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Polizeichef von der Playa de Palma auf Mallorca: "Die Urlauber passen nicht auf"

Francisco Javier Santos erklärt, dass es mehr Drogenhandel, dafür aber weniger Klauhuren an der Playa de Palma gibt

Polizeichef an der Playa de Palma: Francisco Javier Santos. B. Ramon

Hauptkommissar Francisco Javier Santos leitet seit April 2020 die Polizeistation an der Playa de Palma. Die Gegend ist bereits in vollem Gange, mit Tausenden von Urlaubern und Dutzenden von Kriminellen, die versuchen, sich an ihnen zu bereichern.

Das ist ja ein interessanter Sommer, der uns bevorsteht.

Ja, das stimmt. Mit der Pandemie hatten wir zwei außergewöhnlich ruhige Jahre, und jetzt ist wieder alles wie früher, vielleicht sogar ein bisschen extremer. In diesem Jahr hat die Saison sehr früh begonnen. Die Hotelauslastung lag Anfang Mai bereits bei 80 Prozent und steigt weiter an. Und im Juni ist es, als ob wir schon in der Hochsaison wären.

Was ist derzeit das größte Sicherheitsproblem an der Playa de Palma?

Es handelt sich hauptsächlich um Eigentumsdelikte: Diebstähle, die meisten davon, gelegentliche Autoeinbrüche und Betrügereien, wie z. B. die Hütchenspieler. Raubüberfälle mit Gewalt sind sehr selten.

Mit anderen Worten, es handelt sich meist um geringfügige Verstöße, die jedoch sehr häufig vorkommen.

Das stimmt, und das alles hängt mit dem Sauftourismus zusammen. Die Urlauber trinken viel und werden dadurch leichter zum Opfer.

Wie viele Anzeigen erhalten Sie an einem normalen Tag auf der Polizeiwache in Playa de Palma?

An den Wochenenden ist die Zahl meistens am höchsten. Das können vierzig oder fünfzig Anzeigen pro Tag sein. Aber in vielen Fällen handelt es sich um den Verlust oder das Abhandenkommen von Gegenständen. Nicht alle sind auf Straftaten zurückzuführen. Und dann gibt es auch noch einen Prozentsatz von falschen Anzeigen, um zu versuchen, Geld von der Reiseversicherung zu kassieren.

Sind Touristen zu unvorsichtig, und welche Ratschläge würden Sie ihnen zum Selbstschutz geben?

Leider ja. Spanien ist eines der sichersten Länder in der Europäischen Union. Die Urlauber wissen das und passen nicht auf. Die Kriminellen machen sich dies zunutze. Es empfiehlt sich, ein Mindestmaß an Vorsicht walten zu lassen: Lassen Sie Ihre persönlichen Gegenstände nicht unbeaufsichtigt, wenn Sie an den Strand gehen. Gleiches gilt für die Ankunft und Abreise im Hotel. Spielen Sie nicht bei den Hütchenspielern mit, denn Sie werden nie gewinnen. Und seien Sie vorsichtig gegenüber Fremden, die sich Ihnen mit übermäßiger Vertrautheit nähern.

Haben Sie eine Ahnung, wie viele Kriminelle in der Hochsaison nach Palma kommen?

Ich kann Ihnen keine Zahlen nennen, aber wir haben die Anwesenheit von organisierten Gruppen festgestellt. Kürzlich hat die Polizei im Zentrum von Palma eine Taschendiebesbande zerschlagen. Natürlich gibt es viele Menschen, die ausdrücklich kommen, um in der Hochsaison des Tourismus Verbrechen zu begehen.

Und haben Sie festgestellt, dass sie immer organisierter vorgehen?

Ja, viele von ihnen sind Profis. Es sind Banden, die von Ort zu Ort reisen. Sie verfügen über Hierarchien und teilen sich die Aufgaben auf.

Wie arbeiten diese Banden?

Sie wohnen in Hotels oder Ferienwohnungen. Sie wechseln häufig die Unterkunft, um es schwieriger zu machen, sie zu finden. Einige beobachten und wählen potenzielle Opfer aus, andere sind für die Durchführung der Raubüberfälle zuständig. Und sie wählen den Moment, in dem das Opfer am verletzlichsten ist, wenn die Situation am günstigsten ist.

Was sind diese Situationen?

Zum Beispiel, wenn die Urlauber nachts am Strand baden geht und seine Sachen unbeaufsichtigt lässt. Die Diebe nutzen auch die Menschenmengen aus. Sie arbeiten in den Bussen, die die Playa de Palma mit dem Zentrum verbinden. Außerdem nutzen sie die Zeiten aus, in denen Gruppen ankommen oder ihr Hotel verlassen. Die Diebe mischen sich unter die Touristen, um die Koffer zu stehlen, die ihre Besitzer unbeaufsichtigt lassen.

Sind auch die so genannten Klauhuren zurück?

Nein, dieses Jahr nicht. In anderen Jahren haben wir festgestellt, dass sich Gruppen von Prostituierten um Touristen herum aufhielten, die die Tatsache ausnutzten, dass sie betrunken waren, ihnen Angebote machten und ihre Brieftaschen oder Handys stahlen. Eine andere Masche ist, dass ein Täter sich einer meist einer älteren Person nähert und so tut, als ob er sie kennen würde. Er umarmt sie und stiehlt dabei Schmuck oder eine Uhr.

Wie sieht es mit dem Drogenhandel aus? Ist er auch angestiegen?

Ja, vor allem der Drogenhandel in der Nähe von Nachtlokalen. Erst kürzlich haben wir bei einer Razzia Dealer hochgenommen, die sich als Straßenhändler getarnt hatten. Sie verkauften unter anderem gefälschtes Viagra und Betäubungsmittel. Die Drogen hatten sie aber nicht bei sich, sondern versteckten sie in Mülleimern. So hatten sie bei den Polizeikontrollen nie welche dabei oder wenn, nur in geringen Mengen.

Ist die Verstärkung für die Sommeraktion schon eingetroffen?

Ja, dieses Jahr haben die Sondereinheiten schon am 1. Juni mit der Arbeit begonnen. Und am 1. Juli trifft Verstärkung aus den europäischen Polizeistationen ein, mit deutschen Beamten, die den ganzen Sommer über hier bleiben werden. Sie bilden zusammen mit der spanischen Polizei gemischte Patrouillen, tragen aber ihre eigenen Uniformen und haben so eine abschreckende Wirkung auf ihre Landsleute. Die Niederlande haben sich dieses Jahr ebenfalls dem Projekt angeschlossen, und in diesem Sommer wird die niederländische Polizei in der Gegend von s'Arenal patrouillieren, wo es immer mehr Urlauber aus dem Land gibt.

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