Zu groß, zu wenige Schiffe, zu viele offene Fragen: Neuer Ärger um Palmas Wasserbus
Die Vereinigung von Nautikunternehmern (APEAM) hat offizielle Einwände gegen das Prestige-Projekt eingereicht. Und will dafür kämpfen, dass die Vergabe neu ausgeschrieben wird

So sollen die Haltestellen des Wasserbusses laut dem Tui-Projekt aussehen / Redaktion DM
Schon Anfang August wurde bekannt, dass die Zukunft des geplanten Wasserbusses im Hafen von Palma ungewiss ist. Der Start war ursprünglich für Ende dieses Jahres vorgesehen, doch die Verhandlungen zwischen der balearischen Hafenbehörde APB und der aus Tui und MallorcAventura bestehenden Bietergemeinschaft stocken. Nun fordert auch der Unternehmerverband für Meeresaktivitäten auf den Balearen (APEAM), das Vergabeverfahren teilweise neu aufzurollen.
Der Verband hat zehn Einwände gegen das Wasserbus-Projekt eingereicht. Sie betreffen unter anderem die Größe und Zahl der vorgesehenen Katamarane sowie die Transparenz des Verfahrens. Tui und die Hafenbehörde verhandeln unterdessen weiter über eine Lösung für den geplanten „Bus Nàutic“.
Sind die Schiffe zu groß?
Ein zentraler Kritikpunkt von APEAM betrifft die Länge der Schiffe. Laut dem öffentlich ausgelegten Projekt will die Bietergemeinschaft 18 Meter lange Katamarane einsetzen. Für jede Haltestelle ist allerdings lediglich eine Kaifläche von zehn mal 15 Metern vorgesehen. Nach Ansicht des Verbands würden die Schiffe damit die maximale Länge des Liegeplatzes um drei Meter überschreiten.
Besonders problematisch sei dies an der geplanten Haltestelle an der Kaimauer der Fischhandelsbörse La Llotja. Dort könnte ein Katamaran dieser Größe laut APEAM in einen Bereich hineinragen, der nicht mehr zur Konzessionsfläche gehört. Zudem fehlten technische Angaben dazu, wie die Schiffe anlegen, Fahrgäste ein- und aussteigen lassen und anschließend wieder ablegen sollen, ohne die vorgesehenen Grenzen zu überschreiten.
Auch die Zahl der vorgesehenen Schiffe stellt der Verband infrage. Die Ausschreibungsbedingungen verlangen mindestens vier Boote. Gleichzeitig müssen die Taktzeiten eingehalten werden: Auf den Linien 1 und 2 darf die Wartezeit höchstens 30 Minuten, auf Linie 3 maximal 45 Minuten betragen.
Tui España und MallorcAdventure planen mit vier Katamaranen. Ein von APEAM vorgelegtes Gutachten kommt dagegen zu dem Schluss, dass mindestens sieben Schiffe gleichzeitig benötigt würden: zwei auf Linie 1, drei auf Linie 2 und zwei auf Linie 3. Mit nur vier Einheiten ließen sich die vorgeschriebenen Fahrpläne rechnerisch nicht einhalten, heißt es darin.
Kritik an der Transparenz
APEAM beanstandet außerdem die öffentliche Auslegung der Unterlagen. Nach Angaben des Verbands veröffentlichte die APB lediglich das Basisprojekt der Bietergemeinschaft, nicht aber das vollständige Angebot. Dazu zählen unter anderem das Betriebskonzept, die Planung der Verbindungen, die Tarife sowie wirtschaftlich-finanzielle Unterlagen und Nachweise zur Leistungsfähigkeit der Unternehmen.
Dadurch sei eine umfassende Prüfung wesentlicher Punkte nicht möglich gewesen. APEAM äußert unter anderem Zweifel daran, dass MallorcAdventure bestimmte Anforderungen an Gesellschaftskapital und technische Leistungsfähigkeit erfüllt. Gleichzeitig räumt der Verband ein, wegen der fehlenden Unterlagen nicht sämtliche eingereichten Dokumente prüfen zu können.
Weitere Einwände betreffen die Barrierefreiheit. Nach Ansicht von APEAM fehlen Angaben dazu, wie Menschen mit eingeschränkter Mobilität an den einzelnen Haltestellen ein- und aussteigen sollen.
Auch eine mögliche spätere Verlängerung der Linie bis Cala Estància, Can Pastilla und s’Arenal hält der Verband für nicht umsetzbar. Die Hafenbehörde verfüge dort nicht über die erforderlichen Zuständigkeiten.
Zudem warnt APEAM davor, dass der Schiffsverkehr bei einer Konzessionsdauer von 15 Jahren die zulässigen Stickoxid-Emissionen überschreiten könnte. Nach Ansicht des Verbands sollte die Laufzeit deshalb auf höchstens fünf Jahre begrenzt werden.
APEAM fordert die APB auf, das Verfahren zurückzusetzen und die vollständigen Unterlagen erneut öffentlich auszulegen. Sollte die Hafenbehörde dies ablehnen, verlangt der Verband den Ausschluss des Angebots von Tui España und MallorcAdventure und ein Scheitern der Ausschreibung. Wird die Konzession dennoch vergeben, soll sie nach Auffassung von APEAM maximal fünf Jahre gelten.
Drei Linien durch die Bucht von Palma
Der Entwurf der Hafenbehörde sieht drei Strecken vor. Eine Linie soll während der Aufenthalte von Kreuzfahrtschiffen die westliche Kaimauer Dique del Oeste mit der Fischhandelsbörse verbinden.
Eine zweite Verbindung richtet sich ganzjährig an Anwohner, Beschäftigte und Besucher und soll verschiedene Bereiche des Hafengeländes miteinander verbinden.
Die dritte Linie soll zwischen dem Hafen und Portitxol verkehren. Später könnte sie nach den bisherigen Plänen bis Cala Estància, Can Pastilla und s’Arenal verlängert werden. Eine Einzelfahrt soll zunächst rund sechs Euro kosten. Für regelmäßige Nutzer sind zudem Mehrfahrtenangebote vorgesehen.
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