Stundenlanges Warten, Gedränge, Schmerzensschreie: So chaotisch war die Heimfahrt nach der Sonnenfinsternis in Santa Ponça
8.000 Menschen verfolgten das Ereignis laut der Guardia Civil am Mittwochabend (11.8.) vom Hauptstrand des Ortes aus. Als die Menschen danach mit dem Bus nach Hause fahren wollten, kam es zu ellenlangen Schlangen und Tumulten

@colodemarco
Die Sonnenfinsternis auf Mallorca am Mittwochabend (11.8.) hat die Inselregierung und das Transportministerium vor eine Mammutaufgabe gestellt, die die beiden Behörden teilweise sehr gut lösen konnten, teilweise aber auch nicht. Während zur Playa de Palma die "00 Eclipsi"-Sonderbusse der EMT im 5-Minuten-Takt fuhren und nach der Sonnenfinsternis jede Menge Sonderbusse die Leute zügig auch wieder zurückbrachten, standen sich die Menschen an den Haltestellen in Santa Ponça die Beine in den Bauch.
Frustration auf dem Heimweg mit den Öffis
Eine riesige Menschentraube von durchgehend mehr als hundert Personen wartete an der Haltestelle Santa Ponça Centre 1 vergeblich auf einen Platz in einem der TIB-Busse 103 zurück nach Palma. Es kam jeweils nur ein einziger Bus im 25-Minuten-Takt, was keinesfalls ausreichend war, um die Menschenmenge zu befördern. Die Frustration der Wartenden steigerte sich zusehends; es wurde sowohl auf Spanisch als auch auf Englisch und Deutsch viel geschimpft.

Guardia Civil
"Das ist mal wieder typisch Spanien", meinte ein Schweizer, der mit seiner Partnerin im dichten Gedränge ausharrte. "Das war doch vorherzusehen, dass hier jede Menge Menschen stehen würden. Zumal man noch dazu angehalten wurde, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen." Nach mehr als einer Stunde vergeblicher Wartezeit beschloss das Paar den Platz in der Schlange aufzugeben, um in Santa Ponça zu Abend zu essen und nicht wie geplant im Hotel in Palma. Für diese Option entschieden sich mehrere Menschen und verteilten sich auf die umliegenden Lokal-Terrassen.

Hier ging es noch gesittet zu: 8.000 Menschen sollen sich am Strand von Santa Ponça die Sonnenfinsternis angesehen haben. / Alexa Bosse
Ellenbogen raus
Da aber weiterhin immer mehr Menschen vom Strand zurückkamen, um einen Bus zu nehmen, blieb es an der Haltestelle bis weit nach Mitternacht überfüllt. Jedes Mal kam es zu schwerem Gedränge, sobald ein Bus erschien. Einen Platz zu erhaschen, war reine Glückssache, da die Busse jeweils an verschiedenen Punkten der Haltestelle hielten und so die Menschen, die bereits seit Stunden warteten, teilweise wieder nicht dran kamen. Da niemand für Ordnung sorgte, schwoll die Masse an allen Seiten an und drückte die vorne Stehenden, sobald ein Bus kam, in Richtung Tür. Das vielerorts erklingende "No empujar! (Nicht drängeln!)" wurde vermischt mit Ausrufen wie "Esto es la guerra! (Wir sind hier im Krieg!)" und "Everybody is fighting on his own here! (Hier kämpft jeder für sich alleine!)". Dazwischen mischten sich Schmerzensschreie von denjenigen, die nach vorne gepresst wurden und teilweise in der Türöffnung stecken blieben.

Der Kampf um den Platz im Bus. / Alexa Bosse
Hätte man das nicht besser organisieren können?
Manch einer versuchte sein Glück deshalb am Taxistand, wo ebenfalls eine große Schlange wartete, obwohl ständig neue Taxis kamen. Das Limit der Kapazitäten war ganz eindeutig überschritten und man fragt sich, warum dies nicht vorhergesehen wurde.
In einer am Donnerstagmittag (13.8.) verschickten Pressemitteilung gab die Balearen-Regierung bekannt, dass man am Vorabend auf der ganzen Insel über 60 zusätzliche Verbindungen eingesetzt habe, um die Menschen möglichst zügig zu den Beobachtungspunkten und zurück zu bringen. In Santa Ponça habe man auf der Linie 123, die unter anderem Cas Català, El Toro, Palmanova und Portals verbindet, 20 zusätzliche Verbindungen angeboten. Auf der Linie 103 nach Palma kamen vier weitere Fahrten hinzu, auf der Linie 122 zwischen Santa Ponça und Andratx zwei zusätzliche Busse.
Ganz offensichtlich haben diese im Fall der Linie 103 nicht wirklich gereicht.
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