilität glauben.
Elektroquote gehört der Vergangenheit an
Angefangen bei der Balearen-Regierung: Die konservativ geführte Landesregierung hat kurz nach ihrem Amtsantritt im Sommer 2023 die von der Vorgängerregierung etablierte Elektroquote für Mietwagen gekippt. Die vorherige Regierung, eine Linkskoalition, hatte in einem zugegebenermaßen sehr ambitionierten Plan die Mietwagenfirmen dazu verpflichtet, jedes Jahr einen größeren Prozentsatz an Elektroautos anzubieten.
Und die Absicht war, das schnell durchzuboxen. 2020 sollten zunächst zwei Prozent der Flotte elektrisch sein und jedes Jahr der Anteil ausgebaut werden. Für 2035 war damit geplant gewesen, dass die komplette Flotte der Mietwagenanbieter elektrisch betrieben wird.
Von diesem ursprünglichen Ziel ist die Insel Lichtjahre entfernt, wie Cristóbal Herrera, der Präsident der Mietwagenvereinigung Baleval der MZ erklärt. Baleval vereinigt die großen Mietwagenfirmen in einer Interessengemeinschaft. „Wir haben leider keine genauen Zahlen, weil wir sie aufgrund von Datenschutz nicht erheben dürfen, aber ich gehe davon aus, dass derzeit rund fünf Prozent der Mietwagen elektrisch angetrieben werden.“
Die Zahlen
Zahlen hat allerdings Frieder Bechtel, der Sprecher der Buchungsplattform billiger-mietwagen.de. Er berichtet der MZ, dass bisher im Jahr 2026 der Anteil der angemieteten Elektroautos auf Mallorca bei 2,7 Prozent liegt. Das ist spürbar weniger als 2025, als es noch 3,6 Prozent waren. Zu den Gründen sagt Bechtel: "Ein Grund könnte die Preisentwicklung sein." Elektroautos seien um 8,7 Prozent teurer geworden als im Vorjahr, Verbrenner lediglich um 4,2 Prozent.
Dennoch liege der durchschnittliche Preis für einen Elektromietwagen mit 29,24 Euro pro Tag niedriger als für einen Verbrenner mit 32,50 Euro. Trotz des geradezu homöopathischen Anteils von Elektroautos an der Mietwagenflotte liege Mallorca damit noch über dem spanischen Durchschnitt, wo nur 1,9 Prozent der gebuchten Mietwagen Elektroautos sind.

Ein Renault Zoë an einer Ladestation. / Freepik
Elektroautos als Ladenhüter
Auch Ramón Reus, der Verbandschef der kleineren Mietwagenfirmen, die unter dem Namen Aevab zusammengeschlossen sind, macht keinen Hehl daraus, dass die Balearen nicht wirklich weitergekommen sind bei der Elektrifizierung. „Wir haben für Kunden, die das wünschen, immer zwei, drei Elektroautos im Angebot, aber meistens nutzen wir die Fahrzeuge selbst, weil sie nicht nachgefragt werden“, sagt Reus. Auch Herrera bestätigt, dass wenige Urlauber explizit ein Elektroauto bestellen. „Damit ein Mietwagen sich rechnet, muss er an rund 80 Prozent der Tage gebucht sein. Bei Elektroautos beträgt die Auslastung gerade mal 40 bis 50 Prozent.“
Für die Autovermieter dagegen bedeutet ein Elektroauto laut Herrera einen deutlich größeren Aufwand als ein herkömmlicher Verbrenner. Der Einkaufspreis liege nach wie vor beträchtlich höher, der Wiederverkauf sei schwieriger und dazu kämen höhere Kosten im Unterhalt. „Normalerweise geben die Mietwagenfirmen die Autos vollgetankt heraus und bekommen sie vollgetankt zurück oder sie verkaufen die erste Tankladung an die Kunden. Elektroautos müssen wir aber meist geladen an die Kunden übergeben und nehmen sie leer zurück.“ Das Thema der Ladestationen sei nämlich auf Mallorca ebenfalls noch lange nicht so weit wie eigentlich geplant.
Flughafen das Hauptproblem
Zwar schätzt Herrera die Lage besser ein als sein Kollege Ramón Reus, aber auch er sagt: „Für eine flächendeckende Versorgung bräuchte es noch viel mehr Ladepunkte auf der Insel.“ Ramón Reus kritisiert, dass viele der Ladestationen, die auf den Karten eingezeichnet sind, nicht funktionierten oder einfach viel zu langsam seien. Auch in Hotels fehle es an ausreichenden Ladestationen, um die Urlauber mit dem nötigen Strom zu versorgen. „Wenn ein Hotel zwei oder drei Ladepunkte hat, dann ist das Ziel, dass ein großer Prozentsatz der Gäste ein Elektroauto mietet, nicht erreichbar“, gibt Ramón zu bedenken.
Herrera bescheinigt zwar einigen Hoteliers, in den vergangenen Jahren am Ausbau der Ladeinfrastruktur mitgewirkt zu haben, weist jedoch auf ein anderes Problem hin: „So lange es am Flughafen von Palma keine leistungsfähige Infrastruktur für das Laden von Mietwagen gibt, brauchen wir uns über alles andere keine Gedanken zu machen.“ Und hier scheint sich der Flughafenbetreiber Aena zwar der Bedeutung von Ladestationen bewusst zu sein, aber der Ausbau erfolgt laut Herrera noch deutlich zu langsam.

Eine Ladestation in Palma. / CAIB
Aber es gibt viel Auswahl im Netz
Trotz aller Schwierigkeiten: Wer heute ein Elektroauto auf Mallorca für seinen Urlaub mieten will, der findet eine ordentliche Auswahl an Fahrzeugen. Die MZ hat sich ein wenig bei den verschiedenen Anbietern umgeschaut und gibt Preisbeispiele für die unterschiedlichen Modelle.
Als Beispielwoche haben wir die letzte Augustwoche ausgewählt, vom 23. bis 30. August. Wir haben uns bei der Suche ausschließlich auf reine Elektroautos konzentriert und den betreffenden Zeitraum dafür bei der spezialisierten Onlineplattform billiger-mietwagen.de eingegeben.
Diese Modelle gibt es zu mieten
Da findet sich beispielsweise beim Anbieter Centauro in der Kompaktklasse/SUV ein Fiat 600 oder ein ähnlich großes Modell für 128 Euro für die gesamte Woche. Das entspricht 18,29 Euro pro Tag und ist für ein Elektroauto ein echtes Schnäppchen. Anbieter Centauro hat noch zahlreiche weitere Angebote dieser Art in petto, alle zwischen 128 und 143 Euro. Damit ist die Firma diejenige, die in Palma das größte Angebot an Elektroautos zu günstigen Preisen vorhält. Auch Goldcar bietet für den fraglichen Zeitraum zum Preis von 147,41 Euro einen reinen Elektrowagen an, einen Renault Zoë oder ein ähnliches Modell.
Bei Centauro und Goldcar sind die Kautionen, die bei der Anmietung eines Autos hinterlegt werden müssen mit 1.500 respektive 950 Euro sehr hoch. Wer weniger als Sicherheit zahlen möchte, kann beispielsweise auf ein Angebot von Budget zurückkommen. Hier gibt es für 162,75 Euro einen voll elektrischen Peugeot E-2008 oder ein ähnliches Modell für die Woche. Und die Kaution beträgt lediglich 200 Euro. Ein Opel Mokka schlägt mit 163 Euro nur minimal teurer zu Buche.
Mit dem neuen Modell Renault 5 E-Tech für 167,18 Euro hat Keddy by Europcar einen neu aufgelegten Klassiker im Angebot. Hier liegt die Kaution allerdings bei 800 Euro. Wer auf der Straße Eindruck schinden möchte, der kann sich bei Argus Car Hire einen nagelneuen Audi Q5 mit Elektroantrieb holen. Dafür müssen allerdings 920,90 Euro pro Woche hingeblättert werden.
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