Auch kleine Kinder dabei: Sechs Familien in Palma de Mallorca durch Zwangsräumung auf die Straße gesetzt

Die Wohnungssuchenden hatten das Mehrfamilienhaus zuvor besetzt. Viele wissen nicht, wo sie nun unterkommen sollen

Die Polizeibeamten zwangen die Familien, das Haus zu verlassen

Die Polizeibeamten zwangen die Familien, das Haus zu verlassen / Maria Pedraza

J. F. Mestre

Die Ortspolizei von Palma de Mallorca hat am Mittwoch (15.6.) sechs Familien gezwungen, ein Mehrfamilienhaus in Palma de Mallorca zu verlassen, das sie zuvor illegal besetzt hatten. Ein Richter hatte die Räumung des Gebäudes veranlasst, obwohl die Besetzer teilweise kleine Kinder haben. Als Begründung nannte das Gericht den ruinösen Zustand des sechs-Parteien-Gebäudes, das die 28 Eindringlinge unverzüglich verlassen mussten. Zudem wurde der Besitzer der Immobilie ermahnt, das Haus im Carrer Miquel Angel Riera y Gumersindo schnellstmöglich auf Sicherheitsmängel hin renovieren zu lassen.

Tatsächlich wird das Gebäude bereits seit rund zehn Jahren von verschiedenen Familien besetzt gehalten, gelegentlich kommen neue hinzu, teilweise gehen sie weg. Die meisten von ihnen finden zumindest zeitweise keine andere Bleibe, in der sie unterkommen können - nicht nur, wegen der hohen Mietpreise, sondern auch, weil sich viele Eigentümer weigern, Menschen anderer Hautfarbe oder Herkunft ihre Wohnungen zu vermieten, versichern die Besetzer.

Rassismus auf dem Mietmarkt

Eine der Frauen, die nun auf die Straße gesetzt wurden, ist Yohanna. Sie kommt aus der Dominikanischen Republik und verbrachte die letzten anderthalb Jahre in dem besetzten Haus, gemeinsam mit ihren zwei kleinen Kindern, ihrer Mutter und zwei Geschwistern. Sie lebten ohne fließendes Wasser, versuchten sich, die karge Bleibe so gemütlich wie möglich einzurichten. "Wir wissen nicht, wo wir jetzt hinsollen. Wir haben versucht, eine Wohnung zu mieten, aber wir schaffen es nicht. Viele Eigentümer haben sich gegen uns entschieden, weil sie keine dominikanischen Mieter haben wollen. Es ist eine Form von Rassismus", betont Yohanna.

In einem verzweifelten Auflehnen gegen die bevorstehende Räumung setzten sich die Besetzer mit der Organisation Stop Desahucio (deutsch: Stoppt Zwangsräumungen) in Kontakt. Der Sprecher des Kollektivs, Joan Segura, versuchte gemeinsam mit zwei anderen Freiwilligen, den Familien zu helfen, um einem Rauswurf zu entgehen, verbarrikadierten sogar die Eingangstür.

Doch letztlich entschieden sie sich, die Polizeibeamten freiwillig einzulassen. "Dabei ist die Situation der Menschen hier hoffnungslos", so Segura. Niemand vom Rathaus hätte sich in dem Haus blicken lassen, um den Familien eine Lösung anzubieten. Dass das Gebäude einsturzgefährdet sei, bestreitet er. "Hier sind keine Risse in den Wänden, nicht einmal Feuchtigkeitsflecken", beteuert er. /somo

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