Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

"Wie die Sardinen": Mehr als die Hälfte der Zugverbindungen auf Mallorca fällt weg – ausgerechnet im August

Die Bahngesellschaft SFM begründet den ausgedünnten Fahrplan mit einer geringeren Nachfrage

Frequenzen drastisch gesenkt: So voll sind die Züge auf Mallorca im August

Redaktion DM

Folgen Sie uns bereits?Marken Sie uns als bevorzugte Medien
Hinzufügen zu Google

In vollen Zügen genießen kann man den öffentlichen Nahverkehr derzeit nur buchstäblich: Bei den August-Fahrplänen der Bahngesellschaft Serveis Ferroviaris de Mallorca (SFM) fallen 52 Prozent der bisherigen Verbindungen weg. Zwischen Palma und Inca entfallen zwei von drei Zügen, auf den Strecken nach Sa Pobla und Manacor jeder fünfte. Zwischen Palma und Inca fährt nur noch alle 30 Minuten ein Zug – normalerweise beträgt der Abstand zehn Minuten. Auf den Linien nach Sa Pobla und Manacor verlängert sich der Takt von 40 Minuten auf eine Stunde.

Die neuen Fahrpläne sorgen unter Fahrgästen für Unmut. Bereits in der vergangenen Woche kritisierten Nutzer, die SFM habe die Kürzungen im August nicht ausreichend begründet. Am Montag (3.8.) haben zahlreiche Pendler von überfüllten Zügen und Verspätungen während der Hauptverkehrszeiten berichtet. "Wir fahren wie die Sardinen", lautete eine häufige Beschwerde. Beklagt wurden zudem die Verspätungen, die sich bei einigen planmäßigen Verbindungen angesammelt hatten.

Volle Züge trotz angeblich geringerer Nachfrage

Die Bahngesellschaft hatte die Kürzungen laut den Fahrgästen mit einer geringeren Nachfrage im August gerechtfertigt. Die Nutzer widersprechen dieser Darstellung: Fotos und Videos, die am Montag verbreitet wurden, zeigten demnach völlig überfüllte Waggons.

Auch die Oppositionsparteien haben den Schritt scharf kritisiert. Der Abgeordnete Ferran Rosa der linksgrünen Partei der Més per Mallorca warf der balearischen Landesregierung vor, die Bahnfahrer ausgerechnet dann im Stich zu lassen, wenn der öffentliche Verkehr besonders gebraucht werde. Die Straßen seien überlastet, zugleich stiegen die Kraftstoffpreise. Dadurch treffe die Kürzung die Bürger besonders stark.

"Brutale" Kürzungen

Die PSOE prangerte die deutlich reduzierten Zugverbindungen im August ebenfalls an. So haben Sozialisten die Kürzungen als „brutal“ bezeichnet und von der balearischen Landesregierung sofortige Alternativen für die betroffenen Fahrgäste gefordert. Ein wichtiger öffentlicher Dienst könne nicht mehr unter angemessenen Bedingungen gewährleistet werden.

Nach Angaben von Ferran Rosa sind Marratxí, Santa Maria, Consell, Alaró, Binissalem und Lloseta besonders betroffen. Dort gebe es keine Busverbindung des regionalen Verkehrsverbunds TIB nach Palma. Den Fahrgästen blieben deshalb nur wenige Alternativen. Més kritisierte zudem, dass die SFM trotz der seit Jahren geplanten Bauarbeiten keine Ersatzangebote wie Shuttlebusse eingerichtet habe. Das Ergebnis seien nahezu gleich viele Fahrgäste, aber nur halb so viele Züge. Dadurch komme es zu überfüllten Waggons und Verspätungen. Auch der sozialistische Abgeordnete Jaume Mateu bemängelte die schlechte Organisation der Bauarbeiten und sah eine geringene Nachfrage im Sommer als vorgeschobenen Grund.

"Völliges Desinteresse an den Mallorquinern"

Als strukturelles Problem betrachtet Més auch den Mangel an Lokführern. Nach Angaben der Partei fehlen der SFM etwa 25 Fahrer. In der laufenden Legislaturperiode seien lediglich zwei neue Lokführer eingestellt worden. Dadurch werde es schwieriger, Urlaubszeiten abzudecken und die Nachfrage im August zu bewältigen. In diesem Monat nutzten rund 700.000 Fahrgäste die Bahn.

Das Balearen-Parlament habe sich mehrfach dafür ausgesprochen, die Taktung das ganze Jahr über beizubehalten und mehr Personal einzustellen, erklärte Més. Rosa bezeichnete die Fahrpläne als Beispiel für die Politik der Regierung von Marga Prohens: "Viel Marketing, aber völliges Desinteresse an den Mallorquinern." /bro

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents