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Mallorca Zeitung

Tödlicher Unfall mit Polizeiauto auf Mallorca: Das Rätsel um den Notruf ist gelöst

Es handelt sich um einen Taxifahrer, der die Polizei wegen eines Falls von geschlechterspezifischer Gewalt gerufen hatte

Beamte der Guardia Civil am Unfallort am Paseo Sagrera. IB3

Nach dem tödlichen Unfall am Paseo Sagrera in Palma de Mallorca, bei dem ein Auto der Ortspolizei am Donnerstag (2.6.) drei Personen überfahren hat, ist eine wichtige Frage geklärt worden. Wie die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" berichtet, wurde ein Taxifahrer ausgemacht, der die Polizei wegen einer Auseinandersetzung auf offener Straße gerufen hatte.

Dieser Zeuge ist wichtig, weil bislang nicht klar war, zu welchem Einsatz die Polizisten fuhren, als das Unglück geschah. Bei der Einsatzleitzentrale der Polizei war kein Notruf an das Auto weitergeleitet worden. Der Fahrer war nach tagelanger Suche ausfindig gemacht worden. Seine Aussage deckt sich mit denen der Polizisten.

Auseinandersetzung an der Plaça de la Reina

Demnach habe er kurz nach Mitternacht an der Plaça de la Reina beobachtet, wie eine junge Frau aus einem Auto gesprungen ist oder herausgeschubst wurde. Das Fahrzeug sei daraufhin in Richtung Paseo Sagrera geflüchtet. Der Taxifahrer vermutete einen Fall von geschlechterspezifischer Gewalt und verständigte deswegen die Polizei.

Die Beamten nahmen die Verfolgung des Wagens auf. Als sie die Ausfahrt zum Paseo Marítimo erreichten, wo sie eine 90-Grad-Kurve machen mussten, verlor der Fahrer die Kontrolle und das Fahrzeug fuhr geradeaus durch die Fußgängerzone. Der Aufprall auf den Bordstein war so stark, dass alle vier Räder des Fahrzeugs aus der Verankerung gerissen wurden. Das Auto fuhr etwa zwanzig Meter durch die Fußgängerzone und überfuhr die drei Opfer, bevor es gegen eine Steinbank prallte.

Ortspolizei übergibt Beweismittel an die Staatsanwaltschaft

Am Montag übergab die Ortspolizei der Staatsanwaltschaft eine Kopie aller bisher von den Ermittlern sichergestellten Beweismittel, einschließlich der Daten der Blackbox des Fahrzeugs. Moderne Polizeifahrzeuge sind mit diesem Gerät ausgestattet, das alle Fahrereignisse wie Geschwindigkeit, Bremsen und Richtungswechsel aufzeichnet. Auf diese Weise kann die genaue Geschwindigkeit ermittelt werden, mit der der Streifenwagen vor dem Unfall auf dem Paseo Sagrera fuhr.

Unterdessen hat die Guardia Civil auf Anordnung des zuständigen Gerichts die Untersuchung des Unfalls eingeleitet. Am vergangenen Samstag untersuchte eine Gruppe von Ermittlern die Unfallstelle eingehend. Die Beamten begannen zudem damit, Zeugenaussagen aufzunehmen und das Videomaterial der Sicherheitskameras in dem Gebiet zu sichten.

Bei dem Unfall am Donnerstag wurde ein 36-jähriger Italiener tödlich verletzt. Eine 35-jährige Polin und ein 25-jähriger Schweizer wurden schwer verletzt. Die beiden Männer arbeiteten in einem Restaurant in der Nähe des Unfallorts und hatten gerade ihre Schicht beendet, als es zu dem Unglück kam.

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